Werder-Legende Dieter Burdenski
AUDIO: Dieter Burdenski: Der Rekord-Torwart von Werder Bremen (1 Min)

Dieter Burdenski: Torwart-Ikone und Rekordhalter

Stand: 26.11.2025 10:45 Uhr

444 Mal hat Dieter Burdenski in der Bundesliga das Tor von Werder Bremen gehütet. Er ist damit Rekordspieler der Hanseaten. Viele Titel heimste "Budde" allerdings nicht ein.

von Johannes Freytag, NDR.de

Im nahezu greisen Fußballer-Alter von 51 Jahren musste Dieter Burdenski noch mal in einem Pflichtspiel ran: Am 23. Februar 2002 stand Bremens damaliger Torwarttrainer in der Regionalliga Nord für Werders Amateure zwischen den Pfosten. Stammkeeper Pascal Borel war gesperrt, die Ersatzleute Alexander Walke und Frank Olschewski verletzt. "Ehrensache, dass ich meinem Verein in so einer Situation helfe", sagte Burdenski, der mit 444 Bundesligapartien Rekordspieler der Hanseaten ist. Wenn er gebraucht wurde, war er da, aber wenn es um Titel ging, stand er meist im Abseits.

"Hinter mir liegen wunderschöne Jahre"

Dieter Burdenski (SV Werder Bremen) am 10.10.1987 beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg
1988 saß Burdenski bei Werder nur noch auf der Ersatzbank.

Werders Meistersaison 1988 - es war Burdenskis letztes von fast 20 Karrierejahren - erlebte er nur auf der Ersatzbank und im Nationalteam war das Trikot mit der Nummer eins an Sepp Maier und später Toni Schumacher vergeben. Dennoch zog der gebürtige Bremer ein positives Fazit: "Hinter mir liegen wunderschöne Jahre. Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen. Wer kann das schon?"

Elfmeterkiller und Torschütze

08.09.1979: Dieter Burdenski (SV Werder Bremen) trifft per Elfmeter zum 2:2 gegen Helmut Roleder (VfB Stuttgart).
Burdenski hielt nicht nur Elfmeter, er verwandelte auch welche - wie hier 1979 zum 2:2 von Werder Bremen gegen den VfB.

In der Tat kann Burdenski beeindruckende Zahlen vorweisen: 478 Mal lief er in der Bundesliga auf, lediglich 18 Profis haben mehr Spiele auf dem Buckel. Zwischen 1973 und 1987 verpasste der Keeper gerade einmal fünf Spiele in der Bundesliga. Im Schalke-Trikot schrieb Burdenski Geschichte, als er 1970 beim ersten offiziellen Elfmeterschießen in Deutschland (im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg) zwei Elfmeter hielt. Auch in die Torschützenliste der Liga durfte sich der Torwart eintragen: Am 8. September 1979 traf er per Foulelfmeter zum zwischenzeitlichen 2:2 gegen den VfB Stuttgart (Endstand 2:3).

Verwicklung in den Bundesliga-Skandal

17.04.1971: Glückaufkampfbahn in Gelsenkirchen - FC Schalke 04 gegen Arminia Bielefeld 0:1, Gerd Roggensack erzielt das entscheidende Tor gegen S04-Keeper Dieter Burdenski
Als Schalke-Torwart war Burdenski in den Bundesliga-Skandal verwickelt.

Geboren wurde Dieter Burdenski am 26. November 1950 in Bremen - als Sohn des Werder-Spielers Herbert Burdenski. Er kam über die STV Horst-Emscher 1969 zum FC Schalke 04. Für die Königsblauen debütierte er als 20-Jähriger am 5. Dezember 1970 (kurioserweise gegen Bremen) in der Bundesliga. Doch statt durchzustarten, folgte der Rückschlag und das dunkelste Kapitel seiner Laufbahn. Burdenski stand nämlich auch beim 0:1 gegen Arminia Bielefeld im Tor der Gelsenkirchener - wie sich später herausstellte, war die Partie gekauft. Bielefeld zahlte 2.300 DM pro Spieler an die Schalker Mannschaft. Auch Burdenski, der pikanterweise nach der Saison zu den Ostwestfalen wechselte, kassierte - und wurde 1973, als der Skandal juristisch aufgearbeitet wurde, für viereinhalb Monate gesperrt.

