#Hyggepost aus Dänemark: Dänische Gewohnheiten zum Abschauen
Schleswig-Holstein hat viele gute Seiten. Doch es gibt einige Gewohnheiten, die man aus Dänemark importieren könnte, findet unsere Kolumnistin. Oder eher umgekehrt? Am Ende wohl auch noch beides?!
"Welche dänische Gewohnheit würdest Du dauerhaft in Schleswig-Holstein einführen?" Das wollte mein Kollege Ben kürzlich von mir wissen. Eine sehr gute Frage, sagte ich ihm – bloß hatte ich mir darüber bislang nicht viele Gedanken gemacht. Schließlich habe ich so schnell nicht vor, wieder nach Schleswig-Holstein überzusiedeln.
Die "Pyt med det"-Mentalität
Die Schleswig-Holsteiner sind ja so ganz unentspannt auch nicht, ich weiß. Doch ein bisschen mehr "Pyt med det"-Gewohnheit (sprich: Pütt) in den Alltag zu integrieren könnte nicht schaden. Und schließlich hat das Wort Pyt ja ohnehin quasi schon den Sprung über die Grenze geschafft: Beim Wortwettbewerb der Region Sønderjylland-Schleswig vergangenes Jahr war Pyt eines der Siegerwörter. Also dann: Es ist Montag, es regnet, der Kaffee ist aus, der Bus zu spät: Pyt med det!
Arbeit: Kann weniger mehr sein?
Eine weitere Gewohnheit, die ich in Schleswig-Holstein wert finde zu etablieren, ist der Umgang mit der Arbeit. Ja, die Dänen arbeiten mit im Schnitt mit 37 Stunden pro Woche weniger als die Menschen in vielen anderen Ländern. "Was, noch weniger arbeiten?!", höre ich die Spitzen der Wirtschaft und Politiker verschiedener Couleur toben. "Nein, nein, mehr müsst ihr arbeiten, mehr!" Ich wage mal eine steile These: Es kommt nicht darauf an, wie lange, sondern wie man arbeitet. Wenn man in den 37 Stunden effektiv und produktiv ist, weil die Arbeitsbedingungen stimmen, der Zusammenhalt gut ist und womöglich auch noch die Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Technik und Kinderbetreuung stimmen, sind 37 Stunden mehr wert als 40.
Und es hat ja einen Grund, warum die Dänen im Glücksatlas alle Jahre wieder ganz weit oben stehen: Es könnte auch damit zu tun haben, dass nach der Arbeit auch wirklich frei ist. Mit Zeit für die vielen anderen, wichtigen Dinge des Lebens. In meinem Heimatort ist zum Beispiel der Baumarkt samstags ab mittags geschlossen. Ja, stellt euch das mal vor, liebe Landsleute (d/w/m).
Import und Export der Gewohnheiten
Je länger ich über die Eingangsfrage nachdenke, desto mehr dänische Gewohnheiten kommen mir in den Sinn, die man dauerhaft exportieren könnte: Behördengänge digital erledigen, bezahlen ohne Bargeld, Tempolimit. Aber wie sieht es umgekehrt aus, will ich von meinem Nachbarn wissen – dem Mann namens Ove, der auf dem Weg in den Urlaub nach Südfrankreich einen Zwischenstopp in Flensburg machte. "Präzision, die sollte man nach Dänemark importieren!", findet Ove. "Wenn die in der Autowerkstatt sagen, es kostet Summe x, dann kostet es das auch." Und seine Frau Jonna ist begeistert davon, dass man da auch Obst und Gemüse einzeln kaufen kann. "Nicht wie hier in Dänemark gleich ein ganzes Kilo Äpfel, von denen die Hälfte schlecht wird."