VW 3, ein Prototyp des Käfer aus dem Jahr 1935/36
AUDIO: VW Käfer: In Mexiko lieben sie die "Vochos" noch heute (3 Min)

VW Käfer: Vom Alliierten-Auftrag zum meistgebauten Auto der Welt

Stand: 09.03.2026 11:50 Uhr

Am 27. Dezember 1945 beginnt in Wolfsburg die Serienproduktion der Volkswagen Limousine - als VW Käfer wird das Auto später weltweit millionenfach verkauft. Das Auto wird zum Symbol fürs Wirtschaftswunder.

Seine Erfolgsgeschichte beginnt in der Nachkriegszeit: Direkt im Anschluss an das erste Weihnachtsfest nach Ende des Zweiten Weltkriegs läuft im unter britischer Militärverwaltung stehenden Volkswagenwerk der erste Volkswagen Typ 1 vom Band - der VW Käfer. Rund 20.000 Fahrzeuge hatten die Briten im September bei den Wolfsburgern in Auftrag gegeben, an diesem letzten Donnerstag des Jahres, dem 27. Dezember 1945, ist der erste Wagen fertig. Die ersten zivilen Käfer werden als Reparationsleistungen an die Alliierten geliefert. Ein weiterer Teil des Auftrags geht an die Reichspost, das Deutsche Rote Kreuz und andere Institutionen und Behörden.

Millionster VW rollt nach zehn Jahren vom Band

Präsentation des Millionsten VW Käfers in Wolfsburg 1955
Am 5. August 1955 feiert VW in Wolfsburg das millionste Fahrzeug - einen Käfer.

Privatpersonen ist es erst im Laufe des Jahres 1946 möglich, einen Neuwagen zu erstehen - doch dann geht es mit dem Erfolg des buckligen Mobils auch schnell. Noch im Frühjahr 1946 wird der 1.000. Käfer fertiggestellt. Ende 1946 erreicht VW die 10.000er-Marke. Das Jubiläums- Fahrzeug wird mit der Forderung "Mehr schmackhaftes Essen, sonst können wir vieles nicht vergessen" beschriftet. Mitten im Wirtschaftswunder-Deutschland läuft am 5. August 1955 unter großem Medienrummel schon der millionste Volkswagen in Wolfsburg vom Band. Es ist - wenig überraschend - ein Käfer. Tausende Beschäftigte und Gäste feiern das Ereignis.

Produktionsrekord 1972: VW überholt Ford

Nur acht Jahre später kann das Unternehmen zehn Millionen Fahrzeuge vermelden, Anfang der 70er-Jahre erreicht der Käfer achtstellige Produktionszahlen. Als am 17. Februar 1972 Exemplar Nummer 15.007.034 fertiggestellt ist, hat der VW Käfer den bisherigen Ranghalter "Tin Lizzy" von Ford mit mit 15.007.033 gebauten Exemplaren zwischen 1908 und 1927 überholt - und ist damit der meistgebaute Pkw der Welt. Bis 2002 soll der Käfer den Titel halten, dann löst ihn der Golf ab.

Ein VW Käfer hängt in einer Werkstatt von der Decke.
20 Bilder

VW-Käfer: Die Karriere eines weltweiten Kult-Autos

Die Nazis wollen ein Auto fürs Volk

Der Beginn der außergewöhnlichen Industriegeschichte liegt allerdings länger zurück - und ist gefärbt von Propagandaträumen des NS-Regimes. Ähnlich wie beim Volksempfänger schwebt der NS-Führung Anfang der 30er-Jahre ein Auto fürs Volk vor. Am 17. Januar 1934 verfasst der Ingenieur Ferdinand Porsche ein "Exposé betreffend den Bau eines deutschen Volkswagens". Das Auto soll vier Personen Platz bieten, 100 Kilometer pro Stunde erreichen, 30-prozentige Steigungen bewältigen können, verschiedene Aufbauten tragen und nicht mehr als 1.000 Reichsmark kosten. Am 22. Juli 1934 erhält Porsche den Auftrag, das Auto zu bauen.

