Vor 15 Jahren getauft: Schulschiff "Alexander von Humboldt II"
Die "Alexander von Humboldt II" gehört zu den jüngsten Großseglern aus Deutschland, am 24. September 2011 wurde sie getauft. Wie die "Gorch Fock" der Bundesmarine ist auch die "Alex II" ein Schulschiff - Trainees lernen auf ihr den Umgang mit Tampen, Ruder und Rigg.
Über eine schmale quietschende Gangway geht es an Bord der "Alexander von Humboldt II". Das markante Segelschiff mit den grünen Segeln liegt unweit der Kleinen Meerjungfrau im Hafen von Kopenhagen. An Bord kommen Anfang September 2026 die Stammbesatzung und 45 Trainees, die einen einwöchigen Törn nach Bremerhaven gebucht haben.
"Seid ihr alle zufrieden, habt ihr alle eure Koje gefunden und geht's euch allen noch gut?", begrüßt Kapitän Joachim Kahl die neue Crew. "Noch keiner seekrank geworden? Nein? Das ändert sich." Mit einer ordentlichen Prise Seemannshumor führt Kahl die Trainees an den Großsegler heran - und daran, was in der kommenden Woche auf die Mannschaft zukommt. "Wir legen auch alle Hand mit an, weil wir ja kein Kreuzfahrtschiff sind, was das Ziel hat, euch durch die Gegend zu fahren, sondern wir wollen alle ein Erlebnis haben. Und das Erlebnis ist echte Seemannschaft und Mitanpacken."
2011 in Bremerhaven getauft
Seit 2011 bietet die "Alexander von Humboldt II" dieses besondere, nicht ganz günstige Erlebnis an. Am 24. September 2011 wird die Nachfolgerin der legendären "Alexander von Humboldt I" in Bremerhaven getauft. Rund 15 Millionen Euro kostet der Bau der Bark. Sie ist 65,05 Meter lang, 48,10 Meter lang und 10 Meter breit. Ihr maximaler Tiefgang beträgt 5,10 Meter. Damit ist sie nach der "Gorch Fock", dem Segelschulschiff der Marine, das größte deutsche Segelschiff.
Die Jungfernfahrt führt das Schiff von Oktober 2011 bis April 2012 über die Kanarischen Inseln bis zu den Kapverden und zurück in den Heimathafen Bremerhaven. An die alte Bark erinnern der grüne Rumpf und, seit April 2015, auch die grünen Segel - wie bei der Vorgängerin. Zuvor ist das Schiff dreieinhalb Jahre unter weißen Segeln unterwegs gewesen. Seit dem 28. April 2015 ist die "Alexander von Humboldt II" auf Grün umgestellt, gesponsort wie auch schon beim Vorgängerschiff von einer Bremer Brauerei.
Nur selten sind alle Segel gesetzt
24 Segel können insgesamt gesetzt werden. Doch das passiere relativ selten, sagt Kapitän Kahl: "Das ist ein Irrtum, wenn man meint, dass man durch mehr Segelsetzen mit diesem Schiff schneller wird, das stimmt einfach nicht." Das sei zwar schön für ein Foto, bringe jedoch effektiv nichts. "Wenn das Schiff auf die Seite geht, wenn es - wie wir sagen - auf die Backe geht, dann hast du ja mehr Rumpffläche im Wasser und dann wird es langsamer", so Kahl. "Ein Schiff muss man aufrecht segeln. Dann wird man schneller."
Trainees helfen bei allem mit - auch im Rigg
Was die Trainees an Bord machen? Kahl fasst es zu Beginn des Törns Kopenhagen-Bremerhaven so zusammen: "Ihr werdet das Schiff steuern, ihr werdet Ausguck gehen, ihr werdet Feuerrunden gehen. So wie das Tradition und Sitte seit ewigen Zeiten war, das erlebt ihr hier an Bord." Zudem würden Segelmanöver wie Halsen und Wenden gefahren und die Segel dem Wind angepasst. Die Laien werden dabei von der Stammcrew angeleitet - auch darin, im Rigg bis ganz nach oben im Mast zu gehen.
