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Als die Alsterdampfer die Hamburger noch zur Arbeit brachten

Stand: 22.07.2026 10:00 Uhr

125 Jahre lang - von 1859 bis 1984 - waren die Alsterschiffe ein beliebtes Verkehrsmittel im täglichen Berufsverkehr Hamburgs. Millionen von Fahrgästen schipperten mit ihnen zur Arbeit. Seit 1984 ist Schluss damit.

von Heiko Block

Eine Fahrt mit dem Alsterdampfer gehört für Hamburg-Touristen seit vielen Jahrzehnten zum Pflichtprogramm. Ob Dämmertörns, Kanal-, Fleet-, Vierlande- oder Alsterkreuzfahrten - das Angebot ist vielfältig. Die "Weiße Flotte" gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. Was in der heutigen Zeit, in der alles immer schneller gehen muss, nur noch schwer vorstellbar ist: 125 Jahre lang - von 1859 bis 1984 - waren die Alsterschiffe ein beliebtes Verkehrsmittel im täglichen Berufsverkehr in der Hansestadt.

Erster Alsterdampfer "Alina" startete 1859

Der Versicherungsmakler Gustav Adolph Droege hatte als Erster die Idee, einen Linienverkehr mit Dampfschiffen auf der Alster einzurichten. Nach jahrelanger Prüfung erhielt er vom Senat 1856 die Konzession. Für den Betrieb wollte Droege ein Rheinschiff nehmen - doch der Raddampfer "Stadt Mülheim" schlug 1857 bei der Überfahrt vom Rhein zur Elbe leck. So war es am 15. Juni 1859 der Schraubendampfer "Alina" vom Hamburger Schiffsmakler Johann Peter Parrau, der den Startschuss für die Alsterschifffahrt gab. Das auf der Hamburger Reiherstieg Schiffswerft gebaute Dampfboot startete mit einem Linienbetrieb vom Jungfernstieg zum Mühlenkamp und nach Eppendorf.

Später kamen Fährverbindungen zwischen dem Uhlenhorster Fährhaus und dem Fährdamm Harvestehude sowie andere Anbieter dazu. Diese schlossen sich 1860 mit Parrau zu einem Verkehrsverbund mit abgestimmtem Fahrplan und einem einheitlichen Tarifsystem zusammen. Sie benutzten die Anleger gemeinschaftlich. Die Dampfer fuhren im 10- oder 20-Minuten-Takt. 1877 fuhren die Schiffe erstmals auch in den Eilbekkanal und ab 1890 sogar bis zur Von-Essen-Straße in Eilbek. Zu der Zeit war der Geschäftsmann Otto Wichmann Alleininhaber der gesamten Alsterflotte. Damals machten ihm vor allem die Pferdebahnen Konkurrenz.

Hamburger Alsterdampfboot am Anleger Mundsburger Brücke (um 1880).
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125 Jahre Linienverkehr auf der Hamburger Alster

Bis zu elf Millionen Fahrgäste in der Blütezeit

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts - der Blütezeit des Alster-Linienverkehrs - waren etwa 30 Dampfschiffe auf der Alster im Einsatz. 1911 beförderten die Alsterdampfer sogar etwa elf Millionen Fahrgäste - und das auch nachts im 30-Minuten-Takt. Ihren vollständig weißen Anstrich erhielten die Schiffe bereits 1902 - es ist also das Geburtsjahr der "Weißen Flotte".

1919, nach Ende des Ersten Weltkrieges, erhielt die Hamburger Hochbahn AG das Verkehrsmonopol in Hamburg und wurde verpflichtet, auch die Alsterdampfschiffahrts-GmbH aufzukaufen. 37 Dampfer, fünf Schuten und vier Kähne standen zur Verfügung - doch ihr Betrieb rechnete sich zunächst nicht. Mitten in der Inflationszeit verpachtete die Hochbahn die Alsterschifffahrt an die Bugsierfirma Lütgens & Reimers. 1924 startete diese mit neuem Linienangebot, unter anderem zum Stadtpark. Zum Einsatz kamen neben 14 überholten Schiffen der alten Flotte auch Barkassen aus dem Hafen.