1935: Porsche präsentiert Prototyp

Porsche stellt den ersten Prototyp der VW 3-Serie am 3. Juli 1935 der Technischen Kommission des Reichsverbands der Automobilindustrie (RDA) vor. Fahrgestell und Karosserie sind in Holz-Blech-Bauweise hergestellt; dieses Verfahren ist im Automobilbau damals so üblich. In den folgenden Monaten werden noch zahlreiche Nachbesserungen wie etwa bei Spurbreite und Radstand vorgenommen. Bis 1936 entstehen drei Prototypen, denen Hitler später den Namen "KdF-Wagen" (KdF = Kraft durch Freude) gibt.

Kübelwagen fürs Militär statt Käfer fürs Volk

Mit dem Geld vieler Tausend Sparer, die auf einen Volkswagen hoffen, wird 1938 im Flecken Fallersleben bei Braunschweig eine Fabrik aus dem Boden gestampft: das Volkswagenwerk und spätere Wolfsburg. Doch statt der angekündigten 500.000 Modelle jährlich werden nur wenige Hundert Käfer für die zivile Nutzung gebaut. Stattdessen montieren Deutsche und Zwangsarbeiter in dem Werk Flugzeugteile und Granaten und stellen Zehntausende Kübelwagen her, eine militärische Version des Käfers für Wehrmacht und SS.

Nach der Grundsteinlegung lässt sich Adolf Hitler einen "Volkswagen" von Ferdinand Porsche zeigen

Am 26. Mai 1938 legten die Nazis den Grundstein für das VW-Werk. Doch statt Autos fürs Volk wurden Rüstungsgüter produziert.

VW Käfer wird zum Exportschlager

Der größte Autotransporter der Welt, die "Johann Schulte" der Reederei Schulte & Bruhns in Emden, nahm am 20.5.1963 im Hamburger Hafen 1.750 VW-Käfer an Bord.
Ende 1953 wurde der Käfer bereits in 88 Länder exportiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das zu großen Teilen durch Bomben zerstörte Werk wieder aufgebaut. Ende 1945 lässt die britische Besatzungsmacht die Käfer-Produktion wieder anfahren. Der Wagen soll als Dienstfahrzeug für Armee und Verwaltung dienen. Doch dabei bleibt es nicht. "Ebenso zügig schritt die Errichtung eines Vertriebssystems voran, nachdem das im Juni 1946 aufgelegte Produktionsprogramm erstmalig den zivilen Verkauf von Volkswagen in Aussicht gestellt hatte", heißt es auf der VW-Website zur Unternehmenschronik. Der Käfer ist das Auto, nach dem die Zeit verlangt: billig, einfach zu reparieren, zuverlässig. 1946 werden 10.000 Stück hergestellt, 1948 schon 20.000, 1950 sind es 90.000.

Firmenchef Heinrich Nordhoff erkennt, dass der noch schwache deutsche Markt allein für den Erfolg nicht reicht. So beginnt bereits 1947 der Export in die Niederlande, 1949 erreichen die ersten Käfer die USA - jenes Land, dem das deutsche Auto überhaupt seinen Namen verdankt. "Beetle" nennen ihn die Amerikaner wegen seiner Form - auf Deutsch: Käfer. Werksintern ist der Kosename übrigens immer verpönt, man spricht vom "Typ 1".

Der Käfer als Symbol des Wirtschaftswunders

Dichter Verkehr und Stau herrscht am 26.07.1958 am Albaufstieg am Aichelberg in Baden-Württemberg auf der Autobahn Stuttgart-München. Viele VW Käfer sind unterwegs.
Mit dem Käfer geht es für viele Deutsche in den Urlaub.

Ende 1953 wird der Käfer schon in 88 Länder exportiert. Die Produktion eilt von Rekord zu Rekord: 1957 werden bereits zwei Millionen Käfer produziert, 1959 drei Millionen. Immer weiter feilen die Ingenieure in Wolfsburg am buckligen Gefährt: größere Heckfenster, 12-Volt-Elektrik, stärkere Motoren.

Für die meisten Deutschen ist der Käfer das Symbol für den erreichten Wohlstand. Und er beflügelt ihre Reiselust - mit Familie und Gepäck geht es im Käfer über den Brenner nach Italien.

