Metabolisches Syndrom: Symptome, Therapie und Lebenserwartung
Das metabolische Syndrom kann die Lebenserwartung stark beeinträchtigen. Wer Symptome früh erkennt und die richtige Therapie beginnt, mindert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Rund jeder dritte Mensch ist in Deutschland vom metabolischen Syndrom betroffen. Obwohl es große gesundheitliche Gefahren birgt, ist das Krankheitsbild der Allgemeinheit kaum bekannt.
Definition: Was ist das metabolische Syndrom?
Das metabolische Syndrom wird auch als "tödliches Quartett" bezeichnet. Gemeint ist damit das gleichzeitige Auftreten mehrerer Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu zählen starkes Bauchfett, höhere Blutzuckerwerte, erhöhte Blutfettwerte sowie Bluthochdruck. Jeder dieser Faktoren an sich erhöht bereits das Risiko für Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose. Treten sie gemeinsam auf, steigt die Gefahr für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes Typ 2 deutlich an.
Symptome: Bauchfett, Müdigkeit, Durst und Herzrasen
Typisch für das metabolische Syndrom ist eine ausgeprägte Fettansammlung im Bauchbereich (abdominelle Adipositas). Lange Zeit verursacht das metabolische Syndrom jedoch kaum Beschwerden - erst im Verlauf können sich Symptome zeigen, wie:
- Müdigkeit und allgemeine Schwäche
- starkes Durstgefühl (Hinweis auf gestörten Zuckerstoffwechsel)
- Herzrasen oder Durchblutungsstörungen, zum Beispiel in den Beinen
Oft bleiben die Veränderungen lange unbemerkt, bis bereits Folgeschäden an Gefäßen oder Organen entstanden sind.
Ursachen: Vor allem ungesunder Lebensstil
Das metabolische Syndrom gilt als typische Wohlstandserkrankung - verursacht durch einen ungesunden Lebensstil. Wichtige Faktoren sind:
- kalorienreiche Ernährung und Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Störungen im Zucker- und Fettstoffwechsel
Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Insulinresistenz. Die Körperzellen reagieren schlechter auf Insulin, sodass der Blutzuckerspiegel nicht mehr sinken kann und erhöht bleibt. Gleichzeitig steigen die Blutfettwerte und häufig auch der Blutdruck, denn das Insulin bewirkt, dass sich Wasser und Natrium (Kochsalz) in den Nieren ansammeln. Das stört den Flüssigkeitshaushalt im Gefäßsystem.
Langfristig können sich Ablagerungen (Plaques) in den Blutgefäßen bilden. Diese verengen die Gefäße und verschlechtern die Durchblutung lebenswichtiger Organe wie Herz, Gehirn oder Nieren.
Lebenserwartung bereits durch kleine Veränderungen steigern
Unbehandelt kann das metabolische Syndrom die Lebenserwartung deutlich verkürzen. Das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erheblich erhöht. Entscheidend ist jedoch, dass sich der Verlauf positiv beeinflussen lässt. Wer frühzeitig gegensteuert, kann das Risiko deutlich senken. Wichtige Maßnahmen sind:
- Gewichtsreduktion
- gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn, gesunden Fetten (Olivenöl, Nüsse, Fisch), wenig Zucker, Weißmehl und stark verarbeitete Lebensmittel, wenig Softdrinks und Alkohol, ausreichend Eiweiß und Ballaststoffe
- regelmäßige Bewegung (mindestens 30 Minuten täglich)
Schon kleine Veränderungen im Alltag - etwa Stressreduktion durch mehr Bewegung, ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung - können langfristig einen großen Unterschied machen und die Prognose deutlich verbessern.
Metabolisches Syndrom erkennen: Diese Werte sichern die Diagnose
Zur Diagnosefindung werden in der ärztlichen Praxis Gewicht, Taillenumfang und Blutdruck gemessen und Blut abgenommen. Nach der aktuell von den meisten Expertinnen und Experten benutzten Definition liegt ein metabolisches Syndrom vor, wenn mindestens drei der folgenden Risikofaktoren festgestellt werden:
- Übergewicht: ein BMI von 25 oder mehr
- Taillenumfang: bei Frauen über 88 Zentimeter und bei Männern über 104 Zentimeter
- Erhöhter Nüchternblutzucker: Als oberste Grenze gelten 100 mg/dl. Eine Diabetes-Erkrankung kann schon vorliegen, muss aber nicht. Falls der Nüchternblutzucker noch in Ordnung ist, könnte ein Zuckerbelastungstest Hinweise auf eine beginnende Insulinresistenz geben
- Erhöhte Triglyceride (Blutfettwerte): im Nüchternzustand mehr als 150 mg/dl sowie niedriges HDL-Cholesterin unter 50 mg/dl
- Blutdruck: über 130/85 mmHg, ermittelt in mehreren Messungen oder einer Langzeitblutdruckmessung - nicht als Momentaufnahme bei einem einzelnen Besuch in der Arztpraxis
Herz-Echo, EKG, Ultraschall und Blutuntersuchung zur Risikoabschätzung
Wird das metabolische Syndrom diagnostiziert, stehen weitere Untersuchungen an, um Folgeerkrankungen zu ermitteln. Dazu gehören insbesondere ein Herz-Ultraschall (Echokardiografie), EKG und Belastungs-EKG. Ultraschall und Blutuntersuchung (Kreatininwert, Elektrolyte) geben auch Aufschluss über den Zustand der Nieren.
Als Risiko- und Prognosemarker bei atherosklerotischen Gefäßerkrankungen gilt der Blutplasmaspiegel von TMAO (Trimethylamin-N-Oxid). Es entsteht aus tierischem Eiweiß. Bei von peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) Betroffenen wurde ein Zusammenhang zwischen TMAO-Spiegel und Sterberisiko beobachtet.