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Rückgang der Fahrgäste in den 1920er-Jahren

Aber das Aufkommen von Straßenbahnen, Omnibussen und U-Bahnlinien sorgte in den 1920er-Jahren für einen Passagierrückgang auf den langsameren Schiffen. Nutzten in jenem Jahrzehnt noch rund sechs Millionen Menschen pro Jahr die Dampfer, waren es ein Jahrzehnt später bereits nur noch weniger als vier Millionen. 1935 übernahm die Hochbahn den Betrieb wieder und stellte bis 1939 zehn Motorschiffe in Dienst, die auf drei verschiedenen Linien fuhren - zum Winterhuder Fährhaus, zum Mühlenkamp und durch den Eilbekkanal zur Von-Essen-Straße. Einige der Schiffe fahren auch heute noch.

Pause im Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg waren die Alsterschiffe nicht im Einsatz. Dennoch wurden einige von Bomben getroffen und zerstört. Nach Kriegsende starteten 1946 die Fahrten wieder. Im Sommer nutzten die Brieten bereits zwei der Schiffe. Ab dem 25. November 1946 durften die Hamburger wieder mit den Schiffen fahren. Die Linie nach Barmbek-Süd wurde allerdings vorerst nicht reaktiviert - aufgrund der nahezu vollständigen Zerstörung des Stadtteils.

1965 Integration in den HVV

Rund 3,4 Millionen Passagiere nutzten in den 1950er-Jahren das Angebot. An die Fahrgastzahlen ihrer Blütezeit aber vermochten die Alsterdampfer nicht mehr anzuknüpfen. Bei Gründung des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) 1965 wurde der Alsterschiff-Verkehr integriert. Dennoch sanken die Fahrgast-Zahlen weiter. U-Bahn, Straßenbahn und Bus brachten ihre Fahrgäste einfach schneller ans Ziel.

Weniger Angebot, weniger Fahrgäste

Für Matthias Kruse, Vorsitzender des Vereins Alsterdampfschiffahrt, zeigt der Blick auf die Statistik, dass die rückläufigen Fahrgastzahlen aber auch unmittelbare Folge von Angebotseinschränkungen war. "Mit Einführung einer Winterpause 1974 wurde der Alsterlinienschifffahrt die konstante Funktion im Gesamtnetz des ÖPNV in Hamburg genommen. Ein auf die Sommerzeit beschränkter Betrieb muss zwangsläufig zu einer überwiegenden touristischen Nutzung führen", sagt Kruse dem NDR vor einigen Jahren. "Eine weitere Angebotseinschränkung war die Stilllegung der Linie 53 Jungfernstieg - Mundsburger Brücke zum Jahresende 1975."

Ende nach Millionen-Defizit 1984

Zählte die Alsterlinienschifffahrt in den Jahren 1974 und 1975 noch 1,8 Millionen Fahrgäste, waren es in den Jahren 1976 bis 1981 noch 1,3 bis 1,5 Millionen Fahrgäste. Mit Wegfall des 20-Minuten-Taktes der verbliebenen Linien 51 und 52 sank die Fahrgastzahl im Jahr 1982 auf eine Million. 1983 wurde zur Minderung des Defizits der Schnellbus-Zuschlag des HVV zuzüglich zum Normaltarif erhoben. So wurden nur noch 690.000 Fahrgäste im Linienverkehr gezählt. Das jährliche Betriebsdefizit erhöhte sich auf 1,33 Millionen DM. Am 7. Februar 1984 beschloss der Hamburger Senat deshalb, die Linienschifffahrt auf der Alster zum 15. Juni desselben Jahres einzustellen. Aus ihr wurde die Alster-Kreuz-Fahrt der Alster-Touristik GmbH, die bis heute die alten Anleger weiterhin bedient.

Das Alsterschiff "St. Georg" fährt am 2.3.2024 über die Binnenalster vor dem Jungfernstieg.

Von März bis Oktober schippert die 1876 gebaute "St. Georg" über die Hamburger Alster. Gebaut wurde sie 1876.

