Heuschnupfen: Was hilft gegen Symptome der Pollenallergie?
Juckende Augen, laufende Nase, Niesattacken: Pollenallergien plagen Millionen von Menschen. Einfache Selbsthilfemaßnahmen können Heuschnupfen-Symptome lindern - auch ohne Tabletten oder Sprays.
Mit dem ersten Pollenflug im Dezember startet die Heuschnupfen-Saison. Immer mehr Menschen leiden unter einer Pollenallergie. Zudem entwickeln immer mehr Menschen im Alter erstmals Heuschnupfen. Etwa 15 Prozent der Deutschen reagieren laut einer Studie des Robert Koch-Instituts empfindlich auf Pollen. Die Pollenallergie ist damit die häufigste Allergie bei Erwachsenen in Deutschland.
Was ist Heuschnupfen?
Heuschnupfen ist eine allergische Reaktion auf die Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern. Sie betrifft vor allem die oberen Atemwege und Augen. Das Immunsystem erkennt deren Eiweiße fälschlicherweise als gefährlich und setzt daraufhin den Botenstoff Histamin frei. Es kommt zu Entzündungen vor allem an den Schleimhäuten.
Was ist der Unterschied zwischen Heuschnupfen und Pollenallergie?
Die Begriffe Heuschnupfen und Pollenallergie werden oft synonym verwendet, unterscheiden sich jedoch medizinisch voneinander. Die Pollenallergie bezeichnet die eigentliche Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf die Polleneiweiße. Heuschnupfen hingegen beschreibt die daraus entstehenden Beschwerden. Medizinisch gilt die Pollenallergie (allergische Rhinitis oder Pollinosis) als Ursache, Heuschnupfen als deren Folge. Bleibt die Allergie unbehandelt, kann es zu einem sogenannten Etagenwechsel kommen, bei dem sich die Entzündung auf die unteren Atemwege und damit auf die Bronchien ausbreitet (allergisches Asthma bronchiale).
Gräserpollen dominieren bei den Heuschnupfen-Auslösern
Die häufigsten Auslöser von Heuschnupfen sind Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern, die in Deutschland besonders hohe Konzentrationen erreichen. Unter den Bäumen sind vor allem Birke, Hasel und Erle relevant. Bei den Gräsern zählen Süßgräser wie Wiesenrispengras, Knäuelgras und Lieschgras sowie Getreidepollen von Roggen und Weizen zu den häufigen Auslösern. Unter den Kräutern sind Beifuß, Ampfer und Brennnessel besonders allergen. Eine Studie des Bundesumweltministeriums zeigt, dass Gräserpollen als die stärksten Auslöser gelten, da sie bei fast 60 Prozent der Betroffenen Symptome hervorrufen. Sie sind in der Luft von März bis Oktober, mit besonders hohen Konzentrationen von Mai bis Juli.
Heuschnupfen-Symptome: Juckende Augen, Schnupfen, Niesattacken
Heuschnupfen kann sich unterschiedlich äußern. Häufig treten die Beschwerden an mehreren Stellen gleichzeitig auf:
- Nase: Anhaltender Juckreiz, häufige Niesanfälle, wässrig-klares Nasensekret und eine verstopfte Nase. Ursache ist die Schwellung der Nasenschleimhaut durch die Freisetzung von Histamin.
- Augen: Juckende, brennende, tränende und gerötete Augen mit geschwollenen Lidern. Der Kontakt der Pollen mit der empfindlichen Bindehaut löst eine Entzündungsreaktion aus.
- Rachen und Atemwege: Jucken und Kratzen im Hals, Hustenreiz, Heiserkeit oder ein Engegefühl beim Atmen.
- Allgemein: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder Schlafprobleme infolge der ständigen Reizung und des nächtlichen Atmungsproblems. Viele Betroffene fühlen sich abgeschlagen, besonders während der Hauptsaison.
