VW Bulli: Transporter der Nachkriegszeit und Flower-Power-Mobil

Stand: 12.09.2026 05:00 Uhr

1950 begann in Wolfsburg die Produktion des VW-Bulli. 1956 ging ein neues Werk in Hannover an den Start. Mehr als 13 Millionen Modelle wurden verkauft. Besonders zur Urlaubszeit ist das Kultauto noch heute beliebt. Eine NDR-Doku beleuchtet die Geschichte.

Handwerker-Fahrzeug, praktischer Transporter der Nachkriegszeit, Hippie-Mobil, Großraum-Limousine: Wohl kaum ein Auto hat im Laufe der Jahrzehnte so viele Rollen übernommen wie der VW Bulli. Begonnen hat die Geschichte des Kult-Autos 1947: Bei einer Besichtigung des VW-Werks in Wolfsburg inspizierte der niederländische Autohändler Ben Pon einen improvisierten Hubwagen, den die Arbeiter ausschließlich für den werksinternen Transport nutzten. Der simple Plattenwagen diente Pon als Inspiration. Der Kaufmann erkannte eine Marktlücke und fertigte eine Skizze an, aus der wenig später der weltweit erste Bulli wurde. Am 8. März 1950 liefen im VW-Stammwerk in Wolfsburg die Bänder für die Produktion des damaligen T1 an.

Seitdem wurde das kastenförmige Modell in sieben Generation weiterentwickelt - von denen nach VW-Angaben weltweit mehr als 13 Millionen Stück verkauft wurden. Der T7 kam Anfang 2025 auf den Markt.

Bulli-Produktion wechselt von Wolfsburg nach Hannover

Gebaut wurde der Bulli vorwiegend in Hannover: In Wolfsburg war bereits Mitte der 1950er-Jahre die Kapazitätsgrenze für die Bulli-Produktion erreicht. 80 Fahrzeuge wurden in Wolfsburg neben dem VW Käfer pro Tag produziert, 330 wären nötig gewesen. Der Transporter sollte deshalb nach dem Willen von VW ein eigenes Werk bekommen. 200 Städte und Gemeinden bewarben sich als Standort. Am Ende bekam die Landeshauptstadt mit der rund 1,1 Millionen Quadratmeter großen Fläche im Norden der Stadt den Zuschlag. Am 8. März 1956 rollte im VW-Werk im Stadtteil Stöcken erstmals ein Bulli vom Band.

Auf einem Bild ist dargestellt, wie zwei Männer einen VW Bulli beladen.
19 Bilder

Der VW-Bulli: Einfach kultig

VW Bulli wird zum Spaßgefährt der Jugendkultur

In der jungen Bundesrepublik stand zunächst seine Funktion als Arbeitspferd und Handwerkerfahrzeug in den Wirtschaftswunder-Jahren im Mittelpunkt. Die T1-Generation wartete auch mit der "Samba"-Variante auf: ein Bus in Zweifarb-Lackierung mit Zierleisten, 23 Fenstern und Faltschiebedach.

Ein bunter VW Bulli fährt eine Straße entlang.
Der Bulli gilt als DAS Auto der Flower-Power-Ära.

Dann schworen die Hippies in den 1960er- und 1970er-Jahren auf den Bulli, der zum Flower-Power-Auto wurde. In den USA wurde er in dieser Zeit zum Spaßgefährt der Jugendkultur. Jeder dritte Bulli der T2-Generation (1967 bis 1979) aus deutscher Produktion wurde in die Vereinigten Staaten exportiert. Heute gilt der Bulli bei vielen weiter als Kult-Auto. Darüber hinaus kommt das Modell als Großraum-Limousine ebenso zum Einsatz wie als Mini-Caravan, seriöser Firmenwagen oder Sammeltaxi.

Strategische Bedeutung für VW-Konzern

Neben dem wirtschaftlichen Erfolg hat der Bulli auch eine strategische Bedeutung für den Konzern, wie Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen, anlässlich des 70. Bulli-Geburtstags im Jahr 2020 erläuterte. Der Wagen sei ein "Vorbild für fast alle Wettbewerbsfahrzeuge im Kleinbus-Segment" gewesen. Für VW sei er das "Brot-und-Butter-Auto der Nutzfahrzeuge", so Reindl.

Bulli-Nachfolger wird in Hannover gebaut

Eine kleine Familie steht vor einem Volkswagen ID.Buzz.
Elektrischer ID.Buzz: Bis heute vermarktet VW das Bulli-Lebensgefühl.

Der traditionelle VW-Transporter wird inzwischen nicht mehr in Hannover gebaut. Stattdessen liegt der Schwerpunkt dort auf elektrisch betriebenen Fahrzeugen. So rollt der Kleinbus ID.Buzz dort bereits seit 2022 vom Band. "Er ist ein Lebensgefühl, das Gestalt angenommen hat: der ID.Buzz, unser neuer Bus für das Elektro-Zeitalter", wirbt VW auf seiner Homepage. Die neuen Modelle sind Teil der Strategie, für die der weltgrößte Autokonzern viele Milliarden Euro in die E-Mobilität investiert. VWs hohe Erwartungen konnte der elektrische Bulli-Nachfolger bislang nicht erfüllen. Im Jahr 2024 setzte der Konzern weltweit nur rund 29.000 Exemplare ab - davon in Deutschland weniger als 5.000.

Produktion des VW Käfers im Volkswagenwerk Wolfsburg 1972

Wenige Monate nach Kriegsende beginnt am 27. Dezember 1945 in Wolfsburg die Serienproduktion des weltberühmten VW Käfer.

06.03.1960: Karmann-Ghia-Fahrzeuge werden am Band im Karmann-Werk Osnabrück gefertigt.

Das Kultauto Karmann Ghia machte das einstige Familienunternehmen aus Osnabrück weltbekannt. Alles begann am 1. August 1901.

Adolf Hitler am Rednerpult während eines Festaktes des Volkswagenwerks bei Fallersleben.

Am 26. Mai 1938 legten die Nazis den Grundstein für das VW-Werk. Doch statt Autos fürs Volk wurden Rüstungsgüter produziert.

Mitarbeitende verlassen 1972 zum Schichtwechsel das Volkswagenwerk in Wolfsburg.

Am 25. Mai 1945 lassen die Alliierten die "Stadt des KdF-Wagens" in Wolfsburg umbenennen. Schnell wird sie zur VW-Stadt schlechthin.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Unsere Geschichte | 12.09.2026 | 12:00 Uhr

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