Video: Schüler erinnern an Bücherverbrennung 1933 durch die Nationalsozialisten (2025) (1 Min)

Bücherverbrennung 1933: Als die Nazis Gedanken in Flammen setzten

Stand: 10.05.2026 05:00 Uhr

Am 10. Mai 1933 beginnen die Nazis die Kampagne "Wider den undeutschen Geist". Tausende Bücher vor allem jüdischer Autoren, aber auch anderer politisch unliebsamer Schriftsteller, werden verboten und öffentlich verbrannt.

10. Mai 1933: In zahlreichen deutschen Universitätsstädten karren die Nationalsozialisten Tausende Bücher aus öffentlichen und privaten Bibliotheken zusammen und verbrennen sie auf öffentlichen Plätzen. Es sind Werke bekannter Autoren wie Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky oder Heinrich Mann, darunter viele jüdische Schriftsteller. Insgesamt sind Bücher von mehr als 300 Philosophen, Wissenschaftlern, Lyrikern, Romanciers und politischen Autoren betroffen - ein "Holocaust of Books", wie die US-amerikanische Illustrierte "Newsweek" damals schreibt.

Feuersprüche begleiten die Verbrennungen

Beteiligt an den Bücherverbrennungen am 10. Mai sind neben einfachen Bürgern vor allem Studenten, aber auch Rektoren und Professoren der Universitäten. Man versammelt sich am Berliner Opernplatz (dem heutigen Bebelplatz), am Wilhelmsplatz in Kiel, am Greifswalder Marktplatz, an der Bismarcksäule in Hannover und in weiteren Universitätsstädten. In Hamburg findet die Verbrennung wegen starken Regens erst am 15. Mai am Kaiser-Friedrich-Ufer statt. Bis in den Juni hinein dauern die Aktionen an, die von sogenannten Feuersprüchen begleitet werden, in denen nacheinander jeweils ein Rufer einzelne Autoren verunglimpft.

Sammelaktionen verfemter Bücher

Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels (1930er-Jahre)
Propagandaminister Goebbels ebnet den Weg für die Vernichtung "undeutscher" Literatur.

In Berlin ist am 10. Mai der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels selbst anwesend und erklärt das "Zeitalter eines überspitzten jüdischen Intellektualismus" für beendet. Der studierte Germanist Goebbels, der seine Doktorarbeit bei einem jüdischen Professor schrieb, gibt damit den Weg für die Vernichtung Hunderter "undeutscher" literarischer Werke frei. Weit mehr als 20.000 Bücher kommen allein in Berlin bei den Sammelaktionen zur Bücherverbrennung zusammen.

Mit Erich Kästner wagt sich auch einer der betroffenen Autoren an die Scheiterhaufen: "Ich stand vor der Universität eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. (...) Es war widerlich."

"Gleichschaltung" der Literatur

Heinrich Heine
Werke von Heinrich Heine werden von den Nazis ebenfalls verboten.

Die Bücherverbrennungen sind ein erster Triumph für die Politik der "Gleichschaltung" und Unterdrückung der freien Meinung. Zugleich sind sie Höhepunkt der Kampagne "Wider den undeutschen Geist" mit der die vom NS-Studentenbund dominierte Deutsche Studentenschaft ab März 1933 begann, jüdische und politisch missliebige Schriftsteller zu verfolgen - viele dieser Autoren prägen heute unser Bild von der Literatur der Weimarer Republik.

Heinrich Heine, dessen Schriften die Nationalsozialisten ebenfalls verbieten ließen, legte bereits 1820 seinem Protagonisten Hassan in dem Trauerspiel "Almansor" eine düstere Prophezeiung in den Mund: "Das war ein Vorspiel nur. Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." Diese Worte sollten sich in Deutschland wenige Jahre nach 1933 bewahrheiten.

Anlässlich der Berufung Hitlers zum Reichskanzler zieht am 30. Januar 1933 ein Fackelzug der "nationalen Verbände" SA, SS und Stahlhelm durch das Brandenburger Tor.

Mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler übernehmen die Nazis vor 90 Jahren im Deutschen Reich die Macht. Gleichschaltung soll den Widerstand brechen.

SA-Männer kleben ein Plakat mit der Aufschrift 'Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden' an die Schaufensterscheibe eines jüdischen Geschäfts.

1933 wird der Nationalsozialist Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Fortan setzt das NS-Regime seinen absoluten Führungsanspruch durch - mithilfe von Terror und Propaganda.

Davidstern an der Jüdischen Gedenkstätte, Konzentrationslager Dachau

Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit ermordet. Daran erinnert jedes Jahr am 27. Januar ein Gedenktag.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen/Nordmagazin | 10.05.2025 | 19:30 Uhr, Online-Beitrag zuerst veröffentlicht am 10.05.2025 | 20:20 Uhr

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