Typisch ist, dass sich die Beschwerden bei Regen oder in geschlossenen Räumen bessern, während sie sich im Freien bei trockenem Wind verschlechtern.
Ursachen von Pollenallergien: Gene und Umweltfaktoren
Neben einer erblichen Veranlagung spielen Umwelteinflüsse eine Rolle. Ein fehlgeleitetes Immunsystem stuft harmlose Polleneiweiße fälschlicherweise als Gefahr ein und bildet Antikörper gegen sie. Histamin und weitere entzündungsfördernde Stoffe werden freigesetzt und lösen die typischen Symptome wie Niesen, laufende Nase oder Augenjuckreiz aus.
In einer Studie zum Thema "Klima und Gesundheit" am Helmholtz Zentrum München untersuchten Forschende, wie Umwelteinflüsse Pflanzenpollen beeinflussen. Ihre Ergebnisse zeigen: Klimawandel und Umweltverschmutzung haben in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der Allergien deutlich steigen lassen. Prognosen zufolge könnte bis 2050 etwa die Hälfte aller Menschen von Allergien betroffen sein.
Hintergrund: Höhere Temperaturen führen dazu, dass viele Pflanzen mehr Pollen produzieren. Besonders Dürreperioden setzen die Pflanzen unter Stress. Um ihr Überleben zu sichern, reagieren sie darauf mit einer stark erhöhten Pollenproduktion - und mehr Pollen bedeuten mehr Allergene, was wiederum die Wahrscheinlichkeit von Allergien erhöht.
Diagnose von Heuschnupfen: Pricktest oder Blutuntersuchung
Bei Verdacht auf eine Pollenallergie sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Typische Verfahren sind der Pricktest oder eine Blutuntersuchung. Bei einem Pricktest werden Pollenextrakte auf die Haut getropft und die Haut anschließend mit einer kleinen und dünnen Nadel leicht angestochen. Eine Rötung innerhalb von 15 bis 20 Minuten deutet auf eine allergische Reaktion hin. Bei der Blutuntersuchung können erhöhte spezifische IgE-Antikörper nachgewiesen werden. Eine frühe Diagnose ist wichtig, um ein mögliches Fortschreiten der Allergie bis hin zu allergischem Asthma zu verhindern.
Selbsthilfe: Was tun gegen Pollen?
Einige einfache Maßnahmen können helfen, die Pollenbelastung zu senken und Symptome zu lindern:
- Aufenthalte im Freien begrenzen: Bei starkem Pollenflug sollten Aktivitäten im Freien weitgehend vermieden werden. Pollenflugkalender und aktuelle Pollenflugvorhersagen, wie die der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, können dabei helfen, belastungsarme Tage zu erkennen.
- Kleidung und Haare: Nach dem Aufenthalt im Freien Kleidung wechseln, um anhaftende Pollen zu entfernen. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. empfiehlt, Haare abends zu waschen oder gründlich auszubürsten, damit Pollen nicht ins Bett gelangen.
- Schlafzimmer: Fenster und Türen möglichst geschlossen halten, um Pollen fernzuhalten. Bettwäsche mindestens einmal pro Woche wechseln und nicht im Freien trocknen.
- Raumreinigung: Böden, Teppiche und Polstermöbel regelmäßig mit einem HEPA-Filter-Staubsauger reinigen. Glatte Flächen feucht abwischen, da trockenes Abstauben Pollen aufwirbelt.
- Lüften: In städtischen Gebieten morgens, auf dem Land abends lüften - vorzugsweise nach Regen, da die Luft dann besonders pollenarm ist
- Luftqualität verbessern: Luftreiniger mit Pollenfilter können die Belastung in Innenräumen senken. Regelmäßiger Filterwechsel ist wichtig für eine wirksame Reinigung.
- Im Auto: Fenster geschlossen halten und den Pollenfilter der Lüftungsanlage regelmäßig austauschen.
