Im Einsatz gegen Seuchen: Der Hafenärztliche Dienst

Stand: 22.12.2019 20:48 Uhr
Ein Schiff auf dem einige Männer stehen, darunter der Hafenarzt
Hier kommt der Hafenarzt: Erst nach einer ausführlichen Untersuchung durften die Seemänner ihr Schiff verlassen.

Jedes Jahr kommen rund 250.000 Seeleute in den Hamburger Hafen. Um deren Gesundheit und auch um die Einhaltung von Hygienevorschriften an Bord der Schiffe kümmert sich seit über hundert Jahren der Hafenärztliche Dienst. Schon um die Jahrhundertwende verhinderte der Hafenärztliche Dienst das Einschleppen von Seuchen. Mit einer Barkasse wurde der Hafenarzt einst zu den Schiffen gebracht. Etwa hundert Jahre später gelangte der Hafenarzt dann über die Pier an Bord.

Seuchen-Kontrolle: ja oder nein?

Als Mitte der 1990er-Jahre in Indien die Pest ausbrach und das erste Schiff von dort in Hamburg festmachte, stand die Hygiene auf dem Prüfstand. "Der Rattensuchdienst entspricht salopp gesprochen dem Kammerjäger an Land, nur sind natürlich hier die Schädlingsbedingungen anders", sagte der damalige Hafenarzt Wolfgang Schaarschmidt 1994 dem NDR. "Die Schlupfwinkel, gerade die der Ratten, sind hier spezifisch vom Land unterschieden, das kennen die Leute."

Video: Hamburg damals: Hafenärztlicher Dienst (4 Min)

Jedes Schiff muss dem Hafenärztlichen Dienst - damals wie heute - eine Seegesundheitserklärung übermitteln. Die Fachleute entscheiden daraufhin, ob sofort eine Seuchen-Kontrolle notwendig ist oder etwa eine Infektionsgefahr besteht. 1996 war Professor Heinz Ebert der leitende Hafenarzt. "Wir arbeiten in dem Hafenärztlichen Dienst mit drei Ärzten und acht Inspektoren zusammen, wobei die Ärzte vorwiegend die ärztlichen Aufgaben wie Impfungen, medizinische Ausrüstung, Auswertung der Behandlungen an Bord und die funkärztliche Beratung übernehmen", sagte Ebert. "Die Inspektoren überprüfen den gesamten hygienischen Zustand des Schiffes - also von der Verproviantierung bis zur Kombüse und zur Versorgung."

2014: Ebola belastet den Handelsverkehr

Historisches Bild aus dem Berhard-Nocht-Institut
Der Schutz vor Infektionen steht im Vordergrund: Historische Aufnahme aus dem Berhard-Nocht-Institut.

Die Gefahr durch Ebola belastete 2014 den Handelsverkehr mit West-Afrika, wo die Seuche ausgebrochen war. "Diese Schiffe haben wir alle begangen, egal wann sie gekommen sind - und zwar immer im Hamburger Hafen", sagte Martin Dirksen Fischer, der heutige Leiter des Hafenärztlichen Dienstes. "Zuerst waren die Lotsen drauf, aber dann im Hamburger Hafen waren wir die ersten und haben uns das Schiff angeguckt, mit dem Kapitän geredet und das war schon eine Zeit, die uns gefordert hat." Am Ende gab es keinen Ebola-Fall an Bord.

Schutz der Bevölkerung steht im Vordergrund

1892 wütete die Cholera in Hamburg. Fast 9.000 Menschen kamen ums Leben. Der Mikrobiologe Robert Koch kämpfte gegen die Seuche und sorgte für einen Hafenarzt. "Und dann ist einer seiner begabtesten Schüler, Bernhard Nocht, als erster Hafenarzt hier in Hamburg in Amt und Würden gekommen", sagte Dirksen Fischer. "Für uns alle, die wir hier arbeiten, ist es eine Verpflichtung, diese Gedanken der ersten Stunde, also, dass man den Schutz vor Infektionen und den Schutz und die Betreuung von Seeleuten, aber auch der Bevölkerung an Land, in den Vordergrund stellt. Das ist eine Tradition: Die finden wir gut."

Gas gegen Ungeziefer

Ein historisches Schild vor einem Schiff auf dem steht, dass man das Schiff wegen eines Blausäuregases nicht betreten darf.
Ungeziefer wurden oft mit Gas getötet. Dann mussten alle Menschem vom Schiff und durften erst wieder an Bord, wenn der Hafenarzt das Schiff wieder freigegeben hatte.

Die Barkasse, die den Hafenarzt von 1929 bis in die 1980er-Jahre zu den Schiffen fuhr, liegt heute im Oevelgönner Museumshafen. "Wie umständlich das auch war", sagt Marco Schütte vom Verein Hafendockter. "In den 30er- und 40er-Jahren war das ja nicht so einfach wie heute. Erst mal waren viel, viel mehr Leute an Bord - solche Schiffe sind zum Teil mit 40 oder 50 Mann Besatzung gefahren. Und der Hafenarzt hat natürlich auch mit wesentlich mehr Schiffen zu tun gehabt. Heute ist die Anzahl der Schiffe wesentlich geringer. Dann wurden früher auch Ladungsräume begast, gegen Ungeziefer. Das Gas war toxisch und da musste ein Amtsarzt eben auch bestätigen, dass der Laderaum wieder beschritten werden darf."

Neue Techniken

Heute laufen jährlich 8.000 Seeschiffe den Hafen an. "Die technischen Anforderungen an uns und unsere Mitarbeiter erhöhen sich, weil natürlich heute Techniken eingesetzt werden, wie im Bereich der Wassaufbereitung oder im Bereich der Lebensmittelhygiene, die es früher so nicht gegeben hat", sagt Dirksen Fischer. Impfschutz an Bord - früher wie heute, um etwa eine neue Grippe-Welle zu verhindern. Die Hafenärzte - einfach unersetzlich.

Schriftzug "Hamburg damals" auf einer schwarz-weiß Luftaufnahme vom Jungfernstieg.

Jeden Sonntag blickt das Hamburg Journal in die Vergangenheit. Viel Spaß beim Eintauchen in vergangene Zeiten!

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Hamburg Journal | 22.12.2019 | 19:30 Uhr

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