Video: Bergen-Belsen: Sanierungsbeginn der Gedenkstätte (2025) (1 Min)

Bergen-Belsen: Gedenkstätte zum KZ als Mahnmal

Stand: 15.04.2026 05:00 Uhr

In Bergen-Belsen in der Heide starben Zehntausende Menschen, darunter Anne Frank. Am 15. April 1946 wurde in dem ehemaligen Konzentrationslager ein erstes Mahnmal eingeweiht. Seit 1952 erinnert dort eine Gedenkstätte an die Opfer.

Mitten in der Lüneburger Heide wurde während der NS-Zeit ein erschreckendes Kapitel deutscher Geschichte geschrieben - im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Seit 1952 hält die Gedenkstätte Bergen-Belsen die Erinnerung an diese dunkle Zeit wach. Etwa 300.000 Menschen besuchen das ehemalige Konzentrationslager jährlich. Die Ausstellung erinnert an das Leiden der Inhaftierten und die Opfer. Etwa 52.000 KZ-Häftlinge und mehr als 20.000 Kriegsgefangene kamen in Bergen-Belsen in den Jahren 1940 bis 1945 ums Leben.

Gedenkstätte in Bergen-Belsen auf 55 Hektar Fläche

Ein Besucher läuft über das Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen.
Ein Großteil der ehemaligen Lagerfläche ist zu einer parkartigen Heidelandschaft geworden.

Die Gedenkstätte umfasst das gesamte Gelände des damaligen Lagers, insgesamt etwa 55 Hektar Fläche. Obwohl sich Überlebende dagegen ausgesprochen hatten, die Spuren zu beseitigen, blieben von den Gebäuden nur noch einige Fundamente erhalten. Zwei Drittel der ehemaligen Lagerfläche sind heute parkartige Heidelandschaft. Schneisen in Wald und Heide zeichnen das frühere Lager nach. Mittelpunkt der Gedenkstätte ist ein modernes, 2007 eröffnetes Dokumentationszentrum, das außerhalb des ehemaligen Lagers unmittelbar an dessen Grenze errichtet wurde.

Dokumente zu Erinnerung in Text und Bild

Menschen stehen an einem Zaun im Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Besucher können die Geschichte des Lagers kennenlernen.

Besucher können sich auf verschiedene Weise vor Ort über die Geschichte des Lagers und des NS-Verfolgungssystems informieren: Eine Dauerausstellung über Bergen-Belsen und regelmäßige Sonderausstellungen setzen sich mit der nationalsozialistischen Verfolgung auseinander. Zusätzlich können Besucher in den Medienräumen verschiedene Filme zum Themenkomplex sehen, darunter Augenzeugen-Berichte und historische Aufnahmen. Der Film "Bergen-Belsen zum Beispiel" dokumentiert die Lage im KZ vor und nach der Befreiung durch die britischen Truppen am 15. April 1945. Kindern unter 14 Jahren wird alternativ ein Dokumentarfilm über Anne Frank empfohlen. Hinzu kommen Mediastationen, über die Zeitzeugen zu den Besuchern sprechen. Die Gedenkstätte hat Hunderte Interviews aufgezeichnet und aus ihnen Filme zusammengestellt, die die persönlichen Erinnerungen an das Lager widerspiegeln.

Anne Frank gehörte zu den Opfern

Anne Frank, eigentlich Annelies Marie Frank (1929-1945), jüdisches deutsches Mädchen, das 1934 mit seinen Eltern in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen und kurz vor dem Kriegsende dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer fiel (im Konzentrationslager Bergen-Belsen).
Anne Frank wurde 1944 nach Bergen-Belsen deportiert.

Eines der Opfer von Bergen-Belsen war die 15-jährige Anne Frank. Sie und ihre Familie wurden im August 1944 in einem Versteck in Amsterdam entdeckt und nach Bergen-Belsen deportiert, wo Anne Frank getötet wurde. Nach dem Krieg wurde ihr Tagebuch veröffentlicht, das sie in ihrem Versteck geschrieben hatte. Dieses historische Dokument sorgte weltweit für Erschütterung.

