U 16 läuft vor 115 Jahren in Kiel vom Stapel - heute ein Wrack
Auf der Kieler Germaniawerft wurde das U-Boot U 16 der Kaiserlichen Marine gebaut, der Stapellauf erfolgte am 29. August 1911. Nahe der Insel Scharhörn sank es 1919. Dort lag es mehr als 100 Jahre, 2025 wurde es geborgen.
Die Bedeutung von U-Booten hatte im Verlauf des Ersten Weltkriegs zugenommen. Die Kaiserliche Marine entwickelte den Plan, sie einzusetzen, um die Handelsrouten - vor allem von Großbritannien - zu stören. Am 22. Februar 1915 befahl die deutsche Reichsregierung den sogenannten uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Dadurch konnten Handelsschiffe ohne Vorwarnung angegriffen werden. Das galt für Schiffe von kriegführenden und neutralen Staaten gleichermaßen.
Bei der Germaniawerft in Kiel gebaut
Zu diesen eingesetzten U-Booten zählte auch U 16, dessen Bau am 26. August 1909 in Auftrag gegeben worden war. Gebaut wurde das U-Boot bei der Germaniawerft in Kiel, die 1906 bereits das erste U-Boot (U 1) der Deutschen Marine gefertigt hatte. Die Kiellegung erfolgte am 10. Mai 1910, der Stapellauf am 29. August 1911. In Dienst gestellt wurde U 16 am 28. Dezember 1911. Die Baukosten sollen bei rund 2,5 Millionen Mark gelegen haben.
Das Boot hatte eine Länge von 57,8 Metern und eine Breite von sechs Metern. Der Tiefgang betrug 3,36 Meter. Aufgetaucht kam es auf eine Verdrängung von 489 Tonnen und getaucht auf 627 Tonnen. Die maximale Tauchtiefe lag bei 50 Metern.
1.200 PS bei Überwasserfahrten
Angetrieben wurde U 16 von zwei Sechs- und Achtzylinder-Zweitakt-Petroleummotoren, die bei Überwasserfahrten eingesetzt wurden. Die Leistung betrug zusammen 1.200 PS. Für Fahrten unter Wasser standen zwei Elektromotoren mit zusammen 860 PS zur Verfügung. U 16 kam mit diesen Antrieben auf eine Höchstgeschwindigkeit von 15,6 Knoten (ca. 28,9 km/h) über Wasser und 10,7 Knoten (ca. 19,8 km/h) unter Wasser.
Elf Handelsschiffe versenkt
Vom U-Boot aus konnten sechs mitgeführte Torpedos abgeschossen werden. Außerdem gab es zunächst eine 37-Millimeter-Kanone, später eine größere Schnellladekanone. Während des Ersten Weltkriegs versenkte U 16 elf Handelsschiffe und beschädigte zwei weitere. Alle Aktionen erfolgten im Jahr 1915 in der Nordsee, zwei davon im Ärmelkanal.
1919 auf Auslieferungsfahrt nach England gesunken
Nachdem Deutschland den Krieg verloren hatte, sollte das inzwischen als veraltet geltende U-Boot an Großbritannien übergeben werden - als Reparationsleistung. Ein Schlepper sollte U 16 nach Harwich, eine Hafenstadt im Südosten Englands, ziehen. Das U-Boot sank jedoch am 8. Februar 1919 in der Nordsee nördlich der zu Hamburg gehörenden Insel Scharhörn. Mehr als 100 Jahre lag es eingebettet in Sand und Schlick - und über ihm fuhren Containerfrachter.
Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt geht nicht davon aus, dass es sich bei dem Wrack um ein Seegrab handelt, in dem Soldaten ihren Tod fanden. Ihr Sprecher Dominik Schröder vermutet, dass die Crew das Boot vorher verlassen konnte. Auch Marinehistoriker Jann M. Witt glaubt nicht an einen Unfall: "Vermutlich ist das U-Boot von der Besatzung selbst versenkt worden, um der Auslieferung zu entgehen", sagte er dem NDR 2025. Die Nähe des Untergangsorts zur Insel Scharhörn sei ein Indiz dafür.
