Luxus auf See: Als die "Augusta Victoria"auf Kreuzfahrt ging

Stand: 25.06.2026 12:45 Uhr

Am 22. Januar 1891 startet in Cuxhaven das Dampfschiff "Augusta Victoria" zu einer reinen Vergnügungsreise ins Mittelmeer. Die zweimonatige Tour geht als erste Kreuzfahrt in die Geschichte ein.

Am 22. Januar 1891 sticht in Cuxhaven die "Augusta Victoria" in See - an Bord eine erlesene Gesellschaft. Die Reisenden wollen nicht - wie zu dieser Zeit üblich - mit dem Schiff den Atlantik überqueren. Sie nehmen vielmehr an einer Seefahrt teil, die ausschließlich ihrem Vergnügen dient. Viel Zeit und Geld müssen die Passagiere mitbringen, denn vor ihnen liegt eine zwei Monate lange Reise: über Southampton und Gibraltar, durch das Mittelmeer bis nach Syrien und Ägypten, zurück über Malta und Lissabon an die deutsche Küste. Die Tour geht später als die erste Luxus-Kreuzfahrt in die Geschichte ein.

Ein Programm gegen die Winter-Flaute

Die Deckpromenade des Dampfers "Maria Theresia" aus der Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd um 1890/1900.
Kreuzfahrt-Passagiere verzichteten im 19. Jahrhundert auch an Bord nicht auf elegante Kleidung.

Veranstalter der Reise ist die angesehene Reederei "Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft" oder kurz Hapag. Ihr Direktor Albert Ballin sorgt sich um die Auslastung seiner Passagierschiffe, die erfolgreich auf der Nordamerika-Route verkehren. Im Winter bricht das Geschäft jedoch regelmäßig ein. Nur wenige Auswanderer, die einen großen Teil der Passagiere stellen, verlassen ihre Heimat in der kalten Jahreszeit.

Ballin kommt auf die Idee, mit seinem erst zwei Jahre alten Schiff "Augusta Victoria" eine "Bildungs- und Vergnügungsreise" in wärmere Gegenden auszuschreiben. Schnell sind die 174 Plätze ausgebucht.

An Bord der 145 Meter langen "Augusta Victoria" herrscht Luxus pur: Die Kabinen sind großzügig, erstklassige Köche sorgen für die Verpflegung und ein Unterhaltungsprogramm lässt keine Langeweile aufkommen. Insgesamt gehören 245 Mitarbeiter zur Crew. Auch Ballin selbst, der als charmanter Gesprächspartner gilt, lässt sich die Premiere nicht entgehen.

Kreuzfahrten mit Landausflügen bis zu den Pyramiden

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. und seine Frau Auguste Viktoria auf einem Foto von 1907
Nach ihr wurde das Schiff benannt - allerdings mit Schreibfehlern: Auguste Viktoria, Gattin von Kaiser Wilhelm II.

Nicht nur an Bord erfüllt die Reise die Erwartungen der betuchten Gäste. Bei 13 organisierten Ausflügen sammeln sie Eindrücke der exotischen Mittelmeer-Länder. Vom Hafen Alexandria aus organisiert Ballin sogar eine Tour nach Kairo und zu den Pyramiden. Die "Augusta Victoria" mit ihren drei mächtigen Schornsteinen erregt in allen Häfen Aufsehen. Sie ist mit 7.661 Bruttoregistertonnen das größte Passagierschiff, das bis dahin die Straße von Gibraltar durchfahren hat.

Der zunächst skeptisch beobachtete Test Ballins wird zum vollen Erfolg und weiteren Standbein der Hapag. Dabei stört es auch nicht so sehr, dass die "Augusta Victoria" die Werft in Stettin mit einem "Geburtsfehler" verlassen hat: Sie sollte den Namen der Frau des deutschen Kaisers Wilhelm II. tragen, die jedoch Auguste Viktoria hieß.

100 Jahre später boomt die Kreuzfahrt - und schafft Probleme

Die Hapag setzt bald weitere Schiffe für Kreuzfahrten zum Nordcap und in die Karibik ein, die damals noch Westindien genannt wurde. Neben der Handels- und Passagierschifffahrt über den Atlantik etablierte sich so ein weiterer Geschäftszweig. Andere Reedereien folgen dem Vorbild. Vergnügungsreisen auf See entwickeln sich zu einem wichtigen Teil der Tourismus-Branche und erleben rund 100 Jahre später einen wahren Boom - und zum hart umkämpften Segment auf dem Reisemarkt.

Schon bald gibt es für jeden Kunden und jedes Portemonnaie das passende Schiff. Aber auch Probleme: Immer wieder kritisieren Umweltschützer die Kreuzfahrtindustrie für die gewaltigen Mengen klimaschädlicher Emissionen, die von den Kreuzlinern ausgestoßen werden. Auch habe die Branche keine wirkliche Strategie für die künftige Schadstoff-Reduktion, so der Vorwurf.

125 Jahre Kreuzfahrt bringen neues Logo und neuen Namen

Um an seine Wurzeln zu erinnern, hat der Kreuzfahrten-Anbieter, der seit seiner Fusion mit den Norddeutschen Lloyd 1970 Hapag-Lloyd heißt, zum 125-jährigen Jubiläum der ersten Kreuzfahrt 2016 die Jahreszahl 1891 in sein Logo aufgenommen. Und um die internationale Ausrichtung zu betonen, wurde die Firma Hapag-Lloyd Kreuzfahrten kurzerhand in Hapag-Lloyd Cruises umbenannt. Heute gehört die traditionsreiche Kreuzfahrtreederei zum Gemeinschaftsunternehmen TUI Cruises. Royal Caribbean und die TUI AG aus Hannover sind daran zu je 50 Prozent beteiligt.