- Schutz im Freien: Sonnenbrillen können den Pollenkontakt mit den Augen reduzieren. Bei starkem Pollenflug oder Gartenarbeit kann eine FFP-2-Maske die Atemwege vor Pollen schützen.
- Urlaubsplanung: Pollenarme Regionen wie Küsten, Inseln oder Gebirgslagen können während der Blütezeit oft deutliche Beschwerdelinderung bieten.
Medikamente bei Heuschnupfen: Von Antihistaminika bis Kortison
Wenn Selbsthilfe-Maßnahmen nicht ausreichen, können Medikamente die Beschwerden bei Heuschnupfen lindern oder der allergischen Reaktion teilweise vorbeugen.
1. Antihistaminika (Tabletten, Nasenspray, Augentropfen)
Bei Kontakt mit Allergenen wird Histamin freigesetzt, was die typischen Heuschnupfensymptome verursacht. Antihistaminika blockieren die Wirkung des Histamins und lindern dadurch die Beschwerden.
- Als Tabletten: Wirken schnell gegen Juckreiz, Niesen und tränende Augen, meist innerhalb einer Stunde. Beispiele: Cetirizin, Loratadin, Levocetirizin. Bei den modernen Medikamenten ist Müdigkeit selten. Ältere Wirkstoffe wie Diphenhydramin können dagegen stärker müde machen.
- Als Augentropfen oder Nasensprays: Sie wirken lokal und machen daher nur selten müde. Wirkstoffe sind zum Beispiel Azelastin oder Levocabastin. Wirkung bereits nach etwa 15 Minuten.
2. Cromone
Cromone sind milde, rezeptfreie Medikamente, zu denen die Wirkstoffe Cromoglicinsäure und Nedocromil gehören. Sie können vorbeugend, circa eine Woche vor Beginn der Pollensaison angewandt werden und verhindern oder reduzieren dann das Entstehen von Beschwerden. Es gibt sie zum Beispiel als Nasensprays und Augentropfen.
3. Kortison
Kortikoide ähneln dem körpereigenen Hormon Kortisol. Sie hemmen Entzündungsprozesse, lassen die Schleimhäute abschwellen und lindern dadurch die Symptome.
- Als Nasensprays: Sie lindern Niesen, Juckreiz und eine verstopfte Nase. Wirkstoffe sind Beclometason, Fluticason oder Mometason. Eine gute Wirkung wird nach etwa ein bis zwei Tagen erreicht.
- Als Tabletten: Sie können bei stärkeren Beschwerden ärztlich verschrieben werden und sollten nur für eine kurze Zeit genommen werden.
4. Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (LTR)
Auch Leukotriene sind entzündungsfördernde Botenstoffe, die eine Rolle bei allergischen Reaktionen spielen, ähnlich wie Histamin. Sogenannte Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (LTR) blockieren gezielt die Rezeptoren für diesen entzündungsfördernden Stoff in den Atemwegen und lindern so Symptome. Sie kommen vor allem infrage, wenn Heuschnupfen und Asthma gemeinsam auftreten.
Heuschnupfen oder Erkältung? So lassen sich die Symptome unterscheiden
Heuschnupfen und Erkältung können ähnliche Symptome zeigen wie Schnupfen oder Halsschmerzen, unterscheiden sich in wichtigen Punkten jedoch voneinander. So bleibt das Nasensekret bei Heuschnupfen meist klar und flüssig, während es bei einer Erkältung oft gelblich und zäh ist. Beim Heuschnupfen tritt Niesen häufig und stoßweise auf, oft bei einem Ortswechsel ins Freie. Die Beschwerden bessern sich bei Regenwetter oder in Innenräumen, während sie draußen bei trockenem Wind schlimmer werden. Fieber, Gliederschmerzen oder Abgeschlagenheit sind bei Pollenallergien untypisch und deuten eher auf eine Erkältung hin.