Calciummangel: Symptome und Behandlung bei Hypokalzämie
Calciummangel kann gefährliche Symptome auslösen, denn Calcium ist ein wichtiger Botenstoff in Zellen und zentral für Muskelfunktion, Nervenleitfähigkeit oder unsere Knochen. Was hilft bei Hypokalzämie?
Calcium (eingedeutscht: Kalzium) ist mengenmäßig der wichtigste Mineralstoff im menschlichen Organismus und wichtig für Muskelfunktion, Stabilität und Aufbau unserer Knochen und Zähne, sowie als Botenstoff in Zellen.
Calciummangel ist daher eine potenziell gefährliche Störung des Mineralstoffhaushalts. Der Körper kann Kalzium nicht herstellen und auch nicht zugänglich speichern, nur in Knochen einlagern. 99 Prozent des Gesamtkörper-Calciums sind in Skelett und Zähnen als Hydroxylapatit verbaut; das restliche Prozent Calcium steckt in Blut und Weichteilen.
Calciummangel und Hypokalzämie - was ist das?
Kalzium muss dem Körper täglich über die Nahrung zugeführt werden und wird mithilfe von Vitamin D im Darm aufgenommen. Beim Kalziummangel (medizinisch: Calciummangel/Hypokalzämie), ist der Kalziumspiegel im Blut vermindert. Konkret spricht man von einem Calciummangel, wenn ein Blutwert von ca. 2,0 mmol/l Calcium unterschritten wird.
Viele Menschen erreichen die empfohlene Tagesmenge nicht. Die Nationale Verzehrstudie II hat beispielsweise gezeigt, dass vor allem weibliche Jugendliche sowie Menschen ab 65 Jahren die Empfehlungen für eine Tagesdosis von 700 mg - 1.200 mg Kalzium deutlich unterschreiten. Die Experten sprechen hier von einer möglichen Unterversorgung mit Kalzium.
Tagesdosis Kalzium: Wieviel am Tag ist sinnvoll?
Expertinnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen, je nach Alter, diese Tagesdosis Kalzium:
- Säuglinge 0-4 Monate: 220 mg und 4-12 Monate: 330 mg
- Kinder (1–4 Jahre): 600 mg
- Kinder (4-7 Jahre): 750 mg
- Kinder (7-10 Jahre): 900 mg
- Ältere Kinder und Jugendliche (10 –19 Jahre): 1.200 mg
- Erwachsene (19 – 50 Jahre): 1.000 mg pro Tag
- Erwachsene Frauen (51–70 Jahre): 1.200 mg
- Erwachsene Männer (51–70 Jahre): 1.000 mg
- Ab 70 Jahren: 1.200 mg
Calciummangel: Symptome erkennen
Meist wird ein Calciummangel durch routinemäßigen Bluttest festgestellt, da er keine offensichtlichen Symptome verursacht. Erste deutliche Anzeichen eines akuten Calciummangels können eine gesteigerte Erregbarkeit von Muskeln und Nerven sein, die sich in Kribbeln und Muskelkrämpfen äußern kann. Bei stärkerem, anhaltendem Mangel sind folgende Symptome möglich:
Leichte Symptome durch Calciummangel
- brüchige Nägel
- schuppige, trockene Haut
- strohiges, trockenes Haar
- Kribbeln (Lippen/ Zunge/ Finger/ Füße)
- Muskelschmerzen oder Muskelkrämpfe; häufig in Muskeln von Rücken oder Beinen
Starke Symptome durch Calciummangel
- Verkrampfung der Halsmuskulatur und Atemnot
- Versteifung von Muskeln und starke Muskelkrämpfe (Tetanie)
- Herzrhythmusstörungen/Herzrasen
- neurologische oder psychische Störungen wie: Verwirrtheit, Gedächtnisverlust, Delir, Depressionen, Halluzinationen
- Osteoporose (Knochenschwund)
Wann wird Calciummangel gefährlich?
Chronischer Kalziummangel kann zu lebensbedrohlichen Zuständen wie Muskelkrampfanfällen (Tetanie) führen. Dabei kommt es zu Krämpfen oder Spasmen an Händen und Füßen. Die Hände machen dabei die sogenannte Pfötchenstellung; an den Füßen tritt eine Spitzfußstellung auf: Dabei zeigen die Zehen im Sitzen zum Boden.
Auch Herzrhythmusstörungen können Folge eines starken, chronischen Calciummangels sein: Der Herzschlag kann sich verlangsamen, im Extremfall bis zum Herzstillstand. Weitere gefährliche Folgen schwerer Hypokalzämie können sein:
- epileptische Anfälle
- Osteoporose durch "Entkalkung" von Knochen und Zähnen (erhöht auch das Risiko für Knochenbrüche und Knochenverformungen mit Rückenproblemen)
Risikogruppen für Mangel an Kalzium
Hypokalzämie kommt eher selten vor und tritt meist bei Menschen auf, die entweder eine spezielle Ernährungsweise haben (müssen) oder bei denen eine Erkrankung zugrunde liegt.
Personengruppen mit erhöhtem Risiko für medizinischen Calciummangel sind beispielsweise solche mit:
- Veganer Ernährung (weil tierische Produkte wie Milch viel Kalzium enthalten)
- Laktoseintoleranz
- Mangel an Vitamin D
- Östrogenmangel bei Frauen
- Niereninsuffizienz
- Pankreatitis
- Magnesiummangel
- Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus)
Flecken auf Fingernägeln: Symptom für Calciummangel?