Zu dem Zeitpunkt war er bereits in Bremen unter Vertrag und stand erstmals am 19. Mai 1973 im Tor der Grün-Weißen. Bis zum 12. November 1977 folgten 155 Bundesligapartien am Stück. Von 1977 bis 1984 zählte er auch zum Kader der deutschen Nationalmannschaft, machte aber nur zwölf Länderspiele und nahm 1978 an der WM in Argentinien (ohne Einsatz) teil.

Meistertitel als Reservist

Dieter Burdenski (SV Werder Bremen) am 19.05.1979 im Spiel beim MSV Duisburg
Burdenski ging mit Werder 1980 in die Zweite Liga.

Aber auch an der Weser erlebte Burdenski Tiefpunkte seiner Karriere. In der Saison 1979/1980 kassierte er 93 Gegentreffer - so viele wie kein anderer Torwart der Bundesligageschichte innerhalb einer Spielzeit. Werder stieg in die Zweite Liga ab. Dort avancierte Burdenski jedoch zum großen Rückhalt: Die Hanseaten stiegen direkt wieder auf, Trainer Otto Rehhagel formte aus Werder ein Spitzenteam - mehrfach war die Meisterschaft zum Greifen nahe. Burdenski zeigte konstant gute Leistungen, bis er zu Saisonbeginn 1987/1988 aus dem Tor musste.

Rehhagel setzte auf den jungen Oliver Reck und verweigerte Burdenski am letzten Spieltag - Werder stand als Meister bereits fest - einen würdigen Abschied: "Einen Tag vor dem Spiel in Schalke stand in der Zeitung, dass ich spielen werde. In der Team-Besprechung sagte Otto dann, dass die Zeitung keine Mannschaft aufstellt, sondern nur er alleine. Damit war das Thema durch und ich saß 90 Minuten auf der Bank", schilderte der Torwart-Oldie seinen letzten Auftritt in der Bundesliga.

Rekordmann in Schweden

Drei Monate später fügte Burdenski seiner - eigentlich beendeten - Karriere noch ein weiteres Highlight zu: Der ehemalige Werder-Profi Sanny Aslund, der mittlerweile Trainer beim schwedischen Club AIK Solna war, überredete den 37-Jährigen zu einem Comeback. Burdenski hütete am 25. August 1988 gegen Hammarby IF das Tor und wurde so zum ältesten Erstligadebütanten in Schweden. 1990 - Burdenski war knapp 40 Jahre alt - lief er noch drei Mal in der niederländischen Eredevisie für Vitesse Arnheim auf. Danach war dann aber wirklich Schluss.

Dem Fußball blieb Burdenski weiter verbunden: Acht Jahre lang war er Torwarttrainer bei Werder, danach kümmerte er sich nur noch um seine Eventagentur, mit der er unter anderem Trainingslager und Turniere für Proficlubs organisierte. Zudem war er zwischen 2017 und 2018 Mehrheitseigner beim damaligen polnischen Erstligisten Korona Kielce.

Plötzlich und unerwartet mit 73 Jahren gestorben

Werder Bremens Rekordspieler Dieter Burdenski
Werders Rekordmann starb 2024, er wurde 73 Jahre alt.

Am 9. Oktober 2024 starb Dieter Burdenski überraschend in Bremen. Er war noch kurz zuvor beim Bremer Heimspiel im Weserstadion gegen den SC Freiburg vor Ort gewesen. Er wurde dort gemeinsam mit den Pokalsiegern von 1999, für die er als Torwarttrainer gearbeitet hatte, geehrt. Der SV Werder Bremen teilte mit, der Club sei "tief getroffen vom plötzlichen und unerwarteten Tod" Burdenskis. Der ehemalige Torwart wurde 73 Jahre alt.

Werder Bremens Trainer Otto Rehhagel präsentiert 1988 die Meisterschale.

Bereits am 31. Spieltag avancierten die Hanseaten zum zweiten Mal in der Vereinshistorie zum deutschen Meister.

Dieses Thema im Programm:

NDR.de | Die Torwart-Ikone Dieter Burdenski | 26.11.2025 10:00 Uhr

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