Not und Hilfe nach dem Zweiten Weltkrieg

Flüchtlingstreck nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nachdem Nazi-Deutschland besiegt ist, werden aus den deutschen Ostgebieten Millionen von Menschen vertrieben oder sie müssen flüchten.

Auf dem Bild sind mehrere Gegenstände abgebildet, die aus den Filtergehäusen von "Volksgasmasken" gefertigt wurden: Petroleumlampen, Siebe, Schaumlöffel. Auch eine Gasmaske ist zu sehen.

Ab 1945 ist Hausrat Mangelware. Im Überfluss gibt es dagegen Kriegsschrott. In der Not werden Militärartikel umfunktioniert.

Zwei Flüchtlingskinder 1945 in Deutschland

Traumatisiert und hungrig kommen Zehntausende Kriegswaisen 1945 nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort leben sie in provisorischen Heimen.

Zeichung "Auf dem Weg zum Verhör" von Wilhelm Sprick

Tausende Jugendliche wurden nach dem Krieg von Sowjets beschuldigt, Nazi-"Werwolf" gewesen zu sein. Viele starben in Verhör-Kellern, auch in Malchow.

Ein alter Mann nimmt 1946 an einer Mülltonne eine Mahlzeit ein.

Der Zweite Weltkrieg ist beendet, Deutschlands Städte sind zerbombt. Dann bricht der kälteste Winter des Jahrhunderts ein. Hunderttausende sterben.

Kinder blicken neugierig in ein CARE-Paket.

Das CARE-Paket gilt als Symbol der Nachkriegszeit. Am 15. Juli 1946 kommen die ersten Hilfslieferungen für Deutschland in Bremerhaven an.

Bernhard Quandt (l.) im Gespräch mit mecklenburgischen Bauern, 1958 --- (Deutsches Bundesarchiv: cc-bysa, Wolf Spillner)

In der Sowjetischen Zone beginnt nach Kriegsende eine Bodenreform: Landwirtschaftlicher Grund wird enteignet und umverteilt.

Im Zweiten Weltkrieg werden Hunderttausende Familien auseinandergerissen. Um ihnen zu helfen, richtet das Deutsche Rote Kreuz im Oktober 1945 einen Suchdienst nach Vermissten ein.

Vor Ruinen ausgebombter Wohnhäuser in Hamburg stehen Behelfsheime, sogenannte Nissenhütten.

Nach dem Krieg leben die Menschen im zerstörten Hamburg auf engstem Raum. Weil viele Heimatlose kommen, begrenzt die Stadt ab dem 1. April 1946 den Zustrom.

Adolph Kummernuss (links), Erster Vorsitzender des Ortsausschusses des Deutschen Gewerkschaftsbundes Groß-Hamburg, spricht am 9. Mai 1947 zu Demonstranten vor dem Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof in Hamburg.

Nur noch 800 Kalorien pro Tag: Am 9. Mai 1947 protestieren rund 150.000 Menschen in Hamburg gegen extreme Nahrungsknappheit.

Nachkriegs-Prozesse

Zwei der zum Tode verurteilten Angeklagten, der ehemalige Lagerleiter Josef Kramer (l) und der Lagerarzt Fritz Klein (r), verlassen im November 1945 den Gerichtssaal in Lüneburg.

Am 17. November 1945 werden die Urteile im ersten NS-Kriegsverbrecherprozess gesprochen: neben Todes- und Haftstrafen auch Freisprüche.

Blick auf die Anklagebank beim Nürnberger Kriegsverbrecher-Hauptprozesses am 20. November 1945 im Gerichtssaal des Justizpalastes in Nürnberg.

Mit den Nürnberger Prozessen begann ein wichtiges Kapitel der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Ein Gespräch mit dem Historiker Norbert Frei 2020.

 Auf dem Lagergelände von Auschwitz gefundene Dosen des Giftgases Zyklon B. - Foto: 1988. Aus dem Projekt: Memorials Archive.

Bis 1945 liefert eine Hamburger Firma Zyklon B an mehrere Konzentrationslager. Am 16. Mai 1946 werden zwei Verantwortliche hingerichtet.

Angeklagte im Curiohaus-Prozess, links KZ-Kommandant Max Pauly

Im ersten Prozess gegen Verantwortliche des KZ Neuengamme werden am 3. Mai 1946 die Urteile verkündet: Elf Mal verhängt das Gericht die Todesstrafe.

Der ehemalige Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, Rudolf Höß, in Handschellen.

Ein junger Jude jagt für die Briten Nazis. Am 11. März 1946 setzt er den früheren KZ-Kommandanten Rudolf Höß bei Flensburg fest.

Beginn des Auschwitz-Prozesses 1963 in Frankfurt am Main.

Mit dem Auschwitz-Prozess begann am 20. Dezember 1963 das bis dahin wichtigste deutsche Verfahren gegen NS-Verbrecher. Hunderte Zeugen sagten aus.

