Autos fahren am deutsch-dänischen Grenzübergang in Richtung Norden.

#Hyggepost aus Dänemark: Entschleunigen? Auf der Straße staatlich verordnet

Stand: 28.09.2024 18:13 Uhr

Unsere Kolumnistin Simone Mischke lebt in Dänemark. In ihrer Kolumne "Hyggepost aus Dänemark" schreibt sie über ihren Alltag. Diese Woche darüber, wie Tempolimits nicht nur auf der Straße ein ganzes Land und seine Besucherinnen und Besucher entschleunigen können.

von Simone Mischke

Kennt ihr das auch? Kaum habt ihr die Grenze nach Dänemark überwunden, zieht die Landschaft auf dem Weg ins hyggelige Sommerhaus gefühlt langsamer an euch vorbei. Hach, in Dänemark ticken die Uhren langsamer, seufzt ihr erleichert. Ich freue mich ja darüber, dass mein neues Heimatland offenbar diesen Effekt hat. An langsamer tickenden Uhren dürfte der allerdings nicht festzumachen sein. Vielmehr an der staatlich verordneten Entschleunigung.

50, 80, 130 ist die Glücksformel

Sicher sind euch auch schon mal die großen Schilder bei einigen Grenzübergängen aufgefallen. 50, 80, 130 ist da zu lesen. Das sind die jeweiligen Tempolimits: So schnell, beziehungsweise langsam, dürft ihr jeweils in Orten, auf Landstraßen oder auf Autobahnen fahren. Ausnahmen bestätigen die Regel. Mal wird man auf 70 km/h runtergebremst, mal auf 40 km/h. Und wer mit 80 durch die Landschaft cruist, auf den wirkt auch die wunderbare skandinavische Natur ganz anders. In Dänemark sind diese Schilder weit mehr als eine freundliche Empfehlung. Wer sie ignoriert, wird viel Geld los - und landet unter Umständen sogar hinter schwedischen Gardinen.

Tempo-Pause für die Protz-Boliden (und alle anderen)

Ja, das ist vermutlich eine nicht ganz so gute Nachricht für alle Liebhaberinnen (und Liebhaber) der PS-starken Protz-SUVs, die gern mal allen zeigen wollen, wie laut der teuer finanzierte 8-Zylinder-Motor brüllt und was der geschwindigkeitstechnisch so drauf hat (nein, ich bin nicht neidisch!). Aber auch die Dänen lassen gerne mal den Akku ihres (noch) staatlich geförderten E-Autos glühen - vermutlich die mit einem Radarwarner im Auto. Doch es gibt gute Gründe nicht nur im Urlaub in Dänemark den rechten Fuß zu entspannen: Sich selbst und andere nicht zu gefährden an erster Stelle. Außerdem wird es für Raser schon bei vergleichsweise geringen Temposünden teuer. Wer so richtig aufs Gaspedal drückt, ist im Zweifel sogar das Auto los.

200 Euro und mehr für Temposünder

Ich erinnere mich gut an meinen ersten (und bislang einzigen) Strafzettel, den ich für zu schnelles Fahren kassiert habe: Knapp 200 Euro für ca. 20 km/h über dem Tempolimit. Puh! Für das Geld kann man viele Hotdogs essen. Seitdem kostet es mich sehr viel Konzentration, den Tacho im Auge zu behalten. Gleichwohl ist das langsame Fahren deutlich entspannter, als mit zusammen gekniffenen Augenbrauen über Landstraßen und Autobahnen zu hetzen - und deutlich günstiger fürs Portemonnaie. Ab 50 km/h zuviel werden ab 500 Euro fällig. Überschreitet man das Tempolimit um 100 km/h oder mehr, kann die dänische Polizei sogar das Auto beschlagnahmen - und der Fahrer landet unter Umständen für 20 Tage im Knast.