Tourismus auf der Alster immer beliebter

Während die Passagierzahlen bei den Linienfahrten abnahmen, stieg die touristische Auslastung der Alsterschiffe stetig an. Beliebt waren in den 1950er-Jahren zum Beispiel Lampionfahrten bei Nacht. Ab 1956 wurden Kaffeefahrten und acht Jahre später dann Frühschoppen- und Kanalfahrten als Ergänzung zu den Alsterlinien angeboten. Eine stufenweise Ausrichtung auf Ausflugs-, Rundfahrt- und Touristik-Angebote begann ab 1977.

Heute zwei Anbieter mit zahlreichen Rundfahrten

Heute starten vom Jungfernstieg aus zwei Anbieter ihre Alsterfahrten. Die Alster-Touristik GmbH ist an 365 Tagen im Jahr auf der Alster unterwegs und bietet zahlreiche Fahrten an. Die 17 Schiffe der Flotte schippern im Jahr mehrere Hunderttausend Fahrgäste über die Alster. Die 1952 in Dienst gestellte "Eilbek" wurde 2024 auf Batteriebetrieb umgerüstet und fährt als erstes historisches Alsterschiff nun emissionsfrei.

Außerdem bietet der Alsterdampfschiffahrt e.V. von März bis Ende Oktober Fahrten mit dem historischen Schiff "St. Georg" an.

Älteste Dampfschiff-Flotte der Welt

Der Alsterdampfschiffahrt e.V. betreibt seit 1994 mit der "St. Georg" das älteste betriebsfähig erhaltene Fahrzeug des Hamburger Nahverkehrs und zugleich das älteste Dampfschiff Deutschlands. Der 1936 in "St. Georg" umbenannte Alsterdampfer wurde 1876 als "Falke" erbaut. Mit insgesamt drei Dampfschiffen der Baujahre 1875 bis 1879 verfügt Hamburg über die älteste Dampfschiff-Flotte der Welt. Die Schiffe "Nixe" (1875) und "Winterhude" (1879) sowie die Barkassen "Hertha-Marie" (1926), "Kollau" (1930) und das Alstermotorschiff "Tarpenbek (1935) sind noch nicht einsatzbereit.

Video: Saisonauftakt für die Alsterdampfer 2026 (1 Min)
Blick auf einen Alsterdampfer in Hamburg, der auf der Binnenalster unterwegs ist.

Jetzt legen die Alsterdampfer wieder ab - mit neuem Fahrplan und mehr Zeit an Bord, aber auch höheren Preisen. Was sich für Fahrgäste ändert.

Zwischen Außenalster und Osterbekkanal wird es im Sommer oft eng.

Anwohner an der Alster sind genervt. Es wird immer voller. Es muss endlich Regeln dafür geben, wer aufs Wasser darf, meinen sie.

Ein leergelaufenes Alsterfleet.

Pause für den Bootsverkehr: Um die Alsterfleete reinigen und kontrollieren zu können, wird der Wasserstand vollständig abgesenkt.

Blick auf das Hamburger Rathaus und die Binnenalster mit Wasserfontäne.

Im Norden ein Flüsschen, im Zentrum ein großer See: Die Alster prägt Hamburgs Stadtbild. Tipps für Entdeckertouren.

Umsteigeanlage Wandsbek 1965

Ein Tarif, ein Ticket, ein Fahrplan: Mit diesen Zielen ist am 29. November 1965 der weltweit erste Verkehrsverbund gegründet worden.

Kanufahrer und SUP-Boarder auf dem Rondeel-Kanal in Hamburg.

Früher waren sie Verkehrswege, heute sind auf den Kanälen Ausflügler unterwegs. Vom Wasser aus bieten sich spannende Ausblicke.

Am Oberlauf der Alster bei Hamburg-Poppenbüttel

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NDR Fernsehen/Hamburg Journal | 01.04.2026 | 19:30 Uhr ---- Online-Beitrag zuerst veröffentlicht am 02.04.2026 | 09:15 Uhr

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