Hapag-Lloyd Cruises setzt auf Expeditionskreuzfahrten

Das Kreuzfahrtschiff Hanseatic nature (Hapag-Lloyd Cruises) liegt im Cruise Center Altona in Hamburg.
Das Kreuzfahrtschiff "Hanseatic nature" wurde für Touren in die Polargebiete gebaut.

Zur Flotte von Hapag-Lloyd Cruises zählen zurzeit zum einen die MS "Europa" und die "Europa 2" - wie zu Zeiten von Direktor Ballin würden die Gäste in ihren Kabinen hier immer frische Blumen finden, verspricht das Unternehmen. Und mit der "Hanseatic nature", der "Hanseatic inspiration" und der "Hanseatic spirti" sind drei Schiffe der sogenannten Expeditionsklasse am Start, die ihre Gäste mit Erkundungsabenteuern von der Arktis bis zum Amazonas locken.

Seit 2010 fährt die gesamte Flotte laut Unternehmensangaben ohne Schweröl und setzt stattdessen zu 100 Prozent das schadstoffärmere Marine Gasöl ein.

"Augusta Victoria" findet jähes Ende als Kriegsschiff

Die "Augusta Victoria" ist bis 1904 als Passagierschiff auf den Meeren unterwegs. Inzwischen setzen die Reedereien aber auf größere Schiffe und so verkauft die Hapag den 1897 in "Auguste Victoria" umbenannten Kreuzfahrer 1904 an die russische Armee. Umgebaut nimmt sie unter dem Namen "Kuban" am russisch-japanischen Krieg teil. 1907 kehrt das Schiff nach Stettin zurück und wird abgewrackt - nach weniger als 20 Jahren.

Für die Reederei Hapag war schon 1905 eine namentliche Nachfolgerin vom Stapel gelaufen: die "Kaiserin Auguste Viktoria". Der Schnelldampfer gilt bei seiner Indienststellung als größtes Schiff der Welt und wird auch auf der Nordamerika-Route eingesetzt, aber nicht allein für Reisende genutzt. Das erste ausschließlich für Kreuzfahrten gebaute Schiff war 1900 übrigens als "Prinzessin Victoria Luise" bei Blohm + Voss vom Stapel gelaufen.

Schrauben-Dampfschiff "Borussia" der HAPAG auf einer Postkarte von 1956

Am 1. Juni 1856 setzt die Hamburger Reederei Hapag erstmals ein Dampfschiff für die Fahrt über den Atlantik ein: die "Borussia", die auch über Segel verfügte.

Ausfahrt des damals größten Schiffes der Welt aus dem Hamburger Hafen: der Dampfer "Imperator" der Hamburg-Amerika-Linie.

Im Mai 1912 läuft im Hamburger Hafen das seinerzeit größte Passagierschiff der Welt vom Stapel: der "Imperator".

Das Passagierschiff "Wilhelm Gustloff" nach dem Stapellauf in Mai 1937.

1937 taufen die Nazis das Kreuzfahrtschiff für die Massen. Mit Tausenden Flüchtlingen an Bord wird es 1945 versenkt.

MS "Völkerfreundschaft" 1972 im Hafen von Warnemünde

Von 1960 bis 1985 kreuzte die "Völkerfreundschaft" über die Weltmeere. Das erste Urlauberschiff der DDR ermöglichte luxuriöse Kreuzfahrten.

Die MS Arkona läuft am 15.10.1985 zu ihrer ersten Kreuzfahrt für die DDR aus.

Erst West-Luxusliner, dann Traumschiff für Genossen: Am 16. Dezember 1980 lief die MS "Astor" vom Stapel. 1985 wurde sie zur MS "Arkona".

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen/Die Nordreportage | 01.01.2026 | 06:20 Uhr, Online-Beitrag zuerst veröffentlicht am 01.01.2026 | 10:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Kreuzfahrtschiffe

Neuzeit

Geschichte

Schifffahrt

Das Kreuzfahrtschiff TS "Maxim Gorki" vor der Küste Mykonos, aufgenommen im Mai 1999.

1968 läuft das erste große Passagierschiff nach dem Krieg vom Stapel: die "Hamburg". Als "Maxim Gorkiy" geht sie in die Geschichte ein.

Planten un Blomen während der Niederdeutschen Gartenschau 1935

1935 als "Planten un Blomen" im Zentrum der Hansestadt angelegt, wurde der Park allein bis 1973 drei Mal umgestaltet. Eine NDR Doku beleuchtet seine Geschichte.

Programmhefte, Opern-Partituren und ein Foto des Komponisten Engelbert Humperdinck liegen auf dem Tisch.

Mit seiner Märchenoper "Hänsel und Gretel" gelang ihm der große Wurf. Am 27. September 1921 starb der Spätromantiker in Neustrelitz.

Schiffswrack im Watt vor der Insel Amrum

Im 19. Jahrhundert strandete ein Schiff vor der Insel Amrum. Seine Überreste liegen noch heute im Watt. Ein Historiker hat seine Geschichte recherchiert.