Musikclub Logo in Hamburg: "Lauteste Sauna der Stadt"
Wo früher ein Möbelladen war, entstand 1974 das Logo. Bekannt ist der Hamburger Musikclub auch als die "lauteste Sauna der Stadt". Udo Lindenberg, Otto und sogar Oasis standen hier auf der Bühne.
Egal ob Coverband oder Original - im Logo fanden sie alle Publikum und einen Platz im Scheinwerferlicht. Von Nischenkunst bis Stadionrock, es gibt kaum etwas, was der kleine Club in den vielen Jahren seit dem Start 1974 nicht gesehen hat.
Udo Lindenberg, Otto, Karl Dall und Inge Meysel
Der ehemalige Betreiber des Logo Eberhard Gugel hat so manchen Star getroffen. "Udo Lindenberg hat hier gerne mit irgendwelchen Bands Schlagzeug gespielt und Otto Waalkes hat hier gerne Faxen gemacht. Damals konnte Otto hier die Straße nicht überqueren ohne seinen Häschenlauf, da ist er als Häschen über die Grindelallee rausgehoppelt und hat so das Logo verlassen", sagt er dem NDR 2024. Auch Karl Dall kam ins Logo - gemeinsam mit Schauspielerin Inge Meysel. Desweiteren am Start: Mike Krüger, Achim Reichel, Hanndes Wader, Extrabreit und Torfrock.
Geburt der "Hamburger Schule" begleitet
NDR Musikredakteurin Susanne Hasenjäger erinnert sich an die "tolle Zeiten" mit dem "NDR Musikurgestein" Klaus Wellershaus auf dem Übertragungswagen. "Wir haben Anfang der 1990er-Jahre mit der NDR Konzertreihe 'Hörproben' direkt vor dem Logo geparkt und die Geburt der 'Hamburger Schule' begleitet. Wir haben Bands wie Blumfeld in diesem kleinen - an einen Pappkarton erinnernden - Laden auf die Bühne geholt und mitgeschnitten. Heiß war's immer - und laut". Inzwischen habe das Logo eine Klimaanlage, meint Hasenjäger. "Aber die kleine Bühne mit dem Pfeiler in der Mitte, die gibt's immer noch."
"Ich stell' mich nicht hinter den Pfeiler"
Der Pfeiler ist den Bands wohlbekannt: "Wenn du dir anguckst, wie das Schlagzeug aufgebaut ist, dann weißt du, dass ich hier schon oft gespielt habe. Ich stell' mich nicht hinter den Pfeiler", erzählt Mickie Stickdor. Er ist seit Jahrzehnten Schlagzeuger - unter anderem der Hamburger Band Elephant, die mehr oder weniger zum Inventar des Logo gehörte, und später auch von Lake. Genau wie der 2001 verstorbene Niederländer Herman Brood. "Das waren die Tage, wo man am meisten verdient hat", erinnert sich Oliver Ehrlich, einer der Betreiber, die das Logo in fünf Jahrzehnten geleitet haben.
1970er-Jahre: Logo war feste Größe in Hamburg
Bereits in den 1970er-Jahren war der kleine Club eine feste Größe in der Hamburger Musikszene, bevor Eberhard Gugel den Laden später kaufte und fast drei Jahrzehnte betrieb, lernte er das Logo als Rowdie und Tontechniker kennen. "In den 1970er-Jahren ist im Logo Madame Chatou aufgetreten. Im kleinen Backstage-Bereich haben sie sich für eine Travestie-Show umgezogen und ich konnte mir nicht vorstellen, wie das hier in dem kleinen Bereich funktioniert hat."
Erst Möbelgeschäft, dann Studentenrestaurant, heute Club
Wo zuvor ein Möbelgeschäft war, eröffnete am 6. September 1974 das Logo. Damals war es ein Studentenrestaurant mit Bühne. Es bediente eine große Sehnsucht nach handgemachter Musik. Und es bot Musikern die Chance, sich auszuprobieren. Sie kamen auch aus dem Ausland.
"Wir haben auch Sonntags-Frühschoppen gemacht. Es gibt sonntags Gottesdienste, aber unser Gottesdienst war ein Dienst am Blues und Boogie Woogie", sagt Musiker Abi Wallenstein, der damals im Logo aufgetreten ist. Vor allem in den Anfangsjahren ging Bluesgitarrist und Sänger Wallenstein im Logo ein und aus.
1978 nahm er hier sogar eine Liveplatte auf. "Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern, da war eine ganze Rockergruppe da. Ein Rocker kam zu mir und meinte: 'Abi, du hast den Ton noch nicht lange genug gezogen. Wenn du bei der nächsten Runde nicht lang genug ziehst, dann haue ich dich zusammen.' Ich war wirklich eingeschüchtert und habe so lange auf der Gitarre gezogen wie in meinem ganzen Leben nicht."
Logo war lange Zeit bestuhlt
Bis in die 1990er-Jahre war das Logo bestuhlt. Es war üblich, selbst Rockbands im Sitzen zuzuhören. Als Eberhard Gugel 1994 übernahm, warf er als erstes die Stühle raus. "Ein Rockkonzert im Sitzen ist eigentlich nicht möglich. Ich weiß, ich habe damals Meat Loaf gesehen und immer, wenn jemand aufgestanden ist, kam ein Ordner und sagte: 'Setzen!'"
Oasis-Auftritt in Hamburg: "Das schafft nur das Logo"
Gleich in den ersten Monaten als Logo-Betreiber gelang Eberhard Gugel mit seinem Geschäftspartner Karsten Schölermann ein ganz besonderer Coup. Die größten Bands der damaligen Brit-Pop-Welle kamen, darunter Suede aus London und Oasis aus Manchester, die später eine Weltkarriere hinlegten. "Die Crème de la Crème des britischen Pops ist hier einfach so über die Bühne gezogen, das war schon Wahnsinn."
Buch zum Jubiläum 2024
Schölermann hatte auch die Idee, zum 50-jährigen Bestehen ein Buch mit Erinnerungen und Fotos zusammenzustellen. Das Besondere am Logo sei, dass man im Vergleich zu anderen Konzerten "nirgendwo näher an die Band kommt. Man steht quasi zehn Zentimeter vom Sänger entfernt und kriegt seine Spucke ab. Es ist sensationell - und ich hab ja die Bildrecherche gemacht: Wie auch bei jungen Hip-Hop-Bands der Saal bebt, wie es knallt - das schafft nur das Logo!", erzählt Fotograf Bernd Jonkmanns, der die Fotos für das Buch zusammengestellt hat.
Peter Urban und "ein absolutes Highlight"
Das Vorwort zum Jubiläums-Buch hat Musiker und Journalist Peter Urban geschrieben: "Als ich hier mit der damals neuen Band Bad News Reunion gespielt habe, haben wir hier ein Album aufgenommen. Das sind die Momente, die sind als Musiker eigentlich die schönsten. Als Zuschauer Hermann Brood hier zu sehen und die amerikanischen Künstler Moon Martin und Bonnie Raitt, war ein absolutes Highlight", erzählt der NDR-Musikredakteur, der bei Bad News Reunion sang und Keyboard spielte.
Bis heute ist das Logo eine der bedeutendsten kleinen Bühnen der Stadt mit unzähligen Live-Konzerten, manchmal an jedem Wochentag. Es ist immer für eine Überraschung gut.