Der laute Leise: Schauspieler Benno Hoffmann aus Süderbrarup
Er war einer der großen Nebendarsteller des bundesdeutschen Films und Fernsehens der Nachkriegszeit: Benno Hoffmann. Seine rollendes R, sein imposante Erscheinung und sein Sinn für Humor machten den ausgebildeten Balletttänzer zu einem vielbeschäftigten Schaupieler.
Die Presse nannte ihn einst den "Poltergeist aus Süderbrarup", laut war er, seine physische Präsenz übertrug sich selbst übers Fernsehen in die bundesdeutschen Wohnzimmer. Er hatte keine Bange vor Klamauk.
"Lehrer schleppte uns ins Landestheater"
Benno Hoffmann wurde am 30. Mai 1919 unter dem Namen Bernhard Adolf Bodmann im kleinen Ort Süderbrarup (heute Kreis Schleswig-Flensburg) geboren. Unehelich: "Damals war das, wie mir der Pfarrer erzählt hat, eine Schande. Toleranz gab es damals überhaupt nicht, auch nicht in der Nachbarschaft, nicht in der Schule und schon gar nicht in der Kirche. Das waren natürlich Belastungen für eine Kinderseele", gibt Hoffmann 1988 in einem Gespräch mit dem NDR Einblicke in sein Inneres.
Klaus Jess hieß der Lehrer, der den selbsternannten Bengel ins Theater im nahen Schleswig brachte und so das Feuer entfachte, mit dem Benno Hoffmann seine Figuren zum Leben erweckte. Hoffmann erinnert sich so: "Wenn es den nicht gegeben hätte... In einer Dorfschule - Shakespeare! Wir konnten ja kaum ein Wort Hochdeutsch, aber perfekt Plattdeutsch. Und lasen in geteilten Rollen Shakespeare. Das war dieser Mann Klaus Jess. Und der schleppte uns ins Landestheater nach Schleswig."
Süderbrarup diente als seine Kraftquelle
In dem Gespräch mit dem NDR antwortete Hoffmann auf die Frage, woher denn seine Energie komme: "Aus dem Ursprung, aus Süderbrarup". Dort, in der ländlich geprägten Idylle, hatte er ein "Nest" bei seiner Oma, während die Mutter im fernen Flensburg zur Arbeit ging. Er sagte auch explizit "Oma, nicht Großmutter", um seine Verbundenheit mit ihr zu betonen. Spielgefährten von einst erinnerten sich an den Draufgänger, den rauflustigen Bengel, der immer schon gern vorangegangen war.
Holzbretter statt Stahl
Als die Mutter heiratete, zog Benno mit ihr und dem Stiefvater ins Ruhrgebiet nach Essen. 1934 war das und wie der Stiefvater sollte der Bengel auch beim Stahlproduzenten Krupp anfangen. Benno Hoffmann sollte Schlosser werden. Tatsächlich absolvierte er dort sogar ein längeres Praktikum. Doch seine Leidenschaft lag auf einem völlig anderen Gebiet. Und zu Bennos Glück wurde in Essen nicht nur Stahl gekocht. An der berühmten Folkwangschule der Künste absolvierte er eine Ausbildung zum Balletttänzer. Der Zweite Weltkrieg zwang ihn allerdings erst einmal zum Dienst in der Marine. Erst danach wurde er Solotänzer zunächst in Wuppertal und dann Erster Solotänzer am Theater am Gärtnerplatz. Mehr konnte ein Mann im bundesdeutschen Ballettbetrieb dieser Zeit kaum erreichen.
Spielen statt tanzen
Aber er wollte doch unbedingt Shakespeare spielen. Zu dem englischen Dramatiker hatte er seine eigene Liebe entwickelt, die bis zu seinem Ende blieb. Am Theater überzeugte das Kraftpaket mit seiner polterigen Art, spielte Schurken, Klamotten und bediente auch das ernste Fach. Singen konnte er auch und fand so seine große Rolle: den Müllkutscher Alfred P. Doolittle in dem Erfolgsmusical "My Fair Lady". Den spielte er über 1.000 Mal auf den Bühnen der Republik und war sich immer bewusst, dass hinter der saufseligen Oberflächlichkeit seiner beiden Gesangsszenen im Musical die ätzende Sozialkritik von "Pygmalion" stand - dem Theaterstück von Nobelpreisträger George Bernard Shaw, das als Vorlage des Musicals diente.
Film, Fernsehen, Hollywood
Es war fast etwas klischeehaft, wie er seinen Durchbruch vor der Kamera schaffte. Wie so viele Schauspielerinnen und Schauspieler waren es Krimis, erst Edgar-Wallace-Verfilmungen und dann kam 1965 das, was man damals einen Straßenfeger nannte: "Die Schlüssel" nach einer Vorlage von Francis Durbridge. In dem dreiteiligen Thriller spielte er den Killer Cliff Fletcher so überzeugend, dass Hollywood anklopfte. Dort setzte er sich aber nicht durch.
Wenn du nicht antwortest, knall ich dich über den Haufen. Benno Hoffmann in "Die Schlüssel"
Hoffmann, dessen kräftige Figur und kahler Kopf seine Markenzeichen waren, war bis in die 1990er-Jahre in vielen Rollen im deutschen Fernsehen zu sehen. So trat er zum Beispiel in der NDR Unterhaltungsshow "Haifischbar" (1962-1979) auf. In der Sendung ging es um Geschichten und Lieder mit maritimem Hintergrund. Die Folgen endeten meist mit einer Schlusspointe. Auch in "Polizeifunk ruft" (1966-1970) trat Hoffmann in einer Episodenrolle in Erscheinung.
Markante Stimme - rollendes R
Bekannt war Hoffmann auch für seine Stimme, vor allem für sein rollendes R. Daher arbeiterte er viele Jahre auch als Synchronsprecher. So lieh er zum Beispiel 1957 Boris Karloff ("Frankenstein") seine Stimme - genauso wie Clifton James als Sheriff J. W. Pepper in den beiden James-Bond-Filmen "Leben und sterben lassen" (1973) und "Der Mann mit dem goldenen Colt" (1974). In den Zeichentrickfilmen der "Werner"-Reihe sprach er den Polizisten Bruno.
Immer gut zu tun, immer wieder Süderbrarup
Die Oma im kleinen Süderbraup im hohen Norden besuchte er, solange sie lebte, immer wieder in dem kleinen Eckhaus an der Hauptstraße. Alle in dem kleinen Ort wussten, wenn er kam. In seinem grünen Mercedes-Benz-Cabrio sorgte er für Aufsehen. Er sei ein Original, ein Anführer gewesen, so erinnerten sich seine ehemaligen Spielkameraden im Jahr 1988.
Ein Vater der Klamotte
Aus der Werbefigur des Paul Patschke (auch Plaschke und Kleinschmidt) für die ARD-Glücksspirale entwickelte sich die Serie "Trautes Heim", ähnlich angelegt wie "Ein Herz und eines Seele" mit "Ekel Alfred" alias Heinz Schubert. Darin hatte Benno Hoffmann seine längste Hauptrolle. Sonst war er ja in sehr vielen Nebenrollen zu sehen. Das "Fernsehlexikon" schrieb 2005 so über die TV-Familie: "Die Patschkes sind so, wie sie heißen: ungeschickt und nervig. Vater Paul (Benno Hoffmann) ist ein Macho, Mutter Elfriede (Corinna Genest) geduldig, Tochter Suse (Stephie Kindermann) doof und Oma (Annemarie Marks-Rocke) anstrengend. Und nicht einmal Wellensittich Hansi hält die Klappe." Die Serie war kurzlebig, es gab 1990 lediglich fünf Folgen.
Die Werbefigur hingegen hielt sich über lange Jahre und wurde auch beim Lotto erfolgreich und beliebt.
Süden statt Süderbrarup
Leben, trotz aller Liebe zu seinem Süderbrarup, wollte er dann doch lieber im Süden. Benno Hoffmann, der zwei Söhne hatte, war in München und in Österreich zu Hause. Ab 1964 lebte mit seiner dritten Frau, der Schauspielerin Anna Smolik, zusammen. Gemeinsam waren sie in der Krimiserie "Die Schlüssel" aufgetreten.
Benno Hoffmann starb am 9. März 2005 nach langjähriger Krankheit in einem Pflegeheim in Vomp, seinem österreichischem Wohnort. Er wurde 85 Jahre alt.