Anwohner und Angehörige haben im September 2006 Kerzen und Blumen an die Transrapid-Unglückstelle in Lathen abgelegt.
AUDIO: Gedenkveranstaltung zum Transrapid-Unglück in Lathen (1 Min)

Transrapid-Unfall im Emsland: 20 Jahre danach

Stand: 22.09.2026 12:47 Uhr

Ein Überlebender, zwei Feuerwehrleute und eine Notfallseelsorgerin berichten, wie sie den Transrapid-Unfall vor 20 Jahren erlebten. Die Erinnerungen an das Unglück sind bei ihnen noch immer präsent.

von Daniel Küthe und Joop Wösten

"Das war dann erstmal ein Moment, wo man überhaupt nicht wusste, was los ist." Bei Dirk Dinnus sind die Erinnerungen noch immer sehr klar. Er ist am 22. September 2006 aus beruflichen Gründen an Bord des Transrapid auf der Teststrecke in Lathen (Landkreis Emsland). Er arbeitet bereits seit mehreren Jahren an der Weiterentwicklung der Magnetschwebebahn mit.

Ingenieur überlebt das Unglück

Dirk Dinnus neben einem alten ausgestellten Transrapid.
Mehr als 12 Jahre arbeitete Dirk Dinnus als Ingenieur an der Teststrecke. Er saß beim Unfall im hinteren Teil des Transrapids und gehört zu den zehn Überlebenden.

Was an diesem Tag vor 20 Jahren passiert, hätte er - wie so viele - niemals für möglich gehalten. Mit einem Kollegen fährt er damals im hinteren Teil des Fahrzeugs mit - und überlebt das Unglück unverletzt. Über Rettungsschläuche werden er und sein Kollege gerettet.

Feuerwehreinsatz am Unfallort

Am Unfallort sind Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Umland im Einsatz. Unter ihnen: Lambert Brand von der Freiwilligen Feuerwehr Sögel und Klaus Determann von der Freiwilligen Feuerwehr in Lathen. Beiden sind die Bilder vom Einsatzort bis heute in Erinnerung geblieben. Brand und Determann berichten, wie sie damals in das Unfallfahrzeuge einstiegen, um mögliche Überlebende zu retten. "Wir sind wirklich von Bank zu Bank gerobbt über die Leute hinweg und haben versucht, da noch irgendwas zu finden", erzählt Klaus Determann. "Ich bin zwar kein Arzt, aber mir ist relativ klar gewesen, dass diese Verletzungsmuster nicht mit dem Leben zu vereinbaren sind."

Umgang mit den Erlebnissen

Lambert Brand und Klaus Determann stehen in einer Feuerwehrwache.
Die Feuerwehrleute Lambert Brand und Klaus Determann gehörten zu den ersten Einsatzkräften am Unfallort.

Wie gehen die Feuerwehrmänner mit den Eindrücken vom Unfallort selbst um? Lambert Brand versucht, diesen Umstand zu beschreiben: "Die Problematik ist ja, was erzählst du zu Hause und was erzählst du nicht." Schließlich wolle man die eigene Familie, Frau und Kinder, nicht verschrecken. Denn die würden sich ja auch fragen, was vielleicht dem eigenen Vater oder Ehemann hätte passieren können. "Da hält man sich zurück", sagt Feuerwehrmann Brand.

Notfallseelsorger im Einsatz

Um die Angehörigen der Unfallopfer und auch die Feuerwehrleute nach ihrem Einsatz zu betreuen, sind in Lathen mehrere Notfallseelsorger im Einsatz. Bärbel Wempe erinnert sich daran, dass sie damals mit knapp 30 Kolleginnen und Kollegen vor Ort war. "Wir sind mit den Familien an den Unfallort gefahren und dort lag ja dieses Rad. Von diesem Werkstattwagen war das abgebrochen und lag unten auf dem Boden." Dies habe den Unfall am Anfang "am spürbarsten und erlebbarsten" gemacht.

Das Erlebte verarbeiten - die Zeit danach

Für seinen eigenen Umgang mit dem Erlebten gibt es für Dirk Dinnus nach dem Unfall noch eine ganz eigene Bewältigungsform. "Für mich war es wichtig, auch beim Rückbau dabei zu sein." Der heute 57-Jährige berichtet davon, dass das Fahrzeug damals mehrere Wochen auf dem Fahrweg stand und weggeschafft werden musste. "Und das war für mich eine wichtige Sache, dass ich da das verarbeiten konnte und für mich auch dann zum Abschluss bringen kann."

Eine weiße Hochbahn fährt auf einer erhöhten Schiene unter hellem Himmel.

Am 22. September 2006 sterben auf der Transrapid-Teststrecke im Emsland 23 Menschen. Im Podcast schauen wir - 20 Jahre später - auf die Folgen des Unglücks.

Dirk Dinnus neben einem alten ausgestellten Transrapid.

Heute vor 20 Jahren starben bei dem Unfall auf der Teststrecke im Emsland 23 Menschen. Auch Dirk Dinnus saß im Transrapid - und überlebte.

Ein Luftbild des verunglückten Transrapids im Emsland im September 2006.

Am 22. September 2006 prallt der Zug auf der Versuchsstrecke im Emsland mit Tempo 170 auf einen Wartungswagen. 23 Menschen kommen ums Leben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.09.2026 | 12:00 Uhr

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