Kaliummangel: Symptome, Ursachen und schnelle Hilfe
Kaliummangel (Hypokaliämie) kann Symptome wie Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit oder Muskelkrämpfe auslösen. Medikamente wie Entwässerungsmittel und auch Erkrankungen können den Kaliumspiegel senken.
Unser Körper braucht Kalium - damit das Herz gleichmäßig schlägt und Nerven mit Muskeln harmonisch zusammenspielen, um uns zu bewegen. Rund 98 Prozent des Kaliums im Körper ist in Zellen gebunden, vor allem Muskelzellen. Zwei Prozent sind dagegen extrazellulär, zum Beispiel im Blut. Sie sind auch extrem wichtig für Bewegungskoordination, denn: Kalium reguliert die elektrische Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen.
Kaliummangel kann sich in Symptomen wie Muskelschwäche bis hin zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen und Herzrasen zeigen. Wie entsteht Kaliummangel? Was hilft?
Was bedeutet Kaliummangel?
Ein Kaliummangel (Hypokaliämie) bedeutet, dass zu wenig Kalium im Blut ist. Der Normwert von Kalium im Blut liegt laut Deutscher Herzstiftung für Erwachsene bei 3,6 bis 5,0 mmol/l (Millimol pro Liter). Ist der Kaliumwert zu niedrig, also unter 3,6 mmol/l, spricht man von einem Kaliummangel.
Kalium ist ein Mineralstoff, der durch Nahrung aufgenommen werden muss. Er gehört, wie Natrium und Chlorid, zu den Elektrolyten. Diese sind essenziell für die Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushalts, Regulation des Blutdrucks und Weiterleitung von Nervenimpulsen. Kalium ist so grundlegend für die Muskelarbeit und die Muskelkontraktion - auch der des Herzmuskels. Darum kann ein starker Kaliummangel auch Ursache für Herzrhythmusstörungen sein.
Kaliummangel: Symptome für Hypokaliämie
Kaliummangel macht sich oft schleichend bemerkbar. Bei Frau und Mann sind die Symptome gleich: Man fühlt sich häufig erschöpft und ausgelaugt, hat wenig Energie. Weitere Symptome sind:
- Muskulatur, die schnell ermüdet/Muskelschwäche
- Lähmung von Muskeln (Parese)
- verminderte Reflexe
- Muskelkrämpfe
- Zittern
- Antriebslosigkeit, Schwäche, Erschöpfung
- Appetitlosigkeit
- unregelmäßiger Herzschlag, Herzrasen bis hin zu Herzrhythmusstörungen
- Verdauungsprobleme wie Verstopfung
Ein Selbsttest auf Kaliummangel ist nicht möglich: Mangel an Kalium lässt sich nur mithilfe einer Blutuntersuchung feststellen.
Kaliumwert: Wer braucht wie viel Kalium?
Als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr gilt für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene 4.000 mg (Milligramm) täglich, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das gilt auch für Schwangere. Stillende Frauen hingegen haben einen erhöhten Bedarf von 4.400 mg pro Tag.
Ursachen für Kaliummangel
In der Regel nehmen wir über eine ausgewogene Ernährung ausreichend Kalium auf. Ein Mangel am Mineralstoff in den Zellen entsteht meist durch starke Kaliumverluste und Kaliumausscheidung, beispielsweise aufgrund von:
- Erbrechen
- anhaltendem Durchfall
- Essstörungen wie Magersucht oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie/ Bulimarexie)
- übermäßigem Gebrauch von Abführmitteln (Laxantien)
- starkes Schwitzen beim Sport bei gleichzeitigem Mangel an Flüssigkeit mit Elektrolyten
- starker Alkoholkonsum
- ständiger Einnahme von harntreibenden/entwässernden Medikamenten (Diuretika) aufgrund von Herzerkrankungen (Herzinsuffizienz)
Ältere Menschen sind eher gefährdet einen Kaliummangel zu entwickeln. Sie nehmen häufig Medikamente ein, die den Kaliumhaushalt beeinflussen oder ernähren sich, etwa aufgrund von Appetitlosigkeit, zu wenig ausgewogen und nehmen zu wenig vom Mineralstoff auf.
Neben Entwässerungsmitteln können auch Glukokortikoide und einige Antibiotika den Kaliumspiegel mindern, indem sie die Ausscheidung von Kalium über die Nieren fördern.