Video: Es geht ums Geld: Die Industrie geht an die Küste (23 Min)

"Weltmeister" trotz Karriere-Knick

Hotel am Eibsee, südwestlich von Garmisch-Partenkirchen: Ein VW Golf I und ein VW Käfer stehen 1980 nebeneinander auf einem Parkplatz.
Der VW Golf I löst den Käfer ab 1974 ab.

Als die erste Nachkriegsrezession 1966/67 das Ende des Wirtschaftswunders ankündigt, erlebt auch VW seine erste Absatzkrise. Technisch hat sich der "Buckel-Porsche" totgelaufen: Die Luftkühlung stößt an ihre Grenzen, das Fahrverhalten des Heckmotors wird bei höheren Geschwindigkeiten gefährlich, der Stauraum ist zu klein. Die Verkaufszahlen gehen allerdings nicht schlagartig zurück, weshalb VW in eine Sackgasse steuert, denn technisch moderne Wagen schaffen es zunächst nicht ins Programm. Die Wende schafft der Konzern erst 1974 mit dem Golf.

Arbeiter von VW gruppieren sich um einen weißen VW-Käfer.

Am 19. Januar 1978 ist im Emder VW-Werk der letzte in Deutschland produzierte Käfer vom Band gerollt. Das Kult-Auto hatte für den Standort in Ostfriesland eine enorme Bedeutung.

Das Ende nach 69 Jahren

Mehrere VW Käfer (spanisch vocho) stehen am 31. Januar 2019 in Mexiko-Stadt auf einem Feld im Rahmen des "Vochomania Fests".
In Mexiko ist der Käfer noch heute viel unterwegs.

In genau dem Jahr läuft im Wolfsburger Stammwerk auch der letzte VW Käfer vom Band, 1978 schließlich der letzte aus deutscher Produktion im Werk Emden. Doch so schnell ist die Ikone des Automobilbaus nicht totzukriegen: Die Käfer-Herstellung wird zunächst ins Werk Brüssel verlegt, dann vor allem nach Mexiko. Nach 1980 beliefert das mexikanische VW-Werk in Puebla den europäischen Markt, bis Volkswagen 1985 in Europa den offiziellen Verkauf des Käfers einstellt. In Brasilien und Mexiko, wo der Käfer eine ähnlich hohe Bedeutung für die Motorisierung hat wie in Deutschland, verkauft sich das Auto noch lange gut. Das letzte Exemplar läuft erst am 30. Juli 2003 in Mexiko vom Band, es ist Käfer Nummer 21.529.464.

Wiedergeburt als "New Beetle"

1998 versucht VW mit dem "New Beetle", also dem neuen Käfer, an alte Zeiten anzuknüpfen. Der Wagen im Retro-Design ist größer und komfortabler als sein Vorbild und soll ebenfalls zum Kult-Mobil werden. Das gelingt allerdings nicht. Auch der abermalige Nachfolger, der nur noch schlicht "Beetle" heißt, kann die Hersteller-Hoffnungen nicht erfüllen - im Sommer 2019 ist die Produktion im mexikanischen Puebla ausgelaufen.


25.05.2023 11:50 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass am 5. August 1955 der millionste Käfer in Wolfsburg vom Band gelaufen sei. Richtig ist, dass an diesem Tag der millionste Volkswagen fertiggestellt wurde - dieser war ein Käfer.

Mitarbeitende verlassen 1972 zum Schichtwechsel das Volkswagenwerk in Wolfsburg.

Am 25. Mai 1945 lassen die Alliierten die "Stadt des KdF-Wagens" in Wolfsburg umbenennen. Schnell wird sie zur VW-Stadt schlechthin.

Ein VW-T1 steht in einer VW-Fertigungshalle.

Im Frühjahr 1950 beginnt die Produktion des VW-Bullis. Zu den ersten T1 zählt "Sofie". Am 5. August 1950 läuft sie in Wolfsburg vom Band.

Sogenannte Trümmerfrauen entsorgen in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg Schutt mit Loren.

Nach dem Krieg sind die deutschen Städte eine Trümmerlandschaft. Das Land wird in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Dieses Thema im Programm:

NDR/NDR Info | 03.07.2025 | 11:38 Uhr, Online-Beitrag zuerst veröffentlicht am 03.07.2025 | 12:00 Uhr

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