#Hyggepost aus Dänemark: Zwischen Wiener Schnitzel und Apfelernte
Unsere Kolumnistin lebt in Dänemark und schreibt über ihren Alltag. Etwa darüber, ob es bei den Herbstgepflogenheiten eher Gemeinsamkeiten oder Unterschiede mit den schleswig-holsteinischen Nachbarn gibt.
Eine Jahreszeit zwischen den Stühlen ist das momentan, dachte ich kürzlich. Die Blätter der riesigen Kastanienbäume auf meinem Nachhauseweg sind bereits rot-braun in den schönsten Indian-Summer-Tönen gefärbt. Morgens ist es schon herbstlich-frisch, während man die Abende oft noch im Garten genießen kann: Und das Meer ist endlich nicht mehr so arschkalt.
Herbstfreuden sind kulinarische Freuden
Aber, nutzt ja nix: Der Herbst klopft immer lauter an die Tür. Und der hat ja durchaus auch seine schönen Seiten. Allen voran die Apfelernte, die auf beiden Seiten der Grenze in vollem Gang ist. Was für eine Freude, hier bei uns in Sønderjylland die alten Sorten wie den Gravensteiner oder Ingrid-Marie zu ernten, die noch duften wie Äpfel und auch so schmecken!
Backen, bis die Küche dampft
Abgesehen davon, dass es jetzt jeden Tag mindestens einen Apfel gibt - an apple a day, ihr wisst schon - glühen bei uns Herd und Ofen in Dauerschleife. Apfelkuchen in allen Variationen, Mirabellen-Marmelade, Chutneys. Allerdings muss ich zugeben, dass vor allem mein Mann gerade sehr aktiv in der Küche ist. Ich darf einfach nur sitzen. Und essen. Das dürfen auch einige meiner Kollegen. Die freuen sich momentan öfters als üblich über ein Stück Kuchen. Gut für die Seele, gut fürs Betriebsklima. Aber das ist ein anderes Thema.
Ein grenzüberschreitendes Vergnügen
Soweit unterscheiden sich die Herbstgepflogenheiten hier in Sønderjylland nicht wesentlich von denen in Schleswig-Holstein. Allerdings habe ich kürzlich in unserem dänischen Anzeigenblättchen wieder eine kleine grenzüberschreitende Perle entdeckt: "Wienerschnitzel-spisning og sort sol" wurde da annonciert. Zu deutsch: Wiener Schnitzel essen mit schwarzer Sonne. Schwarze Sonne - so nennen wir hier die riesigen Staren-Schwärme, die abends elegante Formationen fliegen und die man jetzt besonders gut zum Beispiel in dem nordfriesischen Örtchen Aventoft unweit der dänischen Grenze beobachten kann.
Schwarze Sonne und Wiener Schnitzel: Natur und Hygge
Der Bus sammelt zuerst an verschiedenen Stellen in Sønderjylland die Reiselustigen ein. Dann geht’s über die Grenze zunächst nach Aventoft, das Phänomen Starenflug beobachten. Weil frische Luft meist hungrig macht und die Dänen es sich sowieso gerne hyggelig machen, steuert der Bus anschließend den Historischen Krug in Neukirchen an: Schnitzel und Bratkartoffeln essen stehen da auf dem Programm. Danach gibt’s Kaffee und Kuchen, sicherlich auch was Hochprozentiges für den einen oder die andere, bevor der Bus inklusive Guide die fröhliche Runde wieder zurück nach Dänemark fährt. Das Ganze gibt’s für umgerechnet gut 70 Euro.
Für Spargel und Störche in Bussen nach Schleswig-Holstein reisen? Ja, das machen die Dänen auch, das wusste ich. Dass Stare und Wiener Schnitzel offenbar eine ähnliche Anziehungskraft haben, war mir neu. Mein Nachbar - der Mann namens Ove - steigt allerdings nicht in den Bus nach Schleswig-Holstein. "Wir haben die Stare doch vor der Haustür", sagt er. Natürlich nicht in den riesigen Formationen wie an der Küste Nordfrieslands. Aber ist es nicht wunderbar, die Wahl zu haben? Entweder Naturschauspiele vor der eigenen Haustür genießen oder ein grenzüberschreitendes Natur und Hygge-Erlebnis. Das ist das schöne am Grenzland.