Wer entschleunigt, hat mehr vom Leben - und im Portemonnaie

Und das beschlagnahmte Gefährt, das wird öffentlich versteigert. Das Geld kassiert der dänische Staat, erklärt mir mein Nachbar - ein Mann namens Ove. Sein dunkelmetallicblauer E-SUV deutschen Fabrikats glänzt in der Morgensonne. "Warum hast du eigentlich so ein schnelles Auto? In Dänemark darfst du ja nie richtig Gas geben", frage ich ihn. "Aber wir machen ja auch Urlaub!", erklärt Ove. Besonders gern fährt er über deutsche Autobahnen. "Aber nicht schneller als 150 km/h", sagt er und lacht.

Wer also in Dänemark die staatliche Aufforderung zur Entschleunigung annimmt, hat mehr vom Leben: mehr Geld sowieso, aber auch das schöne Gefühl, dass in Dänemark die Uhren langsamer ticken.

Simone Mischke und Anders Køpke Christensen sitzen vor einer Hütte.

Es gibt Orte in Süddänemark, die etwas mit einem machen, wenn man sie besucht: ein Ausflug durch Nordschleswig.

Eine junge Frau mit Sonnenbrille.

Die Dänen sind entspannt - eigentlich. Denn auch in Dänemark gibt es Fettnäpfchen, die man lieber umgehen sollte.

Münzen und Scheine der Währung Dänische Kronen.

Die Dänen sollen künftig wieder Bargeld im Haus haben, empfiehlt die Dänische Nationalbank. Der Grund ist einleuchtend.

Menschen sitzen um einen Tisch mit Weihnachtsessen.

Die Vorweihnachtszeit hat in Dänemark längst begonnen - und mit ihr ein besonderes Phänomen.

Eine Frau pustet eine Pusteblume Richtung Betrachter

Eine gewisse Leichtigkeit zu leben, verbindet man wohl eher mit Frankreich oder Italien. Zu unrecht, findet unsere Kolumnistin.

Eine Scheibe wird geputzt

Wer in Dänemark lebt, muss sich auf etliche Besonderheiten einstellen. Das gilt für den Fensterputz ebenso wie den Einkauf.

Ein Mädchen schaut sich Äpfel an einem Stand in Dänemark an.

Der Herbst naht - und damit typische Ereignisse. Manches ist in Dänemark anders - anderes ist grenzüberschreitend.

Drei Menschen springen am Meer bei Sonnenuntergang in die Luft.

Dänen nehmen sich Zeit für die wichtigen Dinge und gelten als gelassener. Aber können sie auch von uns etwas lernen?

Eine Landzunge aus lauter zerbrochenen Ziegelsteinen.

Die Hälfte des dänischen Sommers ist rum: Warum sich jetzt ein Blick zurück lohnt und einer auf das, was da noch kommt.

Tina Dickow bei einem Auftriit in Kopenhagen, Dänemark.

Sommerzeit ist Festivalzeit. Auch in Dänemark. Wie Musik Grenzen überwindet - in beide Richtungen.

Wohnmobile stehen an einem heiteren Tag am weiten Autostrand von Blokhus in Dänemark.

Die Deutschen lieben dänische Sommerhäuser. Und die Dänen? Lieben ihre Sommerhäuser dieses Jahr noch mehr. Aus Gründen.

Eine Frau, von hinten gesehen, sitzt am Strand

Mit der Identität ist es so eine Sache - vor allem, wenn man schon an verschiedenen Orten in Europa gelebt hat.

Viele Menschen liegen im Amager Strandpark auf dem Sand und sonnen sich, im Hintergrund sind Windkraftanlagen zu sehen.

Manche Dinge hat man lange auf der sogenannten Bucketlist - oft zu lange. Dabei wäre manches so einfach.

Ein oldtimer-Cabrio

Eine eigene Autoindustrie hat Dänemark nicht, die fahrbaren Untersätze im Alltag: eher bescheiden. Doch es gibt Ausnahmen.

Gelbe und rote Ferienhäuser stehen am Meer in Dänemark.

Die Bade- und Grillsaison hat begonnen. Dabei fallen unserer Kolumnistin Unterschiede zwischen Deutschland und Dänemark auf.

Eine Mitarbeiterin hält frisch gestochenen Spargel beim offiziellen Spargelanstich auf einem Spargelfeld.

