Perimenopause Symptom Hitzewallungen: Eine Frau fächert sich Luft zu

Perimenopause: Symptome, Diagnose, Behandlung

Stand: 03.08.2026 09:49 Uhr | vom

Die Perimenopause ist der Beginn des hormonellen Umbruchs bei Frauen. Wann beginnt sie? Welche Symptome sind typisch? Die sozialen Medien suggerieren: Es gibt einen Test und Supplements helfen. Stimmt das?

von Anna Corves

Viele Frauen erleben erste Veränderungen lange, bevor sie sich selbst in den Wechseljahren wähnen. Sie schlafen schlechter. Die Menstruation kommt mal etwas früher, mal etwas später als üblich. Und bei der Arbeit fällt es an manchen Tagen ungewöhnlich schwer, sich zu fokussieren.

Solche Veränderungen können Auswirkungen der Perimenopause sein. Sie markiert den Beginn eines oft mehrere Jahre dauernden hormonellen Umbruchs, der sich durch sehr unterschiedliche Beschwerden bemerkbar machen kann. Die Perimenopause ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Lebensabschnitt. Dennoch kann sie den Alltag erheblich beeinflussen.

Perimenopause: Was ist das eigentlich?

Medizinisch betrachtet beschreibt die Perimenopause die hormonelle Übergangsphase vor der Menopause. Der Menstruationszyklus verändert sich.

Die Funktion der Eierstöcke lässt allmählich nach, die weiblichen Geschlechtshormone, insbesondere Östrogen und Progesteron, arbeiten nicht mehr so verlässlich wie zuvor. Der Körper verabschiedet sich nicht an einem einzigen Tag von der Fruchtbarkeit, sondern schaltet schrittweise um.

Die Perimenopause bezeichnet die Jahre vor und um die letzte Menstruation herum. Die Menopause selbst ist dagegen kein Zeitraum, sondern der Zeitpunkt der letzten Regelblutung. Die Wechseljahre (Klimakterium) wiederum umfassen den gesamten hormonellen Übergang von der Perimenopause bis zur Postmenopause.

Das ist wichtig klarzustellen, denn im allgemeinen Sprachgebrauch werden "Menopause" und "Wechseljahre" oft synonym verwendet - was medizinisch nicht korrekt ist. Viele Beschwerden, die man umgangssprachlich den Wechseljahren zuschreibt, treten bereits während der Perimenopause auf.

Alter und Dauer: Wann beginnt die Perimenopause?

Die Perimenopause beginnt meist mit Anfang oder Mitte 40. Bei manchen Frauen zeigen sich jedoch schon mit Mitte oder Ende ihrer 30er Jahre Anzeichen einer frühen Perimenopause.

Wie lange die Perimenopause dauert, ist individuell unterschiedlich. Durchschnittlich erstreckt sie sich über vier bis acht Jahre. Einige Frauen durchlaufen die Phase schneller, bei anderen kann sie über ein Jahrzehnt andauern.

Besonders ausgeprägt sind die Probleme häufig in den letzten ein bis zwei Jahren vor der Menopause, da in dieser Zeit die Hormonspiegel oft besonders stark schwanken.

Viele denken, die Beschwerden entstünden durch einen Östrogenmangel. Tatsächlich entsteht zu Beginn der Perimenopause oft zuerst ein Mangel an Progesteron, weil Eisprünge unregelmäßiger werden oder ausbleiben. Ohne Eisprung entsteht kein Gelbkörper - und damit wird deutlich weniger Progesteron gebildet.

Während Progesteron tendenziell abnimmt, schwankt der Östrogenspiegel in der Perimenopause oft erheblich. Da Östrogen auch verschiedene Botenstoffe im Gehirn beeinflusst, darunter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, wirken sich stark schwankende Hormonspiegel auch auf die Psyche aus.

Perimenopause: Diese Symptome gibt es

Die Perimenopause kann sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Manche Frauen nehmen kaum Veränderungen wahr, andere berichten von einer Vielzahl von Beschwerden. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:

Manche Frauen berichten während der Perimenopause, dass sie Alkohol, Koffein oder stark zuckerhaltige Speisen schlechter vertragen als früher. Diese Empfindlichkeit zählt zwar nicht zu den klassischen Symptomen der Perimenopause, Alkohol und Koffein können jedoch Beschwerden wie Hitzewallungen, Herzklopfen oder Schlafstörungen verstärken.

Nicht jedes Symptom lässt sich eindeutig auf die Perimenopause zurückführen, aber die Häufung und das Muster können ein wichtiger Hinweis sein.

Diagnose: Gibt es einen Perimenopause-Test?

Anders als häufig in sozialen Medien suggeriert wird, gibt es keinen einzelnen Test, mit dem sich die Perimenopause zuverlässig nachweisen lässt.

