Tödliche Klassenreise: Flugzeugabsturz im Dezember 1986

Stand: 25.08.2025 05:00 Uhr

Am 12. Dezember 1986 stürzt in der Nähe von Berlin eine Aeroflot-Maschine ab. 72 Menschen kommen ums Leben, darunter 20 Schüler aus Schwerin. Sie waren auf dem Rückweg von einer Klassenfahrt nach Minsk.

Dieser Freitag im Dezember 1986 ist ein nebliger Tag. Dichte Wolken ziehen tief über den Südosten Berlins. Gegen 17 Uhr wird die Ruhe in einem kleinen Waldstück bei Bohnsdorf, in der Nähe des Flughafens Berlin Schönefeld, von einer donnernden Explosion durchbrochen. Soeben ist ein Flugzeug abgestürzt. Die Tupolew 134 der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot hatte zunächst die Baumwipfel gestreift. Nach dem Absturz geht sie sofort in Flammen auf. 72 der 82 Insassen finden bei einer der schwersten deutschen Flugzeugkatastrophen den Tod.

Nur sieben Schüler überleben

Unter den Opfern ist eine Schulklasse der Schweriner Ernst-Schneller-Oberschule, die heute Nils-Holgersson-Schule heißt. Sie waren auf dem Rückweg von einer Abschlussfahrt in die weißrussische Hauptstadt Minsk. Nur sieben Schüler überlebten. 20 Schüler, eine Lehrerin und zwei Betreuer starben.

Pilot verstand kein Englisch

Als Absturzursache gilt ein Pilotenfehler. Es hieß, der russische Pilot habe kein Englisch verstanden und die falsche Landebahn angesteuert. Aber es halten sich auch Gerüchte, wonach ein technischer Defekt den Absturz ausgelöst habe. Aus Rücksicht auf den "großen Bruder" Sowjetunion war nach der Katastrophe viel Geheimniskrämerei um die Unfallursache betrieben worden. Auch der teils unwürdige Umgang staatlicher Stellen mit den Familien der Opfer löste Unmut aus. So durften zur zentralen Trauerfeier nur handverlesene Gäste erscheinen. Die Eltern der überlebenden Jugendlichen durften erst daran teilnehmen, nachdem sie sich beschwert hatten.

Mehrere Exemplare des Buchs "Trauer unter Kontrolle".

20 Schüler starben bei dem Rückflug von ihrer Klassenfahrt. Matthias Baerens arbeitet dies in seinem Buch "Trauer unter Kontrolle" auf.

Wenn der Sohn nicht zurückkommt

Unter den Opfern war auch der 16 Jahre alte Torsten Kadzioch. Zum 30. Jahrestag des Unglücks sprach sein Vater Bernhard aus Schwerin mit dem NDR - und hat den Unglückstag damals noch klar vor Augen: Zusammen mit seiner Frau habe er sich am 12. Dezember, einem Freitag, auf zum Bahnhof gemacht, um seinen Sohn abzuholen. Der hätte eigentlich einige Stunden zuvor in Berlin landen sollen. Aber es war eine Zeit ohne Handys, ohne Internet. Eine Zeit, in der sich nicht jede Nachricht minutenschnell weltweit verbreitete.

"Wir sind zum Bahnhof gegangen und wollten den Jungen abholen. Als wir dann auf dem Bahnhof standen, war schon eine Lehrerin da. Als sie merkte, dass wir nun so völlig hilflos dastanden und suchten und mitkriegten, es passiert nichts, es kommt kein Torsten wieder, es kommt keiner wieder von den Jungs, da kam die Lehrerin auf uns zu. Sie sagte, das Flugzeug sei abgestürzt, die Kinder werden wohl nicht kommen." Die letzten Worten des Satzes spricht Bernhard Kadzioch ganz leise, fast lautlos.

Gedenktafel am Unglücksort

Auf dem Schweriner Waldfriedhof erinnert seit 2012 ein Gedenkstein an die Kinder und ihre Begleiter, die bei dem Absturz im Dezember 1986 starben. Eine zentrale Trauerstätte befindet sich in dem Waldstück bei Bohnsdorf. In den Jahren nach der Katastrophe hatte die Natur die Unglücksstelle nach und nach zurückerobert. Bis zum Aufstellen der Gedenktafel lieferte lediglich das unterschiedliche Alter der Kiefern einen dezenten Hinweis auf den Unglücksort.

Ein leerer Innenraum eines Flugzeuges, im Hintergrund eine Videoprojektion.

1986 stürzte eine sowjetische Maschine beim Landeanflug in Berlin-Schönefeld ab. Mit an Bord: eine Schulklasse aus Schwerin.

12. Dezember 1986: Das Flugzeugwrack der Tupolew 134 an der Absturzstelle in der Nähe des Flughafens Schönefeld (DDR).

Eine Aeroflot-Maschine war am 12. Dezember 1986 beim Landeanflug auf Berlin verunglückt. Bei der Katastrophe starben 72 Menschen, darunter 23 aus Schwerin. (12.12.2021)

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Unsere Geschichte | 25.08.2025 | 22:50 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

DDR

Die 80er-Jahre

Das Kreuzfahrtschiff TS "Maxim Gorki" vor der Küste Mykonos, aufgenommen im Mai 1999.

1968 läuft das erste große Passagierschiff nach dem Krieg vom Stapel: die "Hamburg". Als "Maxim Gorkiy" geht sie in die Geschichte ein.

Planten un Blomen während der Niederdeutschen Gartenschau 1935

1935 als "Planten un Blomen" im Zentrum der Hansestadt angelegt, wurde der Park allein bis 1973 drei Mal umgestaltet. Eine NDR Doku beleuchtet seine Geschichte.

Programmhefte, Opern-Partituren und ein Foto des Komponisten Engelbert Humperdinck liegen auf dem Tisch.

Mit seiner Märchenoper "Hänsel und Gretel" gelang ihm der große Wurf. Am 27. September 1921 starb der Spätromantiker in Neustrelitz.

Schiffswrack im Watt vor der Insel Amrum

Im 19. Jahrhundert strandete ein Schiff vor der Insel Amrum. Seine Überreste liegen noch heute im Watt. Ein Historiker hat seine Geschichte recherchiert.