Die Besatzung wird eingeteilt in drei Wachen: von 0 bis 4 Uhr, von 4 bis 8 Uhr und von 8 bis 12 Uhr. Immer vier Stunden Arbeitseinsatz hat man dann, ehe acht Stunden Ruhepause folgen. Danach geht es dann in die zweite vierstündige Schicht des Tages - bei jedem Wetter.
79 Menschen können mitsegeln
Insgesamt 79 Segler haben auf der "Alex II" Platz, zumeist untergebracht in Vierer-Kajüten, auf dem Oberdeck gibt es aber auch einige wenige Doppelkajüten, die entsprechend teurer sind. Das Schiff ist nach modernen Standards ausgestattet, so besitzen alle Kabinen eigene Duschen und Toiletten, im Badezimmer gibt es sogar Fußbodenheizung. Praktisch, wenn die Kleidung nach einem Segeleinsatz im Regen durchnässt ist und bis zur nächsten Wache trocknen muss. Eine biologische Kläranlage reinigt das Abwasser.
Alle an Bord arbeiten ehrenamtlich
"Alle hier arbeiten ehrenamtlich", betont Kapitän Kahl. "Keiner kriegt Geld dafür, vom Kapitän bis zum Leichtmatrosen." Wenn man ein paar Mal mitgefahren sei als Trainee, werde man vom "grünen Virus" infiziert. "Dann kann man eine bordinterne Prüfung machen, die hat es in sich. Und dann kann man Leichtmatrose werden. Danach hat man dann die Möglichkeit, ehrenamtlich als Teil der Stammcrew mitzufahren."
Die Eignerin "Deutsche Stifftung Sail Training" will vor allem Jugendlichen das Erlebnis einer Segelreise ermöglichen. Die Stammbesatzung weist sie in das Segelhandwerk ein. Die "Alex II" trägt auch den Beinamen "Windjammer der Jugend". Ziel ist es, vor allem soziale Kompetenzen wie Verantwortungsbereitschaft, Teamgeist, Tolerenz und Rücksichtnahme zu vermitteln.
Unfreiwillige Pause nach Unfall mit Schwimmkran
Im August 2023 kollidiert die "Alexander von Humboldt II" in Bremerhaven beim Auslaufen mit einem Schwimmkran. Zwei Rahen brechen. Niemand der rund 100 Menschen an Bord wird verletzt. Der Schaden beträgt mindestens 100.000 Euro. Mehrere Wochen kann das Schiff nicht auslaufen.
Technische Daten der "Alex II"
Baujahr: 2011
Stapelhub: 26. Mai 2011
Schiffstyp: Dreimastbark
Gesamtlänge: 65 Meter
Breite: 10 Meter
Segelfläche: 1.360 Quadratmeter
Nation: Deutschland
Bauwerft: Brenn- und Verformtechnik (BVT) Bremen
Eigner: Deutsche Stiftung Sail Training
Seit der Reparatur ist die Bark wieder auf den Weltmeeren unterwegs, im Winterhalbjahr seit einiger Zeit im Rahmen des kanadischen Projekts "Class Afloat" mit Schülern, deren Eltern das nötig Kleingeld für einen mehrmonatigen Aufenthalt auf dem Schiff mitbringen.
Vorgängerin ist heute Hotel- und Restaurantschiff
Die Vorgängerin "Alexander von Humboldt I" ist im Oktober 2011 als Schulschiff außer Dienst gestellt worden. Sie liegt heute als Hotel- und Restaurantschiff an der Bremer Uferpromenade Schlachte.
Der Namensgeber Alexander von Humboldt
Der 1769 in Berlin geborene Naturforscher und Humanist wurde vor allem durch seine Forschungsreisen nach Südamerika bekannt, die ihm den Ruf eines "zweiten, wissenschaftlichen Entdeckers Amerikas" einbrachten. Er gilt als einer der letzten Universalgelehrten und Mitbegründer der modernen Geografie.
In seinem Werk "Kosmos" versuchte Humboldt, "die ganze materielle Welt und alles, was wir heute von den Erscheinungen der Himmelsräume und des Erdenlebens wissen" darzustellen." Das fünfbändige Werk blieb unvollendet - Alexander von Humboldt starb am 6. Mai 1859 im Alter von 89 Jahren in Berlin.