Die Diagnose erfolgt in erster Linie anhand des Alters, der Zyklusveränderungen und der typischen Beschwerden. Ein ausführliches Gespräch mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen liefert häufig die wichtigsten Hinweise.

Blutuntersuchungen spielen dagegen nur eine begrenzte Rolle. Einzelne Hormonwerte können während der Perimenopause von Tag zu Tag stark schwanken. Deshalb sind sie häufig wenig aussagekräftig. In bestimmten Situationen - etwa bei ungewöhnlich frühem Beginn der Beschwerden oder zur Abklärung anderer Erkrankungen - können Hormonbestimmungen dennoch sinnvoll sein.

Wichtig ist außerdem, andere mögliche Ursachen auszuschließen. Schilddrüsenerkrankungen, Schlafstörungen oder psychische Belastungen können ähnliche Symptome verursachen.

Krafttraining, ausgewogene Ernährung und Heilpflanzen

Nicht jede Frau in der Perimenopause benötigt eine Behandlung. Oft helfen zunächst Lebensstilmaßnahmen: zum Beispiel ausreichender Schlaf, Stressreduktion, eine ausgewogene Ernährung und ein bewusster Umgang mit Alkohol, Koffein und Hitzeauslösern. Auch regelmäßige Bewegung ist wichtig: Besonders Krafttraining gewinnt in dieser Lebensphase an Bedeutung, da Muskelmasse und Knochendichte mit zunehmendem Alter natürlicherweise abnehmen.

Manche Heilpflanzen können helfen Perimenopausen-Beschwerden zu lindern. Traubensilberkerze und Frauenmantel können bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen helfen. Mönchspfeffer soll das Hormonungleichgewicht von Progesteron und Östrogen harmonisieren. Wissenschaftliche Belege dafür fehlen allerdings bisher. Ein ärztlich Abklärung ist hier ratsam.

Krafttraining

Die Gesundheit von Frauen ab 40 lässt sich durch langfristiges Ausdauer- und vor allem Krafttraining nachhaltig stärken.

Perimenopause: Behandlung mit Hormonersatztherapie

Wenn die Beschwerden jedoch den Alltag deutlich beeinträchtigen, kommen Medikamente infrage - vor allem eine Hormonersatztherapie, die bei typischen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder vaginale Trockenheit wirksam sein kann. Je nach Beschwerden kommen Östrogen, Progesteron oder eine Kombination beider Hormone zum Einsatz - etwa in Form von Tabletten, Pflastern, Gelen oder Sprays.

Ob eine Hormontherapie infrage kommt und ob mit bioidentischen oder synthetischen Hormonen, sollte individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden, unter Berücksichtigung persönlicher Risikofaktoren.

Auch nicht-hormonelle Medikamente können in Einzelfällen eine Rolle spielen, etwa wenn Hormone nicht infrage kommen oder nicht gewünscht sind. Dazu gehören je nach Symptomatik bestimmte Wirkstoffe gegen Hitzewallungen oder Schlafprobleme. Entscheidend ist die Abwägung von Nutzen, Risiken und persönlicher Vorgeschichte - eine Standardlösung gibt es nicht.

Nahrungsergänzungsmittel mit Augenmaß

Die in den letzten Jahren gestiegene Aufmerksamkeit für die Perimenopause hat auch dazu geführt, dass es inzwischen einen großen Markt für Nahrungsergänzungsmittel (Supplements) gibt, die in Aussicht stellen, hormonelle Umstellungen sanft ausgleichen zu können.

Hier lohnt ein nüchterner Blick, denn die wissenschaftliche Datenlage dazu ist oft dünn. Pflanzliche Mittel wie Phytoöstrogene aus Soja oder Rotklee werden zwar häufig verwendet, ihre Wirkung ist aber eher begrenzt und nicht für alle Beschwerden gleich überzeugend belegt.

Gerade bei starkem Leidensdruck sollten sie daher nicht als Ersatz für eine medizinisch sinnvolle Therapie betrachtet werden.

Sinnvoll sein kann eine gezielte Ergänzung von Nährstoffen, wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt. Das kann zum Beispiel bei Vitamin D oder Calcium der Fall sein, die für die Knochengesundheit wichtig sind. Wer mehrere Mittel gleichzeitig nimmt, sollte auch an mögliche Wechselwirkungen denken.

Fachgesellschaften warnen jedoch davor, jedes Symptom automatisch als hormonbedingt zu interpretieren. Ob tatsächlich die Perimenopause hinter den Beschwerden steckt, sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Die gute Nachricht: Wer die Veränderungen früh erkennt und medizinisch einordnen lässt, muss Beschwerden nicht einfach hinnehmen. Für viele Frauen gibt es heute deutlich mehr Unterstützung als noch vor wenigen Jahren.

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Dieses Thema im Programm:

ARD Mediathek | Perimenopause - Bin ich schon drin? | 30.07.2026

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