Video: Hamburg damals: 50 Jahre Knust (4 Min)

Seit 1976 geben sich im Knust Musikgrößen die Klinke in die Hand

Stand: 14.09.2026 10:40 Uhr

Das Hamburger Knust zählt schon seit vielen Jahren zum festen Bestandteil der Kulturszene der Stadt. Seit 1976 traten dort einige Stars auf - oft bevor deren Ruhm kam. Die Geschichte des Musikclubs ist geprägt von den Höhen und Tiefen.

von Hanna Weckenmann, Danny Marques Marcalo und Wolfgang Dinter

Das Hamburger Knust oder auch vielsagend Home of "Rock Pop Soul Jazz Punk Psychedelic Independent Rock’n’Roll Beat Hip-Hop Country Latin Reggae" - und auch noch mit Fußball: Angefangen hat alles bereits im August 1966 - und zwar ganz anders mit dem Jazzhouse an der Brandstwiete 2 in der Hamburger Altstadt. Es war damals noch ein kleines Licht.

Erste Betreiber waren Fred Christmann, Musiker der NDR-Bigband, und sein Bruder. Jazzgrößen haben dort gespielt, aber auch Udo Lindenberg wurde im alten Jazzhouse entdeckt. Und Inga Rumpf trat von 1966 bis 1967 jeden Sonntag mit den City Preachers auf. Sogar Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals ("Polonäse Blankenese") hatte dort ein musikalisches Zuhause - als Haus-Pianist.

"Immer was los - nie Eintritt" ab 1976

Ehemalige Adresse des Knust in Hamburg in der Brandstwiete
Auf das Jazzhouse an der Brandstwiete folgte 1976 das Knust.

1976 wurde aus dem Jazzhouse das Knust. Der Name rührt von der beliebten Knuste - also dem Endstück eines Brotes - mit Schmalz, die auf einem Markt in der Nähe des Jazzhouse kostenlos angeboten wurde. "Immer was los - nie Eintritt" lautete fortan das Motto der Folk-Kneipe Knust.

Die norddeutsche Band Torfrock erlebte ihre Geburtsstunde 1976 im Knust, als sie aus Spaß die plattdeutsche Version von "Hey Joe" spielte und sich das Publikum vor Lachen nicht mehr einkriegen konnte.

Die Engtanzfete wird zum Überlebensmodell

Engtanz-Party im Knust in Hamburg
Auf der Tanzfläche wurde bei den Engtanzfeten viel gekuschelt.

Die 1980er-Jahre waren für die Livemusik-Branche keine einfache Zeit, sie steckte in einer Krise. Reihenweise mussten Clubs in Hamburg schließen, darunter große Namen wie das bekannte und beliebte Onkel Pö's Carnegie Hall. Durchgehalten haben nur Fabrik, Markthalle und Logo. "Alle anderen gingen nicht mehr", erzählt der heutige Knust-Betreiber Karsten Schölermann dem NDR 2026.

Auch das Knust überlebt die schwierige Zeit. Schölermann macht die "Hamburger Engtanzfete mit Alleintanzverbot" im Knust populär. Die Engtanzfete sei "unser Überlebensmodell" gewesen, so Schölermann. "Da standen plötzlich Schlangen von Hunderten von Leuten vor der Tür." Schummerige Atmosphäre, Kerzenlicht und körperliche Nähe - das kam an.

R.E.M., James Taylor und die Hamburger Schule

Aber auch Bands wie R.E.M. oder Björk haben im Knust gespielt - vor ihrem Ruhm. Für R.E.M. war es 1984 sogar der erste Auftritt in Deutschland. Über die Jahre wurde das Knust zur Anlaufstelle internationaler Künstler: Heather Nova spielte hier, ebenso wie Beck, Jeff Buckley, James Taylor und Curtis Stigers.

In den 90ern brachte der spätere Booker Norbert Roep die "Hamburger Schule" ins Knust - wie zum Beispiel Die Sterne. Jochen Distelmeyer von Blumfeld trat auch später noch hier auf.

Fußball lockt vor allem St. Pauli-Fans

Blick auf die Fassade von einem Hamburger Club. Auf einem schwarzen Schild mit weißer Schrift steht "Knust".
Das Schild zog von der alten in die neue Location mit um.

