Anaphylaktischer Schock: Symptome, Therapie und Spätfolgen
Der anaphylaktische Schock ist eine gefährliche Reaktion des Körpers, Ursache ist eine Allergie. Symptome sind beispielsweise Juckreiz oder Atemnot. Welche Therapie hilft? Gibt es Spätfolgen?
Der anaphylaktische Schock ist immer ein medizinischer Notfall und wird auch allergischer Schock oder oder Anaphylaxie genannt. Zentral ist, dass die Zeit zwischen dem Kontakt mit einem Allergen und heftigen, lebensgefährlichen allergischen Reaktionen des Körpers sehr kurz (akut) ist.
Laut "Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie" tritt eine Anaphylaxie bei sieben bis 50 Menschen pro 100.000 Einwohner pro Jahr auf. Ein bis drei Fälle pro Jahr pro eine Million Einwohner sterben schätzungsweise aufgrund eines anaphylaktischen Schocks.
Symptome: Einen anaphylaktischen Schock erkennen
Bei einem anaphylaktischen Schock kommt es sehr plötzlich zu teils starken Beschwerden in mehreren Körperbereichen. Im Extremfall am ganzen Körper. Oft begleitet die Anaphylaxie ein Gefühl des Unbehagens, Angst, Kopfschmerzen, Kribbeln und Schwindel. Es kann auch zu vermehrter Luftnot oder Kreislaufversagen kommen. Auch eine Kombination aus diesen und anderen allergischen Symptomen ist möglich.
Erste Warnzeichen für eine Anaphylaxie (Prodromalsymptome) können sein:
- Juckreiz oder Brennen (Handinnenflächen, Fußsohlen, Genitalbereich)
- Hautrötungen oder Quaddeln auf der Haut
- Brennen oder Kribbeln (Zunge, Gaumen)
- metallischer Geschmack auf der Zunge
- Schluckbeschwerden
- Angstgefühle, Panik
- plötzliche Kopfschmerzen
- Desorientierung
Es gibt Betroffene, die besonders "anfällig" für schwere anaphylaktische Reaktionen sind, so zum Beispiel Betroffene mit einem allergischen Asthma kombiniert mit einer Nahrungsmittelallergie.
Schweregrade des anaphylaktischen Schocks
Die Symptome für einen allergischen Schock reichen von lokalen Beschwerden bis hin zu Blutdruckabfall und schwerem Allergie-Schock. Die Reihenfolge der Symptome kann dabei stark variieren. Während einige Allergikerinnen und Allergiker nur leichte Symptome entwickeln, treten bei anderen starke Reaktionen auf. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden vier Schwergrade einer Anaphylaxie:
- Grad 1: Hautrötung, Juckreiz (Mund, Handflächen, Genitalien), Quaddeln, Hautschwellung
- Grad 2: Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Atemnot, Herzrasen, Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen
- Grad 3: Kehlkopfschwellung, Atemkrämpfe, Bewusstseinstrübung
- Grad 4: Atemstillstand, Kreislaufstillstand (sehr selten)
Anaphylaktischer Schock und verstärkende Faktoren
Bei einer Anaphylaxie reagiert der Körper mit überschießender Abwehr auf den Kontakt zum Beispiel mit Insektengift, Nahrungsmitteln oder Medikamenten. Dabei aktivieren spezielle Eiweißstoffe im Immunsystem einen Zellentypus (Mastzellen/basophile Granulozyten), der die entzündungsfördernden Botenstoffe - zum Beispiel Histamin - ausschüttet. Verschiedene Faktoren können eine allergische Reaktion verstärken:
- körperliche Belastung
- Medikamente
- akute Infektionskrankheiten
- Stress
- warme Temperaturen, Hitze
- Alkohol
Erste Hilfe bei anaphylaktischem Schock
Ist die betroffene Person ansprechbar:
- Person beruhigen, Atmung und Kreislauf checken
- Rettungsdienst anrufen, Rufnummer 112
- Menschen in der Nähe informieren und als mögliche Ersthelfer aktivieren.
- Auslöser der allergischen Reaktion (Allergen) vom Betroffenen entfernen, wenn bekannt (zum Beispiel Wespenstachel bei Allergie auf Insektengift).
- Bei Bedarf Notfallset einsetzen, wenn vorhanden (enthält in der Regel vor allem Adrenalin als Pen/Adrenalin-Injektor und ein Antihistaminikum).