Die Spargelsaison hat wieder begonnen: In Dänemark allerdings ein bisschen anders, als man sich das in Schleswig-Holstein vorstellt.

Ein kleines blaues Holzhaus mit zwei weißen Bänken am Strand in Dänemark.

Dänemark als temporärer Zufluchtsort vom Weltchaos? Zahlen eines Reiseportals legen das nahe.

Drei Mädchen singen mit Plastik-Mikrofonen in die Kamera.

Singen ist gute Tradition in Dänemark. Das wirkt sich positiv aus - und davon könnten wir uns was abgucken.

Vier rote Briefkästen hängen nebeneinander in Aarhus, Dänemark.

Ein Brief ist in Dänemark schon mal fünf Tage unterwegs. 2026 will die dänische Post den Briefversand ganz einstellen.

Weißstörche mit Jungtieren im Nest

In Dänemark sind die Störche richtige Fernsehstars. Doch mit Fußball hat das in unserem Nachbarland nichts zu tun.

Die deutsche und dänische Flagge wehen nebeneinander im Wind.

Die Dänen haben einen völlig anderen Umgang mit ihrer Nationalflagge als die Deutschen. Und das hat nicht nur mit Nationalstolz zu tun.

Die Fassade der Danske Bank in Kopenhagen.

Während wir Deutschen an unserem Bargeld hängen, ist es in Dänemark genau andersrum: mit positiven Nebenwirkungen.

Dänemarks König Frederik X. sitzt an einem Tisch und hält erstmals eine Neujahrsansprache auf Schloss Amalienborg.

Die erste Neujahrsansprache des neuen Königs war wochenlang Thema. Ein großer Redner sei er ja nicht, sagt man. Wirklich?

Ein dänisches Festessen wurde für die Weihnachtsfeiertage aufgetischt.

Nicht nur in der Vorweihnachtszeit isst man in Süddänemark gern und viel. An den Festtagen wird richtig geschlemmt.

Zur Zeit der Kopenhagener Fashion Week stehen sechs junge Frauen in bunter Kleidung auf dem Gehweg.

Die Dänen sind ziemlich stylish, findet unsere Kolumnistin. Über ein Kleidungsstück aber wundert sie sich.

Ein Weihnachtsbaum von nahmen, mit Kerzen, Kugeln und einer Dänemarkflagge geschmückt.

Bereits Ende Oktober beginnt in Dänemark die Vorweihnachtszeit. Wie die Dänen sich auf das Fest der Feste vorbereiten.

Mehrere Studentinnen stehen bei einer Immatrikulationsfeier

Tak ist in Dänemark das meistbenutzte Wort im Alltag. Warum die Dänen nicht nur dankbar, sondern auch höflich sind.

König Frederik von Dänemark steht mit der Familie am Balkon.

Unsere Kolumnistin ist eigentlich keine Royalistin: Warum sie das dänische Königshaus trotzdem irgendwie in den Bann zieht.

Autos fahren am deutsch-dänischen Grenzübergang in Richtung Norden.

"In Dänemark ticken die Uhren langsamer!", schwärmen viele Urlauber. Unsere Kolumnistin hat einen ganz anderen Verdacht.

Schlagwörter zu diesem Artikel

Dänemark

Ein Waschbär blickt in die Kamera

Waschbären breiten sich in Schleswig-Holstein immer weiter aus. Hotspots sind Lübeck und der Kreis Herzogtum-Lauenburg.

In einem Nagelstudio werden die Hände einer Frau mit blauem und transparentem Gel und Glitzer verziert.

Im Rahmen einer bundesweiten Kontrolle haben Zollbeamte einige Betriebe in Schleswig-Holstein überprüft. Das kam dabei heraus.

Domagoj Duvnjak
Handball-Bundesliga

Die Kieler bejubelten bereits ihren vermeintlichen Sieg. Dann kam der Videobeweis zum Einsatz und sorgte für Ernüchterung beim THW.

Ruine einer Sprengstoff-Produktionshalle in Geesthacht.

Im Kalten Krieg warteten bei Kellinghusen US-Kernwaffen auf den Einsatz. Das ist nur einer der vergessenen Orte im Land.

Videos