Ende Dezember 2002 musste das Knust seine Türen an der Brandstwiete schließen. Das Gebäude wurde abgerissen. Die Kündigung vom Eigentümer, der das Haus verkauft hatte, kam überraschend. "Wenn man viele Jahre Nachtschichten in so einen kleinen Laden gesteckt hat, dann ist das sehr hart. Ich habe damit auch überhaupt nicht gerechnet", sagt Schölermann damals.

Nach langer Suche fand das Knust ein neues Zuhause. Am 1. September 2003 eröffnete der Club neu - in den ehemaligen Rinderschlachthallen auf St. Pauli. Das Originalschild von 1976 überlebte den Umzug und wurde über die Tür geschraubt. Aufgrund des nun um einiges größeren Musikclub gab es jedoch zunächst Einbußen. Schölermann berichtet von "180.000 Mark Miesen im ersten Jahr". Da half es, die Spiele des FC St. Pauli zu zeigen. Die Kiezkicker waren nach zwischenzeitlichem Abstieg in die Regionalliga Nord wieder aufgestiegen, es ging sogar bis in die Bundesliga. Die Folge: ein großer Andrang der Fans. Noch immer werden dort viele Fußballspiele gezeigt. In erster Linie die Spiele des FC St. Pauli, aber auch Länderspiele der Welt- und Europameisterschaften.

Einer der bedeutendsten Clubs der Stadt

Karsten Schölermann, Betreiber des Knust in Hamburg
Knust-Betreiber Karsten Schölermann hat in all den Jahren viel mitgemacht.

Bis heute bietet das Knust ein vielseitiges Live-Musikprogramm und ist damit längst zu einem der bedeutendsten Clubs der Stadt geworden. Bewegt zeigt sich auch Schölermann. Er sei "stolz, ohne Frage. Von den 50 'gehören' mir 44 Jahre. Hier angekommen zu sein, nach allen Vollkatastrophen, die ich erlebt habe, ist natürlich erhebend".

Und: Im Vergleich zu damals, zu den Anfangsjahren, sei die Wertschätzung heute in vielerlei Hinsicht höher, so der Knust-Macher. Allerdings: Bis heute braucht der Club jedes verkaufte Getränk, mindestens 280 Tage im Jahr müssen dort bespielt werden

"Brücken durch Musik bauen"

Längst wird das Knust für Special Events gebucht - wie regelmäßig zum Reeperbahnfestival. In jüngerer Vergangenheit haben auch Johannes Oerding, Lily Allen und Ben Zucker dort gespielt.

Beim Blick in die Zukunft sind sie im Knust aber vorsichtig optimistisch. Aktuell probiert das Knust, neues Publikum anzusprechen - wieder mehr junge Leute. Tim Peterding, im Knust mitverantwortlich für das Booking, sagt: "Wir empfinden es als unseren kulturellen Auftrag, Menschen mit unseren Konzerten zusammenzubringen und dabei Brücken durch Musik zu bauen."

Video: Jazzgrößen und Engtanzfeten: 50 Jahre Knust (2 Min)
Besucher warten vor dem Eingang zum Musikclub Onkel Pö.

In der Hamburger Kultkneipe traten Jazz- und Rock-Musiker aus aller Welt auf - so etwa Udo Lindenberg, Al Jarreau und U2.

Ein bunt gemischtes Völkchen tummelt sich an der Bar in Hamburgs Szene-Laden "Zwick" am 19.10.2000.

Wer in den 1970er-Jahren etwas auf sich hielt, kam ins Zwick in Hamburg. Viele Promis ließen sich dort blicken. Die Kult-Kneipe gibt es schon seit 1950.

Das Kultur- und Kommunikationszentrum Fabrik in Hamburg-Altona

Als alternatives Vorzeigeprojekt gefeiert, abgebrannt, wiederaufgebaut: Am 25. Juni 1971 wurde die Fabrik in Hamburg eröffnet.

Ein altes Foto des Musikclubs Logo in Hamburg

Heiß her ging es im legendären Hamburger Musikclub schon oft. Udo Lindenberg, Otto und sogar Oasis standen hier auf der Bühne.

Zwei junge Männer und eine junge Frau stehen in einem Club und albern rum - die Männer umarmen sich und die Frau hält eine leere Colaflasche wie einen Knüppel in der Luft.

Wir haben dazu aufgerufen, Erinnerungen an Clubs und Diskotheken der 1980er- und 1990er-Jahre zu teilen. Hier eine Auswahl!

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Hamburg Journal | 13.09.2026 | 19:30 Uhr

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