Ist die betroffene Person nicht ansprechbar:
- Rettungsdienst anrufen, Rufnummer 112
- Menschen in der Nähe informieren, damit sie, wenn nötig, helfen können.
- bei Atemnot Person hinsetzen (Arme nach hinten abgestützt)
- bei Kreislaufbeschwerden die Person hinlegen (Beine hochlagern)
- bei Bewusstlosigkeit Person in die stabile Seitenlage bringen
Einsatz eines Notfallsets
Beschränkt sich die allergische Reaktion auf die Haut, reicht es häufig, wenn das Kortison in dem Notfallset zum Einsatz kommt. In der Regel ist ein Set ausgestattet mit Adrenalin-Pen, Kortison und Antihistaminikum - meist führen es Patienten mit sich, die bereits eine schwere allergische Reaktion hatten. Bei sonstigen leichteren Reaktionen kann das Antihistaminikum und ebenfalls das Kortisonpräparat helfen. Sie sollten möglichst schnell gegeben werden.
Bei schwereren Reaktionen ist eine Adrenalinspritze mit dem Autoinjektor notwendig. Kann sich der Patient die Spritze nicht mehr selbst verabreichen, ist eine Injektion durch einen Helfer möglich, wenn ihm die korrekte Anwendung von Pen oder Notfallspritze bekannt ist. Anschließend muss der Betroffene weiter beobachtet werden. Es gibt Schulungsprogramme, in denen der Umgang mit dem Notfallset vermittelt wird. Familienmitglieder, Freunde und Kollegen sollten mit dem Gebrauch des Notfallsets vertraut sein.
Ursachen: Typische Auslöser für Anaphylaxie
Die häufigsten Auslöser für eine Anaphylaxie sind Insektengifte durch Wespenstich oder Bienenstich, Hülsenfrüchte, tierische Eiweiße (zum Beispiel Meeresfrüchte) sowie Schmerzmittel. Bei Kindern sind es meist Nahrungsmittel-Reaktionen (Erdnüsse, Kuhmilch, Hühnerei). Auch leichte Schmerzmittel können einen anaphylaktischen Schock auslösen. Dazu zählen:
Eine allergische Reaktion auslösen können auch:
- Antibiotika
- lokale Betäubungsmittel
- Kontrastmittel zum Röntgen
- Magensäuremittel, Magensäureblocker und Medikamente gegen Reflux (Protonenpumpenhemmer)
- kortisonhaltige Entzündungshemmer (Glukokortikoide)
- Medikamente gegen Bluthochdruck (Betablocker, ACE-Hemmer)
Therapie: Was hilft bei einem anaphylaktischen Schock?
Das wichtigste Medikament zur Therapie einer schweren anaphylaktischen Reaktion ist Adrenalin. Durch die Gabe mit einer Injektionshilfe (Autoinjektor) wird innerhalb weniger Minuten die Durchblutung verbessert, die Atmung erleichtert und es lindert die Hautschwellungen. Meist wird es in den Oberschenkelmuskel gespritzt. Zusätzlich kann ein Antihistaminikum und - je nach Situation - ein Kortisonpräparat helfen. Selbst nach erfolgreicher Therapie können die Symptome innerhalb von sechs bis 24 Stunden erneut beginnen.
War die anaphylaktische Reaktion sehr stark, ist es sinnvoll, nach der Behandlung für etwa 24 Stunden unter medizinischer Beobachtung - möglichst in einer Klinik - zu bleiben, da eine weitere Reaktion noch nach Stunden möglich ist (biphasischer Verlauf). Bei einem schweren anaphylaktischen Schock ist oft eine längere Überwachungs- und Stabilisierungsphase sinnvoll.
Spätfolgen und langfristige Schäden
Spätfolgen durch einen anaphylaktischen Schock sind äußerst selten: Sie können aber indirekt entstehen, wenn es aufgrund eines massiven anaphylaktischen Schocks zu lebensbedrohlichen Situationen mit Herzstillstand, Kreislaufkollaps und/oder Atemstillstand kommt, die überlebt werden. Es geht also eher um Folgeschäden, als um klassische Spätfolgen.
Weil beim Zusammenbruch des Herz-Kreislauf-Systems Gewebe und Organe unter Umständen nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden, können - je nach Schweregrad und Dauer - Organschäden oder Funktionsstörungen zurückbleiben. Das kann beispielsweise bei Gefäßen und am Herzen, den Nieren, im Gehirn oder auch anderen Organen möglich sein. Solche massiven Spätfolgen sind sehr selten und dann auch sehr individuell.