Überreste eines Massengrabs ermorderter Juden in Mirny bei Berditschew in der Ukraine.

Am 9. Februar 1968 werden in Hamburg drei SS-Leute für Verbrechen an der Ostfront verurteilt. Doch keiner der Täter sitzt seine Strafe voll ab.

Ein Mann sitzt 1942 im Rigaer Judenghetto auf einem Karrenwagen vor einem Stacheldrahtzaun. --- (Creative Commons License / CC-BY-SA 3.0, Otto Donath - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-N1212-325,_Riga,_Judenghetto.jpg)

1941 töten die Nazis mindestens 25.000 Juden aus dem Ghetto. Vier Helfer stehen ab dem 2. Oktober 1972 in Hamburg vor Gericht.

Politischer Umbau und Teilung

Der Parlamentarische Rat 1948 mit seinem Präsidenten Konrad Adenauer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg muss sich Deutschland auch politisch neu aufstellen. Wie sah die Entwicklung im Norden aus?

Britische Soldaten marschieren am 3. Mai 1945 in Hamburg ein.

Im Mai 1945 besetzen die Briten Norddeutschland. Sie bringen Nissenhütten, Popmusik und demokratische Strukturen.

Vor 76 Jahren schließen Briten und Sowjets den Gadebuscher Vertrag. Hunderte Menschen verlassen innerhalb kurzer Zeit ihre Heimat.

Eröffnungssitzung der Regierung des Landes Schleswig-Holstein am 2. Dezember 1946 in Kiel

Der 23. August 1946 gilt als Geburtsstunde Schleswig-Holsteins. Armut und die Integration von Flüchtlingen prägen die Nachkriegsjahre.

Die konstituierende Sitzung der ersten frei gewählten Bürgerschaft in Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg.

Es ist der Beginn einer neuen Ära: Erstmals nach Kriegsende stimmt Hamburg am 13. Oktober 1946 wieder über die Bürgerschaft ab.

Kommunist Wilhelm Pieck (l.) und Sozialdemokrat Otto Grotewohl besiegeln die Vereinigung von SPD und KPD am 22. April 1946 im Berliner Admiralspalast per Händedruck.

Aus SPD und KPD entsteht auf einem Parteitag am 21. und 22. April 1946 die SED. In MV erfährt sie breite Unterstützung, aber nicht alle sind "auf Linie".

Hinrich Wilhelm Kopf, der erste Ministerpräsident von Niedersachsen, 1951 in seinem Büro in Hannover.

Am 1. November 1946 wurde Niedersachsen gegründet. Nach dem Krieg musste die erste Landesregierung immense Probleme lösen.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher hält während einer Kundgebung der SPD im Mai 1946 in Frankfurt/Main eine Rede.

Im Oktober 1945 wird die SPD neu gegründet. Der erste Nachkriegsparteitag findet vom 9. bis 11. Mai 1946 in Hannover statt. Kurt Schumacher erntet begeisterten Applaus.

Der CDU-Vorstand mit Friedrich Holzapfel, dem Vorsitzenden Konrad Adenauer und Jakob Kaiser (von links) am 21.10.1950 auf dem Gründungsparteitag der CDU in Goslar

Auf dem ersten Bundesparteitag der CDU vom 20. bis 22. Oktober 1950 beschließt die Partei ihr Statut und wählt Adenauer zum Vorsitzenden.

Konrad Adenauer unterzeichnet das Grundgesetz am 23. Mai 1949

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik verkündet. Weltweit orientierten sich Staaten an der deutschen Verfassung.

Eine Collage von zahlreichen Wahlplakaten aus dem Jahr 1949

Lautsprecherwagen, Feldtelefone und Politiker mit Popstar-Status - der aufregende Wahlkampf zur ersten Bundestagswahl am 14. August 1949.

Konrad Adenauer spricht im Parlamentarischen Rat und verkündet am 23. Mai 1949 offiziell das Grundgesetz.

In der jungen deutschen parlamentarischen Demokratie wird Konrad Adenauer zur prägenden Figur. Zeitzeuge Otto Wulff war nah dran.

Verkäuferin und Kundinnen in einer Fleischerei, Aufnahme um 1951.

Die Bundesrepublik setzt nach dem Krieg auf soziale Marktwirtschaft. Harte Arbeit und Sozialpartnerschaften führen zum "Wirtschaftswunder".

Massenkundgebung anlässlich der Gründung der DDR am 11. Oktober 1949 in Berlin-Mitte: Die FDJ im Demonstrationszug vor der Humboldt-Universität.

Viereinhalb Monate nach Gründung der Bundesrepublik wird die Sowjetische Besatzungszone am 7. Oktober 1949 zur DDR - und die Teilung vollzogen.

Ernennung der ersten 100 freiwilligen Soldaten - Bonn, 12. November 1955

Die deutsche Wiederbewaffnung wird in den 50ern zur Streitfrage. Am 12. November 1955 erhalten die ersten Freiwilligen ihre Ernennungsurkunden als Soldaten.

