#Hyggepost aus Dänemark: Drei magische Orte in Nordschleswig
Unsere Kolumnistin Simone Mischke lebt in Dänemark. In ihrer Kolumne #Hyggepost schreibt sie über das, was sie im Alltag erlebt und beobachtet. Dieses Mal über Orte, die für sie ein besonderes Flair haben.
Wenn ihr das hier lest, ist das neue Jahr noch jung - daher erst mal "Godt Nytår", wie wir hier in Dänemark sagen. Und vielleicht habt ihr euch ja für das neue Jahr vorgenommen, Orte in Nordschleswig zu besuchen, die ihr bisher noch nicht kanntet. Hier kommt eine Auswahl meiner Tipps: Orte, mit denen ich besondere Erlebnisse verbinde und die mich immer wieder magisch anziehen.
Königlicher Küchengarten am Schloss Gravenstein
Weil das Gute ja oft nicht weiter als einen Katzensprung entfernt ist, beginne ich vor der eigenen Haustür. Der eine oder andere weiß vielleicht schon, dass wir königliche Nachbarn haben: Schloss Gravenstein samt Schlossgarten und königlichem Küchengarten - kongelige Kokkenhave - ist quasi nur einen Steinwurf von unserem Haus entfernt. Das Besondere: Wenn die königliche Familie nicht da ist, sind sowohl der Schlossgarten als auch der königliche Küchengarten für alle frei zugänglich. In dem Nutzgarten wird Obst und Gemüse angebaut - und "den Königlichen" aufgetischt, wenn sie ihren Sommerurlaub im Schloss verbringen.
Ich kann mich gut erinnern, mit welcher Begeisterung ich das erste Mal durch die Wege im Küchengarten gelaufen bin - Gartenfans dürfte hier das Herz aufgehen. Beete mit duftenden Kräutern und Blumen, selbst gebaute Rankhilfen für Erbsen und Gurken, verschiedene Obstbäume. Man möchte am liebsten sofort Zuhause genau so einen Garten nachbauen. Dazu passt, dass man im Küchengarten unter anderem Pflanzen, Bäume und Gartenaccessoires für Zuhause kaufen kann. So ziert unseren Garten seit dem ersten Besuch ein Gravensteiner Apfelbaum, der uns jedes Jahr köstlich schmeckende und duftende Äpfel beschert. Und eine königliche Gießkanne haben wir auch. Dass sie längst Löcher im Boden hat - eine andere Geschichte.
Das Bootshaus von Siegfried Lenz
Wer sich in dieser verrückten Welt nach einem ruhigen Ort sehnt, an dem die Gedanken kommen und gehen dürfen, ohne dass jemand stört: Willkommen auf dem Gendarmenpfad am früheren Bootshaus des großen Schriftstellers Siegfried Lenz. Dessen Roman "Deutschstunde" entstand in Nordschleswig, in dem Ort Lebøl Løkke auf Sydals. Als wir dort eine Folge grænzenlos drehten, erzählte Lenz' Nachbarin, mit über 90 Jahren immer noch fit, wie der Schriftsteller mehrere Stunden schrieb und sich dann am Nachmittag in sein nur wenige hundert Meter entferntes Bootshaus zurückzog.
Das hat er seiner Nachbarin vermacht. Und auf dem klapprigen Bänkchen vor dem Bootshaus darf sich jeder ausruhen und seinen Gedanken nachhängen, der gerade vorbeikommt. Dazu muss man das unscheinbare Häuschen etwas abseits vom Wegesrand aber erst einmal als solches wahrnehmen - was für mich den zusätzlichen Reiz ausmacht. Hier für eine Weile sitzen, den kleinen Wellen zu lauschen, die träge ans Ufer schwappen und den Seevögeln zuhören - und dann mit neuer Energie zurück in die Welt da draußen.
Glasbläser in Höruphav
Ist man schon einmal auf dem Gendarmenpfad, kann man gut auch gleich dableiben und zum Beispiel immer am Wasser entlang nach Höruphav wandern. Dort erwartet einen nicht nur ein malerischer Yachthafen: Hier liegt auch das Zuhause der ältesten Glasbläser in Nordeuropa - naja, wahrscheinlich der ältesten Glasbläser der Welt. Warum ich diesen Ort so besonders finde: Gerade war ich für einen weiteren grænzenlos-Dreh dort und durfte erleben, mit welcher Freude und Leidenschaft John und Ulrika Poulsen ihre Vasen, Schalen, Gläser und Figuren herstellen.
Zudem haben die beiden ein Verfahren entwickelt, wie man Steine zum Beispiel den Boden einer Glasschale einarbeitet. Das ist so besonders, dass einmal sogar die damalige dänische Königin Margrethe II mit ihrem Mann die Glasbläserei besuchte und sich von Ulrika und John das Produktionsverfahren erklären ließ.
Was der Lieblingsort meines Nachbarn ist - dem Mann namens Ove? Das hätte ich auch gerne gewusst. Vielleicht ist er das nächste Mal Zuhause, wenn ich an seine Tür klopfe.