Transrapid-Unfall im Emsland: 20 Jahre danach
Ein Überlebender, zwei Feuerwehrleute und eine Notfallseelsorgerin berichten, wie sie den Transrapid-Unfall vor 20 Jahren erlebten. Die Erinnerungen an das Unglück sind bei ihnen noch immer präsent.
"Das war dann erstmal ein Moment, wo man überhaupt nicht wusste, was los ist." Bei Dirk Dinnus sind die Erinnerungen noch immer sehr klar. Er ist am 22. September 2006 aus beruflichen Gründen an Bord des Transrapid auf der Teststrecke in Lathen (Landkreis Emsland). Er arbeitet bereits seit mehreren Jahren an der Weiterentwicklung der Magnetschwebebahn mit.
Ingenieur überlebt das Unglück
Was an diesem Tag vor 20 Jahren passiert, hätte er - wie so viele - niemals für möglich gehalten. Mit einem Kollegen fährt er damals im hinteren Teil des Fahrzeugs mit - und überlebt das Unglück unverletzt. Über Rettungsschläuche werden er und sein Kollege gerettet.
Feuerwehreinsatz am Unfallort
Am Unfallort sind Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Umland im Einsatz. Unter ihnen: Lambert Brand von der Freiwilligen Feuerwehr Sögel und Klaus Determann von der Freiwilligen Feuerwehr in Lathen. Beiden sind die Bilder vom Einsatzort bis heute in Erinnerung geblieben. Brand und Determann berichten, wie sie damals in das Unfallfahrzeuge einstiegen, um mögliche Überlebende zu retten. "Wir sind wirklich von Bank zu Bank gerobbt über die Leute hinweg und haben versucht, da noch irgendwas zu finden", erzählt Klaus Determann. "Ich bin zwar kein Arzt, aber mir ist relativ klar gewesen, dass diese Verletzungsmuster nicht mit dem Leben zu vereinbaren sind."
Umgang mit den Erlebnissen
Wie gehen die Feuerwehrmänner mit den Eindrücken vom Unfallort selbst um? Lambert Brand versucht, diesen Umstand zu beschreiben: "Die Problematik ist ja, was erzählst du zu Hause und was erzählst du nicht." Schließlich wolle man die eigene Familie, Frau und Kinder, nicht verschrecken. Denn die würden sich ja auch fragen, was vielleicht dem eigenen Vater oder Ehemann hätte passieren können. "Da hält man sich zurück", sagt Feuerwehrmann Brand.
Notfallseelsorger im Einsatz
Um die Angehörigen der Unfallopfer und auch die Feuerwehrleute nach ihrem Einsatz zu betreuen, sind in Lathen mehrere Notfallseelsorger im Einsatz. Bärbel Wempe erinnert sich daran, dass sie damals mit knapp 30 Kolleginnen und Kollegen vor Ort war. "Wir sind mit den Familien an den Unfallort gefahren und dort lag ja dieses Rad. Von diesem Werkstattwagen war das abgebrochen und lag unten auf dem Boden." Dies habe den Unfall am Anfang "am spürbarsten und erlebbarsten" gemacht.
Das Erlebte verarbeiten - die Zeit danach
Für seinen eigenen Umgang mit dem Erlebten gibt es für Dirk Dinnus nach dem Unfall noch eine ganz eigene Bewältigungsform. "Für mich war es wichtig, auch beim Rückbau dabei zu sein." Der heute 57-Jährige berichtet davon, dass das Fahrzeug damals mehrere Wochen auf dem Fahrweg stand und weggeschafft werden musste. "Und das war für mich eine wichtige Sache, dass ich da das verarbeiten konnte und für mich auch dann zum Abschluss bringen kann."