#Hyggepost aus Dänemark: Darum leben Dänen leichter
Unsere Kolumnistin Simone Mischke lebt in Dänemark, schreibt über ihren Alltag und was sie dabei beobachtet. Dieses Mal geht es um die Lebensphilosophie der Menschen, die vieles leichter macht.
Kürzlich hatte ich wieder ein kleines Schlüsselerlebnis. Das passiert mir auch nach nunmehr fünf Jahren in Dänemark immer wieder. Ich öffnete die Tür zu einer Schlachterei, um eine Wurst zu kaufen. Sønderjyske Spegepølse, um genau zu sein - eine intensiv geräucherte Salami nach alten Rezepten. Da stand ich nun alleine im Laden und wartete darauf, bedient zu werden. Offenbar hatten die Mitarbeiter nicht mitbekommen, dass jemand vorne im Laden stand.
Fröhlich, freundlich, zugewandt
Dann kam eine der Verkäuferinnen, ein fröhliches Lächeln auf den Lippen, und entschuldigte sich erst einmal wortreich, dass sie mich nicht gleich gesehen hatte. "Was darf es denn Schönes sein für Dich?" Was soll ich sagen - das ist schon eine andere Ansprache als das freudlos gemurmelte "Moin", gefolgt von einem kargen "Biddä?!" auf der südlichen Seite der Grenze. Ich weiß, es gibt auch andere Beispiele. Aber ich schreibe ja hier über meine Beobachtungen im Alltag - die ja dann sind, wie sie sind.
Ich bekomme also meine überteuerte Wurst, gefolgt von einem freundlichen "Darf es sonst noch was sein für Dich?", bezahle und verlasse den Laden, gefolgt von einem Gedanken: Wie kommt es, dass gerade in den Dienstleistungsberufen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so viel freundlicher sind als in Deutschland? An einem deutlich höheren Verdienst dürfte es kaum liegen.
Jante-Prinzip: Du bist nicht besser als die anderen
Vielleicht ist es einfach das sogenannte Jante-Prinzip, nach dem die Dänen und auch die Schweden leben. Vereinfacht gesagt geht es darum, dass der Fensterputzer nicht weniger wert ist als die Managerin, dass keiner besser, schlauer oder wichtiger ist als der andere. Natürlich kann man die kritische Frage stellen, wo man da als Individuum bleibt, wo all jene bleiben mit ihrem besonderen IQ oder ihren Ausnahmetalenten. Aber offenbar wissen die meisten hier, dass sie da, wo sie sind, ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten: ob an der Fleischtheke, beim Friseur, beim Bäcker oder im Büro, das spielt keine Rolle. Und wenn man das weiß, kann man auch freundlich, selbstbewusst lächelnd und mit mehr Leichtigkeit durch den Arbeitsalltag gehen.
Vertrauen ist die Basis
Ja, die Dänen glauben prinzipiell an das Gute im Menschen. Dass dieses Vertrauen an den Grenzübergängen halt macht - hey... Aber das ist ein anderes Thema. Es gibt beispielsweise mehr Vertrauen in die Mitarbeiter - was natürlich im Umkehrschluss auch mehr (Eigen)Verantwortung bedeutet. In der Schule müssen die Handys abgegeben werden? Die Lehrkräfte vertrauen darauf, dass die Schüler das machen. Ausreißer gibt es immer, aber das Grundprinzip funktioniert. Bei vielen Dänen ist die Haustür nicht abgeschlossen.
Und man kann in der Regel auch drauf vertrauen, dass man Hilfe bekommt, wenn man sie braucht: Sei es, dass mein Nachbar - der Mann namens Ove - seine Leiter zur Verfügung stellt oder, noch viel wichtiger, all seine Erklärungen, die mir helfen, Dänemark besser zu verstehen. Und natürlich bietet man umgekehrt ebenfalls Hilfe bei allem Möglichen an: vom Garten wässern über Briefkasten leeren bis hin zur Hunderunde. Und falls mal irgendwas schief geht oder man auch nur befürchtet, dass es das könnte, greift folgende dänische Weisheit:
Det skal nok gå
Ein Satz, den ich hier sehr, sehr oft höre. Det skal nok gå, Umgangssprachlich: wird schon. Ein Satz, der kurz und knapp, aber wunderbar den Optimismus der Dänen beschreibt. Du hast etwas vergeigt, Angst vor einer Prüfung, ein schwieriges Gespräch vor Dir? Det skal nok gå. Ich weiß nicht, ob dieser Satz auch angesichts der Lage in der Welt hilft. Doch diesen Satz als Begleiter im Alltag zu übernehmen, kann nicht schaden. Und wenn dann am Montagmorgen der Kaffee kalt, der Bus zu spät und die Kollegen schlecht drauf sind, denkt dran: Det skal nok gå.
Diese Folge der Kolumne #Hyggepost wurde erstmalig am 25. Oktober 2025 veröffentlicht.