KI-Zeitreise: St. Pauli - ein Amüsierviertel für die Welt
Warum sagte man schon im 19. Jahrhundert "St. Lustig" und "St. Liederlich" über St. Pauli? Die Hintergründe werden in der KI-Zeitreise erläutert. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz wurden historische Abbildungen vom Spielbudenplatz in Bewegung versetzt.
Bereits im Mai und Dezember 2025 waren im Hamburg Journal mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz produzierte Filme gelaufen. Der eine erzählt die Geschichte des vegetarischen Restaurants an den Alsterarkaden, das lange als die älteste Institution dieser Art in der Hansestadt galt. Der andere dreht sich um die Hamburger Gängeviertel, die sich durch enge Hinterhöfe, dunkle Kneipen und Familien mit vielen Kindern auszeichneten.
Das Tor zur wilden Welt von St. Pauli
Nun also St. Pauli. 2026 stehen die Feiern zu 400 Jahre Reeperbahn an. An der "sündigen Meile" liegt auch der Spielbudenplatz. Er ist in den 1920er-Jahren das Tor zur wilden Welt von St. Pauli. So wird etwa im Bierhaus Zillertal bei bayerischer Blasmusik gefeiert, Fotografen halten das Nachtleben fest. Schon damals locken flackernde Leuchtreklamen die Menschen ins Vergnügen. Doch warum gerade hier?
Die Historikerin und St.-Pauli-Kennerin Eva Decker sagt dem NDR: "Wenn man sich vorstellt: Jetzt komme ich, aus New York beispielsweise, mit einem Passagierschiff unten an den Landungsbrücken an. An Land gehe ich hier hoch und habe dann eben so ein Szenario, das mich ja allein schon mit der Lichtregie und den Lichtreklamen an den Broadway erinnert. Es ist ein Amüsierviertel für die Welt." Decker erforscht die Geschichte der Amüsierkultur auf St. Pauli. Der Spielbudenplatz am Beginn der Reeperbahn bildet schon vor langer Zeit eine Keimzelle des Vergnügens. "Hätten wir uns vor 200 Jahren hier getroffen, man würde den Platz überhaupt nicht wiedererkennen", sagt Decker.
Hamburger Berg vor den Toren der Stadt
Anfang des 19. Jahrhunderts heißt St. Pauli noch Hamburger Berg (wie eine heutige Straße dort) und liegt vor den Toren der Stadt. Außerhalb des Stadttores Millerntor genießen die Menschen die Natur und einen freien Blick auf die Elbe. Dort kehrt man ein, etwa im achteckigen Gartenpavillon namens Trichter. Auf dem benachbarten Spielbudenplatz gibt es schon damals Skurriles und Spektakuläres zu entdecken.
"Die Spielbuden, das darf man sich wirklich vorstellen wie kleine hölzerne Jahrmarktbuden. Mit Gauklern, mit Kunstreitern, mit Panoramen, die man sich da angucken kann, mit Kasperletheater", erklärt Eva Decker. Nach und nach weichen die "fliegenden Bauten" festen Gebäuden mit prächtigen Fassaden. Die Wurzeln des heutigen Operettenhauses reichen bis ins Jahr 1841.
Aushängeschild des Vorstadt-Vergnügens
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wird der Spielbudenplatz zum Aushängeschild des Vorstadt-Vergnügens. Historikerin Decker erklärt, warum: "Der Spielbudenplatz bekommt einen Spitznamen, nämlich St. Lustig. So nennt man den im Volksmund, weil die Unterhaltungen so ein bisschen netter gestrickt sind. Man würde vielleicht heute sagen: familienverträglicher. Die Davidstraße, die ist so was wie eine unsichtbare Grenze zu einer anderen Facette St. Paulis, nämlich das Rotlichtviertel und das hatte eben wie St. Lustig einen Spitznamen bekommen, nämlich St. Liederlich. Also liederlich für moralisch verwerflich, sittlich problematisch."
Konzerte, Tanz und Revue
Auf "St. Lustig" sitzt man bei Musik und Bier in Gartenlokalen - oft versteckt hinter den Fassaden. Aus dem einstigen Holz-Pavillon Trichter ist Ende des 19. Jahrhunderts ein Prachtbau geworden. Unter seiner Kuppel finden Konzerte statt und es wird getanzt. Später wird der Trichter zu einem der größten Revue-Paläste auf St. Pauli. Heute stehen an seiner Stelle die Tanzenden Türme und ein Hotel. Vereinzelt gibt es noch Erinnerungen an die schillernden Zeiten: "Das ist ein Original-Besteck aus dem Trichter-Varieté, 1920er-Jahre. Und wenn du es in die Hand nimmt, dann gibst du quasi dem Gast der 20er-Jahre die Hand", sagt Eva Decker.
Nach dem Zweiten Weltkrieg endet die Geschichte des Trichters. Das Gebäude wird zerstört. Auch wenn die Kulisse längst eine andere ist: Der Spielbudenplatz bleibt bis heute das Tor zum Vergnügen auf St. Pauli.
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