Unternehmerischer Aufbruch

Ein Lebensmittelladen wirbt nach der Währungsreform 1948 mit dem Spruch "Freie Ware - Hier wird nicht mehr geflüstert".

Am 20. Juni 1948 tritt die Währungsreform in Kraft. Plötzlich gibt es Waren, die in der inflationären Reichsmark-Zeit gar nicht oder nur auf dem Schwarzmarkt zu haben waren.

Mitarbeitende verlassen 1972 zum Schichtwechsel das Volkswagenwerk in Wolfsburg.

Nach Kriegsende lassen die Alliierten die "Stadt des KdF-Wagens" in Niedersachsen am 25. Mai 1945 in Wolfsburg umbenennen.

Produktion des VW Käfers im Volkswagenwerk Wolfsburg 1972

Wenige Monate nach Kriegsende beginnt am 27. Dezember 1945 in Wolfsburg die Serienproduktion des weltberühmten VW Käfer.

Blick in eine Ausstellungshalle der Export- Messe in Hannover im Jahr 1947.

1947 ging die Hannover Messe als "Export-Messe" an den Start. Zu jeder Eintrittskarte gab es damals ein Fischbrötchen.

Werner Otto in den 1950er-Jahren

1949 gründet Werner Otto in einer Baracke in Hamburg einen Versandhandel. Der erste Katalog hat nur 16 Seiten. Heute gehört das Unternehmen zu den größten seiner Art weltweit.

Schwarz-weiß-Aufnahme einer Tchibo-Filiale

1949 gründen Max Herz und Carl Tchilling-Hiryan in Hamburg eine Firma für Röstkaffee. Den verschicken sie damals mit der Post.

Auf einer Bildcollage sind die Rowohlt Taschenbücher "Schloss Gripsholm" von Kurt Tucholsky, "Kleiner Mann was nun" von Hans Fallada, "Am Abgrund des Lebens" von Graham Green und "Das Dschungelbuch von "Rudyard Kipling".

Nach dem Krieg liegt die Buchbranche 1945 brach. Am 17. Juni 1950 erfolgt eine Revolution: das "rororo"-Taschenbuch.

Blick auf moderne Wohnhäuser und ein Wasserbecken in Neu-Altona (Holstenstraße) in den 1960er-Jahren.

Zerstörte Städte bieten Architekten in der Nachkriegszeit Raum für Utopien. Historische Gebäude stören in ihren Plänen eher.

Freie Presse

Lizenträger Lovis Lorenz (l) nimmt am 15. Februar 1946 in Hamburg vom britischen Militärgouverneur von Hamburg (r) die Lizenz-Urkunde für die Wochenzeitung "Die Zeit" entgegen.

Deutschland liegt in Trümmern, als am 21. Februar 1946 in Hamburg eine neue Zeitung startet. Ihr Ziel: stets "ungeschminkt die Wahrheit sagen".

Das Cover der ersten Ausgabe von "Diese Woche".

Im November 1946 halten die Menschen das Nachrichtenmagazin "Diese Woche" aus Hannover erstmals in der Hand. Bald wird daraus "Der Spiegel".

Ein kleines Mädchen hält am 30. Oktober 1962 im Rahmen einer Demonstration gegen die Verhaftung von "Spiegel"-Redakteuren eines Ausgabe des Nachrichtenmagazins in den Händen.

Am 4. Januar 1947 erscheint der "Spiegel" zum ersten Mal. Das Magazin deckt etliche Skandale auf, stolpert aber auch selbst.

Der Publizist Henri Nannen sitzt an seinem Schreibtisch und hält eine Ausgabe des Magazins "Stern" in den Händen.

Der Gründer des "Stern" wurde am 25. Dezember 1913 in Emden geboren. Henri Nannen machte sich aber auch als Kunst-Mäzen einen Namen.

Mitarbeiter in der Hamburger dpa-Zentralredaktion 1956

Am 1. September 1949 schickt die Deutsche Presse-Agentur von Hamburg aus ihre erste Meldung über die Ticker.

Der Zweite Weltkrieg im Norden

SA-Männer kleben ein Plakat mit der Aufschrift 'Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden' an die Schaufensterscheibe eines jüdischen Geschäfts.

1933 wird der Nationalsozialist Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Fortan setzt das NS-Regime seinen absoluten Führungsanspruch durch - mithilfe von Terror und Propaganda.

Siegesparade der 8. Armee in Warschau am 5. Oktober 1939. - Vorbeimarsch vor der Führertribüne. -

Mit dem deutschen Überfall auf Polen beginnt am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Weltweit kostet er mehr als 50 Millionen Menschen das Leben.

Wehrmachtssoldaten ergeben sich 1945 und halten weiße Tücher hoch.

Am 8. Mai 1945 kapituliert die deutsche Wehrmacht. Viele Städte und Lager sind von den Alliierten da bereits befreit worden.