Führungen und eine Bibliothek

Bei Führungen über das Gelände können Besucher mehr über die Geschichte des Lagers und der Opfer erfahren. Der pädagogische Dienst bietet außerdem im Rahmen von Studientagen spezielle Weiterbildungen für Schüler, Studenten oder Teilnehmer der Erwachsenenbildung an. In einer Bibliothek stehen rund 8.000 Bücher und Dokumente zu den Themen Nationalsozialismus und Holocaust.

Irma Grese, Aufseherin im Konzentrationslager Bergen-Belsen, am 17.11.1945 in Lüneburg vor Gericht

Irma Grese galt als KZ-Aufseherin als besonders brutal. Am 13. Dezember 1945 wurde sie von den Briten in Hameln hingerichtet.

Hilde M.

Ein Interview, aufgenommen von der Gedenkstätte Bergen-Belsen, löst neue Ermittlungen gegen eine KZ-Aufseherin aus. Sie soll 1945 einen Todesmarsch begleitet haben. (17.03.2015)

Vom Arbeitslager zum Konzentrationslager

Bergen-Belsen war zunächst ein Arbeitslager für hauptsächlich russische Kriegsgefangene. Ab 1943 sollte es ein "Aufenthaltslager" für Juden werden, die für Gefangenenaustausche festgehalten werden sollten. Doch ab März 1944 war es ein Konzentrationslager wie Dachau oder Neuengamme. Immer mehr Menschen wurden während des Krieges in diesem Lager untergebracht. KZ-Arbeiter aus frontnahen Lagern wie Sachsenhausen wurden in Bergen-Belsen interniert. Im Dezember 1944 lebten 15.257 Menschen in dem überfüllten Lager. Tausende Menschen starben wegen der katastrophalen hygienischen Zustände, an Unterernährung oder sich schnell verbreitenden Krankheiten - allein in den Monaten Januar bis April 1945 waren es 35.000. Nach der Befreiung des Lagers wurden die Toten auf dem Gelände begraben und die meisten Baracken niedergebrannt. Trotz der Befreiung überlebten weitere 14.000 Menschen die folgenden Monate nicht.

Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg sitzt am 13.02.2024 in seiner Wohnung in Ostfriesland.

Albrecht Weinberg berichtete an Schulen von seinen Erlebnissen als Jude während der NS-Zeit. Im Mai 2026 starb er in Leer.

Albrecht Weinberg, Überlebender des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, posiert am 25.04.2015 anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des KZ für ein Porträtfoto.

Zum Kriegsende schicken die Nazis die KZ-Häftlinge auf sogenannte Todesmärsche. Albrecht Weinberg überlebt den Marsch nach Bergen-Belsen.

Anita Lasker-Wallfisch am 03.09.2019 in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin

Ihr Cello rettet Anita Lasker-Wallfisch im KZ das Leben. Für ihren Einsatz gegen Antisemitismus wird sie mehrfach ausgezeichnet.

Holocaust-Überlebende Irene Butter

Irene Butter entkam dem KZ Bergen-Belsen. Nach 30 Jahren fing sie an, von der NS-Zeit zu erzählen. 2024 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Erste KZ-Gedenkstätte bundesweit

Die britische Militärregierung ordnete im Oktober 1945 die Errichtung eines Mahnmals und die Pflege der Grabstätten in Bergen-Belsen an. Die offizielle Einweihung fand am 15. April 1946 statt, es folgten weitere Mahnmale. Am 30. November 1952 wurde die Gedenkstätte Bergen-Belsen eingeweiht - als erste ihrer Art bundesweit. Im April 1966 eröffnete das Dokumentenhaus mit einer Ausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers.

Video: Gedenkfeier im Konzentrationslager Bergen-Belsen (4 Min)
Jüdisches Denkmal, Obelisk und Inschriftenwand im Freigelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen
Jüdisches Denkmal (l.), Obelisk und Inschriftenwand gehören zu den Mahnmalen im Freigelände der Gedenkstätte.