Bergung im Jahr 2025: In zwei Teile zerbrochen
Dem Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie (BSH) zufolge gab es bereits 1960 erste Aufzeichnungen zu dem Wrack. Zuletzt untersucht wurde es vom Bundesamt am 18. Juli 2023 bei einer Routinefahrt, wie Pressereferentin Moira Lenz dem NDR Niedersachsen mitteilte. Dass sich 2025 verschiedene Experten wieder mit dem U-Boot befassen, liegt daran, dass im Auftrag des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Elbe-Nordsee (WSA) die Bergung anstand.
In der Nacht vom 31. August zum 1. September 2025 gelang es allerdings nur teilweise, U 16 aus dem Schlick zu heben - und das ist auch wortwörtlich so zu verstehen. Denn das Wrack brach beim Anheben auseinander. Das Heck mit dem markanten Turm und den Resten des Periskops wurde zwei Tage später gehoben. Beide Teile wurden auf einem Ponton im Hafen von Cuxhaven abgelegt.
Kritik an Bergung
Die Bergung führte zu Kritik. Hamburgs Landesarchäologe Rainer-Maria Weiss hatte von der Bergung aus den Medien erfahren. Er nannte das Vorgehen des WSA "stümperhaft" und sah darin eine "illegale Hauruck-Aktion". "Es ist Hamburger Hoheitsgebiet und damit sind für alle Bodendenkmale rund um Scharhörn wir zuständig", sagte Weiss. Aus seiner Sicht handele es sich um eine "grobe Missachtung jeglicher Regularien". Dass offenbar bereits die Verschrottung der Teile eingeleitet worden sei, sei "ein unerhörter Vorgang"
Archäologen sahen in der Aktion einen Fehler und bezeichneten sie aus fachlicher Sicht als einen "Super-Gau". Jens Auer, Sprecher der Kommission für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie im Verband der Ländesarchäologien, sagte: "Es gab keine Dokumentation, keine archäologische Begleitung, keine fachliche Begleitung, keine Recherche vorher, nichts." Das U-Boot hätte laut dem Kieler Unterwasserarchäologen und "TerraX"-Moderator Florian Huber besser an Ort und Stelle bleiben sollen.
Offenbar keine Genehmigung erteilt
Außerdem meldete sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Sie sagte dem NDR Niedersachsen, dass U 16 Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und die BIMA die Eigentümer-Vertretung für das U-Boot-Wrack sei. Die Bundesanstalt hatte nach eigenen Angaben keine Genehmigung für die Bergung erteilt.
Teile von U 16 künftig in Museen zu sehen
Was mit den Resten von U 16 geschehen soll, ist seit November 2025 geklärt: Etwa ein Viertel des Wracks solle künftig in Museen ausgestellt werden, sagte Henning Haßmann vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Große Teile, darunter der mittlere Rumpfteil von U 16 mit Turm, sollen im Fahrzeug- und Technikmuseum Benneckenstein in Sachsen-Anhalt präsentiert werden. Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden soll den Angaben zufolge die Bewaffnung ausstellen. Im Nordholzer Luftschiff- und Marinefliegermuseum "Aeronauticum" wird unter anderem ein großes Segment aus der Oberseite des Achterschiffs zu sehen sein, das Cuxhavener Wrack- und Fischereimuseum "Windstärke 10" übernimmt etwa die Ankerkette und Kleinteile aus dem Leben an Bord.
Auch im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven, im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg und im Hamburger Museum für Archäologie sollen kleine Teile des U-Boots gezeigt werden. Andere Teile sollen für die Forschung zur Verfügung gestellt, der Rest wird verschrottet. Das gesamte Boot zu konservieren und auszustellen, wäre Experten zufolge zu teuer gewesen.