Außerdem kann übermäßiger Genuss von Lakritz zu Kaliummangel führen: Sein Wirkstoff Glycyrrhizin kann den Hormonhaushalt beeinflussen. Das Glykosid hemmt ein Enzym, das Kortisol zu Kortison umwandelt. So kann nicht nur Kaliummangel entstehen, sondern auch Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Muskelabbau und Nierenversagen. Bei ein paar Stück Lakritz sind diese Nebenwirkungen nicht zu erwarten. Wer aber eine ganze Packung starker Lakritz auf einmal isst, riskiert Entgleisungen des Kaliumwerts.
Kaliummangel als Symptom von Erkrankungen
Hinter einem Kaliummangel steckt manchmal auch eine Krankheit, etwa eine Nierenfunktionsstörung, eine Nierenschwäche, eine Hormonstörungen (Conn-Syndrom, das den Aldosteronspiegel erhöht und die Nieren zur erhöhten Ausscheidung von Natrium und Kalium veranlasst) oder Diabetes. Gleichzeitig kann auch die Behandlung mit Insulin zu einem Kaliumverlust führen.
Chronischer Kaliummangel kann gefährliche Folgen haben
Folgen von chronischem Kaliummangel sind beispielsweise Muskelschwäche und Lähmungen. Kalium reguliert auch den Blutdruck. Ein Mangel kann Bluthochdruck begünstigen - ausreichende Versorgung kann den Blutdruck senken und so auch das Risiko für Schlaganfälle. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck sollten ihren Kaliumspiegel regelmäßig überprüfen lassen.
Durch Kaliummangel zieht sich der Herzmuskel öfter zusammen, der Puls steigt. Betroffene spüren Herzrasen, Extraschläge oder Herzstolpern. Schlimmstenfalls kommt es zu Herzrhythmusstörungen (Tachykardie). Sie können eine Herzschwäche verstärken und sogar zu Herzversagen führen. Im EKG können Extrasystolen und eine Abflachung der sogenannten T-Welle auf Kaliummangel hindeuten. Meist wird ein Kaliummangel aber per Blutuntersuchung diagnostiziert.
Behandlung: Was hilft schnell bei Kaliummangel?
Ein starker Kaliummangel im Bluttest gilt als Notfall. Es wird intravenös Kaliumchlorid verabreicht. Bei chronischem Defizit kommen meist Tabletten zum Einsatz. Ein leichter Kaliummangel lässt sich dagegen häufig durch eine gezielte, kaliumreiche Ernährung beheben.
Was essen und trinken bei Kaliummangel?
Mit vier bis fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag lässt sich, gemäß der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die empfohlene Kaliummenge von 4.000 mg/Tag für Erwachsene erreichen. Lebensmittel mit viel Kalium sind beispielsweise:
- Bananen
- Karotten
- Kohlrabi
- Kartoffeln (am besten mit Schale)
- Avocado
- Weiße Bohnen
- Linsen
- Spinat
- Tomaten
- Nüsse und Samen (vor allem: Haselnüsse, Cashewkerne, Erdnüsse, Mandeln)
Besonders hoch ist der Kaliumgehalt in konzentrierter Form, also bei Tomatenmark oder Trockenobst. Statt Weizenmehl sollte man Dinkelmehl, Roggenmehl oder Buchweizenvollkornmehl nutzen. Auch in Kakao und Bitterschokolade steckt Kalium. Olivenöl steigert die Aufnahme von Kalium im Körper. Nach einem Magen-Darm-Infekt hilft es, auf eine kaliumreiche Ernährung zu achten.
Nahrungsergänzungsmittel bei Kaliummangel
Nicht nur ein Mangel an Kalium - auch eine Überdosierung ist schädlich. Ein zu hoher Kaliumspiegel äußert sich in Muskelschwäche, Lähmungen, Gefühlsstörungen der Arme und Beine, Magen-Darm-Beschwerden, wie Bauchschmerzen, oder Herzrhythmusstörungen.
Über die Ernährung werden in der Regel nicht mehr als 5.000 mg bis 6.000 mg Kalium pro Tag aufgenommen. Anders ist das bei Kaliumpräparaten: Sie können in kurzer Zeit extreme Mengen zuführen. Außerdem ist in vielen Nahrungsergänzungsmittel auch Kalium mitenthalten. Häufig handelt es sich um Mineralstoffverbindungen wie Kaliumbicarbonat, Kaliumchlorid oder Kaliumgluconat, so Verbraucherzentralen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät daher, nicht mehr als 500 mg Kalium in einer zusätzlichen Tagesdosis zuzuführen. Wer höhere Dosierungen oder Kalium-Monopräparate verwenden will, sollte das mit Hausarzt oder Hausärztin abklären. Neben Überdosierung sind auch gefährliche Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich.