Commerzbank: Schiffshandel-Finanzierung ist ihr Ursprung
Die Commerzbank ist eine Hamburger "Erfindung". Gegründet wurde sie, damit Kaufleute den Ausbau des Schiffshandels der Hansestadt finanzieren konnten. Die Entwicklung der Bank weist viele Höhen und Tiefen auf.
Hamburg Mitte des 19. Jahrhunderts: Der Schiffshandel mit anderen Ländern boomt. Um ihre Schiffsflotten und die Geschäfte weiter auszubauen, wächst unter den Hamburger Kaufleuten der Finanzierungsbedarf. Theodor Wille, ein Kaffeehändler, hat schließlich die Idee, eine eigene Bank zu gründen: die Commerz- und Discontobank. Schnell habe er für dieses Vorhaben damals mächtige Verbündete in der Hansestadt gefunden, erzählt der Leiter des Historischen Archivs der Commerzbank, Matthias Kemmerer. "Hamburg als Tor zu Welt, größter deutscher Überseehafen, bietet sich an für so eine Initiative - mit der Folge, dass wir mehrere Kaufleute aus führenden Hamburger Wirtschaftsschicht haben", erklärt Kemmerer. Die Idee lautet: "Wir brauchen eine Bank zur Finanzierung des deutschen Außenhandels."
Weltwirtschaftskrise trifft die Bank hart
An der Trostbrücke in der Altstadt soll die neue Bank ihren Sitz haben. Am 26. Februar 1870 ist es dann so weit: Die Commerz- und Discontobank wird offiziell gegründet. Zunächst floriert die neue Aktiengesellschaft, doch ab 1928 hält die Weltwirtschaftskrise in Deutschland Einzug. Auch die Commerzbank trifft sie hart. "Das war die schwerste Finanzkrise in Deutschland überhaupt - bis 2008", sagt Kemmerer. Die Commerzbank und andere Großbanken seien um 1931 in eine Schieflage geraten: notleidende Kredite, hoher Abschreibungsbedarf. "Letztlich wird dann auf Anordnung der Regierung des Deutschen Reiches eine Fusion durchgeführt. In der Folge ist der Staat zu 70 Prozent beteiligt am Aktienkapital der fusionierten Commerzbank."
NS-Zeit: Jüdische Mitarbeiter und Kunden erleiden Unrecht
1936 gelangen die Aktien zurück in Privatbesitz. Die Commerzbank steht wieder auf eigenen Füßen. Doch ein neues, dunkles Kapitel hat bereits begonnen: die Herrschaft des Nationalsozialismus. Bis 1938 müssen alle jüdischen Mitarbeiter die Bank verlassen. Auch die jüdischen Kunden in Hamburg und deutschlandweit erleiden großes Unrecht. "Die Forschung kommt zu dem Ergebnis, dass die Commerzbank als bereitwillige Mitläuferin tituliert werden kann. Wir sehen das am Beispiel des Umgangs mit jüdischen Mitarbeitern, Kolleginnen und Kollegen, die bis Ende der 30er-Jahre komplett aus der Bank verdrängt werden. Wir sehen es beim Vermögensentzug von politisch Verfolgten, von Jüdinnen und Juden, wo die Commerzbank gemeinsam mit den NS-Behörden und der Gestapo Konten, Depots konfisziert bzw. die Mittel an den Staat weiterleitetet."
Boom im Wirtschaftswunder
Nach dem Zweiten Weltkrieg liegt die Commerzbank am Boden. Sie verliert sämtliche Filialen in Ostdeutschland. In den Wirtschaftswunderjahren ab den 1950er-Jahren rappelt sie sich dann aber wieder auf. Auch in Hamburg boomt plötzlich das Geschäft mit Kleinkrediten für jedermann. Die Commerzbank verdient gut daran. Ihr Schwerpunkt aber hat sich längst in die aufblühende Bankenmetropole Frankfurt verschoben. Das Kreditgeschäft in Hamburg ist nur noch eines von vielen. Der hanseatische Geist aber bleibt erhalten. Den erläutert Experte Kemmerer so: "Der hanseatische Geist ist ganz ursächlich eigentlich für die Entwicklung der Commerzbank: ein gewisser Pragmatismus, eine gewisse Nüchternheit im Geschäftsalltag, keine großen Experimente, kein emotionaler Überschwang."
Längst ist die Bank ein internationaler Player. Heute erinnert nicht mehr viel daran, dass die Geschichte der Commerzbank einst in Hamburg begann: an der Trostbrücke in der Altstadt.