Video: KI bewegt Geschichte: So war das Leben auf St. Pauli (4 Min)

KI-Zeitreise: St. Pauli - ein Amüsierviertel für die Welt

Stand: 11.05.2026 05:00 Uhr

Warum sagte man schon im 19. Jahrhundert "St. Lustig" und "St. Liederlich" über St. Pauli? Die Hintergründe werden in der KI-Zeitreise erläutert. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz wurden historische Abbildungen vom Spielbudenplatz in Bewegung versetzt.

von Stefan Mühlenhoff und Oliver Ende

Bereits im Mai und Dezember 2025 waren im Hamburg Journal mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz produzierte Filme gelaufen. Der eine erzählt die Geschichte des vegetarischen Restaurants an den Alsterarkaden, das lange als die älteste Institution dieser Art in der Hansestadt galt. Der andere dreht sich um die Hamburger Gängeviertel, die sich durch enge Hinterhöfe, dunkle Kneipen und Familien mit vielen Kindern auszeichneten.

In den Hamburger Gängevierteln lebten einst viele Familien mit Kindern. (Szene mit KI generiert)

Die Hamburger Gängeviertel galten als der "größte Slum Europas". Mithilfe von Künstlicher Intelligenz werden historische Fotos lebendig.

Hamburg: Kleine Alster und Alsterarkaden mit "Vegetarischem Restaurant" im Obergeschoss, 1910er-Jahre (koloriert, Screenshot)

Bratkartoffeln, Grünkohl, Spargelfrikassee: Hamburgs fleischlose Restaurantgeschichte beginnt im 19. Jahrhundert - erzählt mit KI-Hilfe.

Das Tor zur wilden Welt von St. Pauli

Nun also St. Pauli. 2026 stehen die Feiern zu 400 Jahre Reeperbahn an. An der "sündigen Meile" liegt auch der Spielbudenplatz. Er ist in den 1920er-Jahren das Tor zur wilden Welt von St. Pauli. So wird etwa im Bierhaus Zillertal bei bayerischer Blasmusik gefeiert, Fotografen halten das Nachtleben fest. Schon damals locken flackernde Leuchtreklamen die Menschen ins Vergnügen. Doch warum gerade hier?

Mit KI generierte Szene auf St. Pauli, ca. in den 1920er-Jahren
Der Spielbudenplatz bildet schon vor langer Zeit eine Keimzelle des Vergnügens.

Die Historikerin und St.-Pauli-Kennerin Eva Decker sagt dem NDR: "Wenn man sich vorstellt: Jetzt komme ich, aus New York beispielsweise, mit einem Passagierschiff unten an den Landungsbrücken an. An Land gehe ich hier hoch und habe dann eben so ein Szenario, das mich ja allein schon mit der Lichtregie und den Lichtreklamen an den Broadway erinnert. Es ist ein Amüsierviertel für die Welt." Decker erforscht die Geschichte der Amüsierkultur auf St. Pauli. Der Spielbudenplatz am Beginn der Reeperbahn bildet schon vor langer Zeit eine Keimzelle des Vergnügens. "Hätten wir uns vor 200 Jahren hier getroffen, man würde den Platz überhaupt nicht wiedererkennen", sagt Decker.

Hamburger Berg vor den Toren der Stadt

Mit KI generierte Szene auf St. Pauli in früheren Jahren
Damals gibt es noch freie Felder und freien Blick.

Anfang des 19. Jahrhunderts heißt St. Pauli noch Hamburger Berg (wie eine heutige Straße dort) und liegt vor den Toren der Stadt. Außerhalb des Stadttores Millerntor genießen die Menschen die Natur und einen freien Blick auf die Elbe. Dort kehrt man ein, etwa im achteckigen Gartenpavillon namens Trichter. Auf dem benachbarten Spielbudenplatz gibt es schon damals Skurriles und Spektakuläres zu entdecken.

"Die Spielbuden, das darf man sich wirklich vorstellen wie kleine hölzerne Jahrmarktbuden. Mit Gauklern, mit Kunstreitern, mit Panoramen, die man sich da angucken kann, mit Kasperletheater", erklärt Eva Decker. Nach und nach weichen die "fliegenden Bauten" festen Gebäuden mit prächtigen Fassaden. Die Wurzeln des heutigen Operettenhauses reichen bis ins Jahr 1841.