In den folgenden Jahren geriet die Gedenkstätte zunehmend in Vergessenheit. Erst 1985 beschloss der Niedersächsische Landtag, das Gelände und eine Ausstellung neu zu gestalten. Die Wiedereröffnung erfolgte 1990.

Im Oktober 2007 wurde ein neues Dokumentationszentrum mit einer Dauerausstellung zu den Kriegsgefangenen in der Lüneburger Heide eröffnet. Im Juni 2012 wurde die Außengestaltung des ehemaligen Lagergeländes fertiggestellt. Ein Besucherleitsystem mit Erläuterungen zu dem historischen Ort kam hinzu.

Sanierungsarbeiten bis 2027

Die Bildungs- und Verwaltungsgebäude sind inzwischen in die Jahre gekommen, an ihnen nagt der Zahn der Zeit. Sie wurden zwischen 1966 und 2000 erbaut. Immer wieder sei Wasser durch die Flachdächer eingedrungen, sagte Gedenkstätten-Leiterin Elke Gryglewski dem NDR. 2025 starteten Sanierungsarbeiten an Dächern, Fassaden und Fenstern. Die Häuser sollen zudem energieeffizienter werden. Auch auf mehr Sicherheit soll in Zukunft Wert gelegt werden. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2027 abgeschlossen sein.

Besucherinformationen zur Gedenkstätte Bergen-Belsen


Gedenkstätte Bergen-Belsen

Elke Gryglewski im Interview.

Die Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen sucht Wege, wie die Gedenkstätten ihr Publikum besser ansprechen können.

Britischer Soldat spricht mit einem Insassen nach der Befreiung der KZ Bergen-Belsen. (Bild: DPA)

Das Leid der Häftlinge im KZ Bergen-Belsen war unvorstellbar. Am 15. April 1945 befreiten britische Truppen das Lager.

Zwei der zum Tode verurteilten Angeklagten, der ehemalige Lagerleiter Josef Kramer (l) und der Lagerarzt Fritz Klein (r), verlassen im November 1945 den Gerichtssaal in Lüneburg.

Am 17. November 1945 werden die Urteile im ersten NS-Kriegsverbrecherprozess gesprochen: neben Todes- und Haftstrafen auch Freisprüche.

Der ehemalige Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, Rudolf Höß, in Handschellen.

Ein junger Jude jagt für die Briten Nazis. Am 11. März 1946 setzt er den früheren KZ-Kommandanten Rudolf Höß bei Flensburg fest.

Collage: Hans Georg Calmeyer auf einem alten Foto, daneben ein "Judenstern".

Hans Georg Calmeyer entschied als "Rassereferent" der nationalsozialistischen Verwaltung in Den Haag über Leben und Tod.

Angeklagte im Curiohaus-Prozess, links KZ-Kommandant Max Pauly

Im ersten Prozess gegen Verantwortliche des KZ Neuengamme werden am 3. Mai 1946 die Urteile verkündet: Elf Mal verhängt das Gericht die Todesstrafe.

Mahnmal in der Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme (2022)

Im Konzentrationslager Hamburg-Neuengamme starben während der NS-Zeit mehr als 40.000 Menschen. Am 7. November 1965 wurde ein Mahnmal eingeweiht.

Weg auf dem Außengelände der Gedenkstätte Esterwegen.

Das Konzentrationslager Esterwegen war eins von 15 im Emsland. Heute erinnert hier eine Gedenkstätte an die Opfer aller Lager in der Region.

Stahlskulpturen in Ladelund, am Rande der Gedenkstätte eines Außenlagers des Konzentrationslagers Neuengamme.

Im nordfriesischen Dorf Ladelund befindet sich die älteste KZ-Gedenkstätte Schleswig-Holsteins. Ende 1944 kamen dort mehr als 300 Männer ums Leben.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen/NDR Info | 17.09.2025 | 16:00 Uhr, Online-Beitrag zuerst veröffentlicht am 17.09.2025 | 17:30 Uhr

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