Klaus Volkert, der ehemalige Vorsitzender des VW-Gesamtbetriebsrats, aufgenommen in der Zentrale der Volkswagen AG in Wolfsburg

2005: VW-Affäre um Luxusreisen und Prostituierte

Stand: 30.06.2025 05:00 Uhr

Am 30. Juni 2005 tritt der langjährige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert wegen der Affäre um Schmiergelder, Sonderzahlungen und Sexpartys überraschend zurück. 2008 wird er zu einer Haftstrafe verurteilt.

Luxusreisen von Betriebsräten und auf VW-Rechnung bestellte Prostituierte - die VW-Affäre rüttelt den Wolfsburger Konzern kräftig auf - und erschüttert die Republik. Am 30. Juni 2005 tritt Betriebsratschef Klaus Volkert wegen Korruptionsvorwürfen auf einer Betriebsversammlung zurück. Die Affäre hat auch juristisch ein Nachspiel: Am 22. Februar 2008 verurteilt das Braunschweiger Landgericht Volkert wegen Beihilfe und Anstiftung zu Untreue und Betriebsratsbegünstigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Anfang September 2011 wird er vorzeitig aus der Haft entlassen.

Auch Hartz und Gebauer in VW-Skandal verwickelt

Der Volkswagen-Personalvorstand Peter Hartz (l) und der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Volkert (r) unterhalten sich in Hannover.
Peter Hartz (links) sitzt 2006 wegen dem Vorwurf der Untreue als erstes auf der Anklagebank. Das Foto zeigt ihn mit Klaus Volkert.

In die Affäre um Betriebsratssausen mit Prostituierten auf VW-Kosten ist damals nicht nur der damalige VW-Konzernbetriebsratschef Volkert verwickelt. Er wird von Ex-Personalchef Peter Hartz und VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer mit teuren Gefälligkeiten bei Laune gehalten. Im Zuge des Skandals ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts der Untreue sowohl gegen Hartz als auch Gebauer. Letzterer wird im Prozess um die Korruptionsaffäre im Februar 2008 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Hartz erhält am 25. Januar 2007 eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 576.000 Euro

VW-Betriebsrat Osterloh schweigt zur Affäre

Welche konkreten Konsequenzen der Betriebsrat um den mächtigen Vorsitzenden und Volkert-Nachfolger Bernd Osterloh aus der VW-Korruptions-Affäre gezogen hat, ist unklar. Auf mehrfache NDR Anfrage will sich der Betriebsrat damals nicht zum Thema äußern.

Wolken über dem VW-Symbol

Der Skandal um Schmiergelder und Lustreisen ist 2005 ins Rollen gekommen. Juristisch ist die Affäre aufgearbeitet. Eine Übersicht der Ereignisse.

505 Hinweise auf Korruption in einem Jahr

Inzwischen soll ein internes Meldesystem die damalige Selbstbedienungsmentalität verhindern. Seit 2006 können sich Tippgeber vertraulich und anonym an zwei externe Ombudsmänner wenden. Allein im Jahr 2014 gehen bei den Ombudsmännern und bei der Konzernrevision von Volkswagen 505 Hinweise auf Korruption und andere schwere Unregelmäßigkeiten ein. 72 Mitarbeiter des Autokonzerns erhalten in der Folge ihre Kündigung. Außerdem werden weltweit Verträge mit 16 Geschäftspartnern beendet. Über die Einhaltung der sogenannten Compliance-Regeln wird nach Angaben von Volkswagen streng gewacht. So werden zum Beispiel Reisekosten mehrfach geprüft.

Dass sich Vorfälle wie 2005 wiederholen, ist aus Sicht des Konzerns ausgeschlossen. Sollte es trotz aller Vorkehrungen zu kriminellen Aktionen wie beispielsweise betrügerischen Abrechnungen kommen, gehe Volkswagen mit aller Härte dagegen vor, teilte das Unternehmen auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen und NDR Info mit.

Die IG-Metall-Vorstandsvorsitzende Jügen Peters sortiert zu Beginn der Vorstandsitzung am 12. Dezember 2005 in der Gewerkschaftszentrale in Frankfurt seine Papiere.

Gewerkschaftsboss Jürgen Peters war bester Laune. Gerade war der Wirtschaftsprüfbericht zur "VW-Rotlicht-Affäre" vorgestellt worden. (17.11.2005)

Adolf Hitler am Rednerpult während eines Festaktes des Volkswagenwerks bei Fallersleben.

Am 26. Mai 1938 legten die Nazis den Grundstein für das VW-Werk. Doch statt Autos fürs Volk wurden Rüstungsgüter produziert.

VW-Mitarbeitende nehmen am 17. April 1968 von dem in der Versuchshalle für technische Entwicklung aufgebahrten Heinrich Nordhoff Abschied.

Aufgebahrt inmitten Zehntausender: Hier findet 1968 nicht etwa ein Staatsakt statt. Im VW-Werk hat sich eine Trauergemeinde versammelt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.06.2015 | 06:00 Uhr

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