Weiße, wölkchenförmige Flecken auf den Nägel - ein Zeichen für einen Mangel an Calcium? Das ist ein Mythos und falsch. Medizinisch heißen die Flecken Leukonychia punctata (punktförmige Weißfärbung). Die Ursache ist eine Verdickung und Verhornung des Nagels mit Lufteinschlüssen.
Was stimmt: Bei langfristigem Calciummangel kann es zum gestörten Wachstum von Nägeln mit Beeinträchtigung der Nagelstruktur kommen. Dabei können Querrillen entstehen, die sogenannten Beau-Linien / Beau-Reil-Querfurchen.
Wenn Mangel an Calcium auf die Blase schlägt
Selten sind Muskelkrämpfe im Darm und Bereich der Blase, die von Durchfall begleitet sind. Aber auch Bauchschmerzen oder starker Harndrang können ein Hinweis auf Hypokalzämie sein.
Weiße Flecken auf den Zähnen durch Calciummangel?
Kalzium ist ein Hauptbestandteil des Zahnschmelzes und sorgt für dessen Härte und Widerstandsfähigkeit. Ein ausreichender Spiegel von Kalzium hilft, Zähne stark und gesund zu halten.
Tatsächlich kann Calciummangel langfristig zu ernsthaften Zahnproblemen führen, denn: Calcium spielt eine wichtige Rolle beim Schutz vor Karies. Der Mineralstoff hilft, den Zahnschmelz zu remineralisieren und widerstandsfähiger gegen Säureangriffe zu machen. Demineralisierung hingegen - zum Beispiel ausgelöst durch Calciummangel - kann zu weißen Flecken auf den Zähnen führen, wenn der Zahnschmelz deutlich geschwächt ist. Deutlich zu wenig Calcium im Köper erhöht außerdem das Risiko für Karies und Zahnfleischerkrankungen.
Ursache für Calciummangel
Ein niedriger Kalziumspiegel und Mangel an Kalzium kann verschiedene Ursachen haben:
- Mangelhafte Ernährung
- Unterversorgung mit Vitamin D (Kalzium-Aufnahme im Darm wird reduziert)
- Probleme mit den Nebenschilddrüsen (beispielsweise nach Schilddrüsen-OP)
- Nierenerkrankungen, zu Beispiel Niereninsuffizienz
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse
- Erkrankungen des Verdauungstraktes (chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn)
- Medikamente (beispielsweise bestimmte Antibiotika, Antiepileptika, Bisphosphonate oder Kortikosteroide)
Calciummangel behandeln
Mangel an Kalzium wird vor allem über die Aufnahme von mehr Kalzium durch die Ernährung behandelt. Mit einer ausgewogenen Lebensmittel-Kombination ist es gut möglich, den Calciumbedarf über die Nahrung zu decken. Bei akuten Mangelzuständen kann Calcium in Form von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein. Allerdings sollte die Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache geschehen.
Für calciumreiche Lebensmittel gibt es keine bekannte Obergrenze. Deshalb sollte die Calciumaufnahme besser über die Nahrung erfolgen, statt via Tabletten. Das gilt auch bei Osteoporose.
Überdosis Kalzium kann gefährlich werden
Kalzium-Tabletten als Nahrungsergänzungsmittel bergen die Gefahr einer Überdosierung. Hochdosiertes Kalzium kann langfristig zu Nierensteinen und Gefäßverkalkungen führen, wenn über 500 mg pro Tag zusätzlich zur Tageshöchstdosis zugeführt werden, warnt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie. Bei noch höherer Kalziumsupplementierung ab 1.000 mg zeigten Studien sogar gesteigerte Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen (Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt). Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie warnt: Gerade weil viele Menschen gleich mehrere Supplemente konsumieren, bestehe die Gefahr einer versehentlichen Überdosierung.
In welchen Lebensmitteln steckt viel Calcium?
Calcium lässt sich ohne große Probleme mit täglichen Mahlzeiten aufnehmen. Natürliche Calcium-Quellen sind:
- Kuhmilch (auch fettreduziert)
- Joghurt
- Käse (Parmesan/Emmentaler/Gouda/Appenzeller)
- grünes Gemüse (zum Beispiel gegarter Blattspinat/Grünkohl/Brokkoli)
- Nüsse
- Mineralwasser (mehr als 150 mg Kalzium pro Liter).
Viele industriell gefertigte Lebensmittel werden auch mit Calcium angereichert, beispielsweise Frühstückszerealien oder Milchersatz-Getränke aus Soja, Hafer, Mandel oder Reis.
Beispiel: 1.000 mg Calcium-Menü
Ein Erwachsener zwischen 19 und 50 Jahren braucht rund 1.000 mg Kalzium täglich. Wer beispielsweise diese Lebensmittel über den Tag hinweg oder in einer Mahlzeit verzehrt, könnte damit seinen Tagesbedarf decken:
2 Scheiben Graubrot oder Vollkornbrot,
2 Scheiben Gouda, Edamer oder Emmentaler,
1 Portion Brokkoli,
2 Gläser Mineralwasser (à 200 ml, je nach Marke) und
1 Becher Joghurt (200 g)
Wichtig: Der ausgewogenste Calcium-Speiseplan nützt nichts, wenn der Vitamin D-Spiegel zu niedrig ist: Vitamin D unterstützt die Bildung eines Transporters, der den Mineralstoff aus dem Blut in die Zellen befördert.