Aushängeschild des Vorstadt-Vergnügens

Mit KI generierte Szene auf St. Pauli, ca. in den 1920er-Jahren
Unterhaltung ist seit jeher ein großes Thema auf St. Pauli.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wird der Spielbudenplatz zum Aushängeschild des Vorstadt-Vergnügens. Historikerin Decker erklärt, warum: "Der Spielbudenplatz bekommt einen Spitznamen, nämlich St. Lustig. So nennt man den im Volksmund, weil die Unterhaltungen so ein bisschen netter gestrickt sind. Man würde vielleicht heute sagen: familienverträglicher. Die Davidstraße, die ist so was wie eine unsichtbare Grenze zu einer anderen Facette St. Paulis, nämlich das Rotlichtviertel und das hatte eben wie St. Lustig einen Spitznamen bekommen, nämlich St. Liederlich. Also liederlich für moralisch verwerflich, sittlich problematisch."

Konzerte, Tanz und Revue

Mit KI generierte Szene auf St. Pauli, ca. in den 1920er-Jahren
Bei Musik und Bier lässt es sich in Gartenlokalen gut aushalten.

Auf "St. Lustig" sitzt man bei Musik und Bier in Gartenlokalen - oft versteckt hinter den Fassaden. Aus dem einstigen Holz-Pavillon Trichter ist Ende des 19. Jahrhunderts ein Prachtbau geworden. Unter seiner Kuppel finden Konzerte statt und es wird getanzt. Später wird der Trichter zu einem der größten Revue-Paläste auf St. Pauli. Heute stehen an seiner Stelle die Tanzenden Türme und ein Hotel. Vereinzelt gibt es noch Erinnerungen an die schillernden Zeiten: "Das ist ein Original-Besteck aus dem Trichter-Varieté, 1920er-Jahre. Und wenn du es in die Hand nimmt, dann gibst du quasi dem Gast der 20er-Jahre die Hand", sagt Eva Decker.

Nach dem Zweiten Weltkrieg endet die Geschichte des Trichters. Das Gebäude wird zerstört. Auch wenn die Kulisse längst eine andere ist: Der Spielbudenplatz bleibt bis heute das Tor zum Vergnügen auf St. Pauli.

Orte auf St. Pauli

Menschen von St. Pauli

Die Beatles auf St. Pauli

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"GMBH", "Nutella", "Chikago-Bande": In den 80ern liefern sich Zuhälterkartelle in Hamburg einen tödlichen Kampf um Macht und Geld.

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Die Opfer von Fritz Honka

Vier Frauen hat Fritz Honka in Hamburg auf bestialische Weise getötet. Am 17. Juli 1975 fliegt er auf. Über die Opfer war lange nur sehr wenig bekannt

Nach der Bluttat des Auftragskillers Werner Pinzner im Hamburger Polizeipräsidium am 29. Juli 1986 steht ein Hubschrauber bereit.

Als Auftragsmörder gehört Werner Pinzner in den 80ern zu den skrupellosesten Männern in Hamburg. Zeitzeugen erinnern sich an seinen "großen Abgang" am 29. Juli 1986.

Eine von mehreren Überwachungskameras auf der Hamburger Reeperbahn

Big Brother auf dem Kiez: Am 30. März 2006 gibt der damalige Innensenator Udo Nagel grünes Licht für den Einsatz von zwölf Kameras.

Eine frühe Ausgabe der St. Pauli Nachrichten

Freie Liebe und Sex vor der Ehe: In den 60ern wird das Schlafzimmer politisch. In Hamburg sorgen die "St. Pauli Nachrichten" für frischen Wind.

Räumung einer Wagenburg unter Polizeieinsatz in der Hamburger Hafenstraße 1989.

Ab Oktober 1981 werden die leerstehenden Gebäude besetzt. Der Konflikt geht über Jahre. Am 15. Februar 1995 wird beschlossen, die Häuser an die Bewohner zu verkaufen.

Szene mit Prostituierten und Kunden in der Hamburger Herbertstraße im 19. Jahrhundert. Federzeichnung, laviert, undatiert und unbezeichnet.

Am 12. November 1847 tritt eine Verordnung in Kraft, die Hamburgs Prostituierte vor Abhängigkeit und Ausbeutung schützen soll.

Szene aus "Große Freiheit Nr. 7" mit Hans Albers und Ilse Werner.

"Große Freiheit Nr. 7" mit Hans Albers sollte 1944 für Ablenkung vom Krieg sorgen, doch die Nazis fanden den Film zu wenig linientreu.

"River-Kasematten" in Hamburg

Im Club River-Kasematten im Hamburger Hafen traten Größen wie Duke Ellington und Ella Fitzgerald auf - am Ende kam aber das Elbhochwasser zu oft.

Am 19.02.1995 wird das Iduna-Hochhaus am Millerntorplatz auf St. Pauli gesprengt.

Das Hochhaus am Millerntor war asbestbelastet, Sanierungen liefen nicht erfolgreich. Am 19. Februar 1995 gab es einen großen Knall.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Hamburg Journal | 01.05.2026 | 19:30 Uhr

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