#Hyggepost aus Dänemark: Wo die Dänen Urlaub machen
Unsere Kolumnistin lebt in Dänemark und schreibt über ihren Alltag - der in der Sommerzeit auch darin besteht, das veränderte Urlaubsverhalten der Dänen unter die Lupe zu nehmen. Sie stellt fest: Es gibt durchaus Parallelen zu uns Deutschen.
Dieser Text geht, mit Verlaub, in die Geschichte ein. Naja, ein bisschen. Denn: Ich habe ihn am bislang heißesten Tag des Jahres geschrieben. Überhaupt kann ich mich nicht erinnern, dass es schon mal so einen warmen Sommertag gab, seit ich in Dänemark wohne. Als ich mich morgens auf den Weg zum Strand mache, um den Kopf für den vor mir liegenden Arbeitstag zu kühlen, zeigt das Thermometer schon 19 Grad an. Um 6.30 Uhr.
Abkühlen mit Erpeln
In der Förde leisten mir lediglich ein paar dösige Erpel Gesellschaft. Sie lassen sich von den seichten Wellen schaukeln. Zum Schwimmen scheint es selbst ihnen zu warm zu sein. Ein Schwan hat sich am Strand in den Schatten zurückgezogen und putzt sein Gefieder. Und was machen viele Dänen um diese Jahreszeit und bei diesem Wetter? Was viele Deutsche auch machen: In Urlaub fahren. Und noch was haben wir Deutsche mit den Dänen gemeinsam, und zwar das Urlaubsziel - Dänemark.
Sommerhäuser liegen im Trend
Ja, der eine oder andere Däne hat sein eigenes Land als Urlaubsziel (wieder) entdeckt. Das haben meine dänischen Kollegen von Danmarks Radio (DR) kürzlich gemeldet. Demzufolge haben in diesem Jahr insgesamt 20 Prozent mehr dänische Gäste als vergangenes Jahr ein Sommerhaus im eigenen Land gebucht. Während es die Deutschen im Spätsommer in die Sommerhäuser zieht, trifft man derzeit dort die Dänen an, schreiben die Kollegen von DR.
"Coolcation"
Warum die Sommerhäuser bei den Dänen wieder der Hit sind, soll auch mit den Temperaturen zusammenhängen. 28 Grad am heißesten Tag des Jahres ist eben doch besser als 45 Grad in den südlichen Gefilden Europas. Nicht erst seit diesem Jahr haben findige Marketingmenschen die zunehmende Beliebtheit, in kühleren Ecken Europas zu urlauben, einfach mal so genannt: "Coolcation". Die deutsche Beschreibung war ihnen wohl nicht sexy genug. Ob 28 Grad in einem skandinavischen Land nun cool sind, muss jeder für sich entscheiden. Aber es ist zumindest eine Temperatur, bei der Menschen wie ich überhaupt noch in der Lage zu Urlaubsaktivitäten sind. Bei 45 Grad kann ich mich gleich in die Sauna setzen.
Bornholm oder Südfrankreich?
Und wo zieht es die Dänen nun hin? Kommt drauf an, wen man fragt. Mein dänischer „grænzenlos“-Kollege Anders Køpke Christensen von TV Syd ist begeistert von Bornholm. Wohl aber auch, weil er da acht Jahre lang gearbeitet hat. "Die Insel ist wunderschön! Allein die Klippen, das ist schon sehr besonders", schwärmt Anders. Er selbst will aber dieses Jahr wieder mit seiner Frau nach Südfrankreich. Und der Urlaub im eigenen Land? "Naja, viele Dänen fahren ja auch mit ihrem Wohnwagen an die Westküste zum Beispiel." Als ob er sich mit meinem Nachbarn abgesprochen hätte - dem Mann namens Ove.
Mit dem Wohnwagen nach Ebeltoft oder Blåvand
Ove macht nämlich genau das: sich mit seiner Frau Jonna und seinem Wohnwagen auf den Weg in den kleinen Ort Ebeltoft an der Ostseeküste. "Unsere Enkel kommen auch, da können wir schön baden gehen", freut sich Ove. Er fährt aber auch gerne nach Blåvand. Dass er sich den Ort im Sommer mit vielen Deutschen teilen muss, stört ihn nicht. "Wir haben zu wenig Fachkräfte hier. Vielleicht bleibt ja der eine oder andere." Ansonsten haben Ove und Anders aber durchaus was gemeinsam: ihre Liebe zu Südfrankreich. Allerdings ist Ove angesichts der Temperaturen im Moment ganz froh, an der dänischen Ostküste zu sitzen, sagt er.
Urlaub zu Hause - einfach so oder so einfach?
Zu Hause Urlaub machen ist also dieses Jahr der Hit. Das war ja zu Corona-Zeiten schon mal so. So haben wir Deutschen ebenso wie die Dänen entdeckt, dass man auch im eigenen Land wunderbar Urlaub machen kann. Fast ein bisschen schade, dass der Anlass dafür so enorm große Einschnitte wie Corona oder jetzt ja auch die Klimakrise sein müssen. Ich mache dieses Jahr auch Urlaub in Dänemark. Nicht im Sommerhaus. In meinem eigenen. Dann bade ich morgens mit Erpeln und freue mich darüber, dass ich so eine tolle Natur vor der Haustür habe. Einfach so.