Markenzeichen grüne Segel: Die "Alexander von Humboldt I"
Am 23. September 1986 wurde das bisherige Feuerschiff außer Dienst gestellt und zum Schulschiff umgebaut. Mit ihren grünen Segeln und dem grünen Rumpf wurde die "Alexander von Humboldt I" auch durch Bierwerbung bekannt. Seit 2016 liegt sie in Bremen.
Das Schiff kreuzte nicht immer als Windjammer über die Meere. Auch war es ursprünglich nicht grün, sondern feuerrot. Denn die Bark war früher ein Feuerschiff. Am 10. September 1906 läuft das Schiff mit dem Namen "Reserve Sonderburg" in Bremerhaven vom Stapel, benannt nach dem damaligen Heimathafen. Wie bei Feuerschiffen üblich, ist der Anstrich des Stahlrumpfes rot, ergänzt von großen weißen Schriftzeichen. Als eine Art mobiler Leuchtturm liegt die "Sonderburg" in den folgenden Jahren an verschiedenen Positionen auf der Nord- und Ostsee vor Anker und erleichtert dort Kapitänen die Orientierung.
Am 4. Januar 1957 gelingt das nicht ganz so gut: Ein finnisches Motorschiff rammt das mittlerweile mit einem Dieselmotor ausgestattete Feuerschiff. Es muss repariert und modernisiert werden, bevor es zwei Jahre später wieder auf seine Position zurückkehren kann.
Schwimmender Wegweiser bis 1986
Eigner und Namen wechseln in der Geschichte des Schiffes mehrfach. Den Dienst als schwimmenden Wegweiser versieht es bis ins Jahr 1986. Am 17. September 1986 - das Feuerschiff ist jetzt in der Wesermündung stationiert - kommt es zu einer erneuten Kollision, dieses Mal mit einem liberianischen Motorschiff. Nach 80 Jahren wird das Feuerschiff am 23. September 1986 außer Dienst gestellt.
Vom Feuerschiff zum Windjammer
Auf Anregung zweier Kapitäne - Manfred Hövener, damals Professor an der Hochschule Bremerhaven, und Hans Freiherr von Stackelberg, früherer Kommandant der "Gorch Fock" - kauft die "Deutsche Stiftung Sail Training" (DSST) das Feuerschiff, um es zu einer Bark umzubauen. Wegen seiner Rumpfkonstruktion ist es dafür besonders geeignet: Es weist die klassische S-Spant-Konstruktion eines schlanken Segelschiffes auf. Diese Bauweise war für das Feuerschiff gewählt worden, da es an seiner jeweiligen Position auch schwere Unwetter vor Anker liegend überstehen musste.
Der grüne Rumpf - eine Hommage an die Rickmers-Reederei
Nach dem Umbau zum Windjammer versieht das Schiff seinen Dienst als Jugend- und Ausbildungsschiff. Als Referenz an die berühmten Segelschiffe der Rickmers-Reederei bekommt es einen grünen Anstrich. Am 20. Mai 1988 erhält die Bark ihren neuen Namen: "Alexander von Humboldt", nach dem deutschen Naturforscher und Humanisten.
Das Schiff wird auch für die Werbung eines Bremer Bier-Herstellers genutzt. Bekannt ist es unter anderem wegen des Songs "Sail Away", der erst ab 1991 von Hans Hartz (1943-2002), dann ab 1995 von Joe Cocker (1944-2014) gesungen worden ist.
Bis 2011 segelt die "Alexander von Humboldt" - von ihren Freunden auch liebevoll "Alex" genannt - als Segelschulschiff und "Windjammer für die Jugend" über die Weltmeere. Sie legt mehr als 360.000 Seemeilen zurück, nimmt an zahlreichen Regatten teil und umrundet zwei Mal das Kap Hoorn. Am 9. Oktober 2011 geht die Veteranin der Weltmeere erneut außer Dienst - der Unterhalt des alten Schiffes war für den Eigner teurer geworden, als ein neues Schiff bauen zu lassen.
Die Nachfolgerin "Alexander von Humboldt II" ist ähnlich groß und ebenfalls eine Bark. Sie ist der erste Neubau eines Segelschiffes, seit 1958 die "Gorch Fock" vom Stapel lief. Die Segel sind anfangs nicht grün, erst ab 2015 wieder. Der grüne Rumpf erinnert sowieso schon an die Vorgängerin.
"Alex" als Hotel und Restaurant im Einsatz
Die "Alexander von Humboldt I" landet nicht in der Schrottpresse, sondern legt im Januar 2012 für eine Bremerhavener Reederei einmal mehr in Richtung Karibik ab. Dort schippert sie Touristen auf Segeltörns durch die Gewässer rund um die Bahamas. Doch die Kurz-Kreuzfahrten rechnen sich für den neuen Eigentümer nicht, er verkauft das Schiff 2014 an einen Geschäftsmann aus Goslar. Der lässt die "Alex" zu einem Hotel- und Restaurantschiff umbauen. Seit Herbst 2016 liegt sie nun an der Schlachte in Bremen.
Technische Daten der "Alex I"
Baujahr: 1906
Schiffstyp: Bark
Gesamtlänge: 62,55 Meter
Breite: 8,02 Meter
Maximale Masthöhe: 33,9 Meter
Tiefgang (voll beladen): 4,88 Meter
Nation: Deutschland
Heimathafen ab 2012: Freeport (Bahamas)
Eigner: Manfred Spitzkowsky