Acetylsalicylsäure (ASS): Wirkung und Nebenwirkungen von Aspirin
Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), bekannt als Aspirin, wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. Außerdem wird das Schmerzmittel manchmal als Blutverdünner eingesetzt.
Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wurde bereits um 1900 als Mittel gegen Entzündungsschmerz, Rheuma und Fieber angewendet. Heute werden Präparate mit ASS, von denen Aspirin wohl das bekannteste ist, vor allem bei akuten Beschwerden wie Kopfschmerzen eingesetzt. Zudem hat sich ASS bei Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko nach einem Herzinfarkt oder ischämischen Schlaganfall zur weiteren Prävention bewährt. Die längerfristige Einnahme und/oder hohe Dosierungen können Nebenwirkungen mit sich bringen. Besondere Vorsicht ist bei Kombipräparaten gegen Erkältung und Grippe geboten.
Welche Wirkung hat Acetylsalicylsäure?
Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure gehört zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR): Der Wirkstoff hemmt das Enzym Cyclooxygenase und damit auch die Bildung von Prostaglandinen. Das sind körpereigene Stoffe, die eine große Rolle bei Entzündungsprozessen und bei der Entstehung von Schmerzen spielen. Außerdem wirkt ASS blutgerinnungshemmend: Der Wirkstoff verhindert, dass die Blutplättchen miteinander verklumpen.
Anwendung und Dosierung von ASS
Es gibt Acetylsalicylsäure als Tabletten, Brausetabletten oder Granulat. Tabletten werden mit reichlich Wasser aufgenommen, die anderen Darreichungsformen in Wasser aufgelöst. Die Medikamente sind besser verträglich, wenn man sie nicht auf leeren Magen nimmt. Deshalb wird insbesondere Menschen mit empfindlichem Magen empfohlen, ASS nach dem Essen einzunehmen. Außerdem sollte die auf der Medikamentenverpackung angegebene Dosierung und Anwendungsdauer unbedingt befolgt werden.
Die richtige Dosierung von ASS richtet sich nach der Art der Beschwerden: Gegen Schmerzen und Fieber sollte der Wirkstoff nicht länger als drei bis vier Tage angewendet werden. Eine Einzeldosis sollte 1.000 Milligramm nicht übersteigen, die Tageshöchstdosis liegt in der Regel bei 3.000 Milligramm. Zur Blutverdünnung ist hingegen eine dauerhafte Anwendung mit niedrigerer Dosierung von 100 Milligramm pro Tag notwendig.
Aspirin: Diese Nebenwirkungen gibt es
Wie alle Medikamente können auch Präparate mit Acetylsalicylsäure unerwünschte Wirkungen haben. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit der Dauer der Einnahme und bei höheren Dosierungen. Folgende Nebenwirkungen sind unter anderem möglich:
- Magen-Darm-Probleme: Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Durchfall, Entzündungen oder Blutungen
- erhöhte Blutungsneigung
- Überempfindlichkeitsreaktionen zum Beispiel der Haut
- Blutungen wie Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Hautblutungen oder Blutungen des Urogenitaltraktes mit einer möglichen Verlängerung der Blutungszeit
- Überempfindlichkeitsreaktionen der Atemwege, des Verdauungssystems oder des Herz-Kreislauf-Systems vor allem bei Asthmatikern
- Probleme mit dem Nervensystem: Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, mentale Verwirrung, Seh- oder Bewusstseinsstörungen
- Nierenfunktionsstörungen
- Leberschäden
ASS: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Bei der gleichzeitigen Einnahme von Präparaten mit Acetylsalicylsäure und anderen Medikamenten kommt es mitunter zu Wechselwirkungen. Das bedeutet, dass die Wirkung der Medikamente durch die gemeinsame Einnahme verstärkt, abgeschwächt oder verändert werden kann oder die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen steigt. Infos darüber gibt es im Beipackzettel des Präparates. Wechselwirkungen können bei der Einnahme von ASS auftreten in Kombination mit:
- anderen Blutgerinnungshemmern (Blutverdünner)
- anderen nicht-steriodalen Antirheumatika (NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac)
- Kortison
- Medikamenten gegen Diabetes
- entwässernden Medikamenten
- Medikamenten zur Behandlung von Bluthochdruck
Kombipräparate mit ASS
Kombipräparate sollen alles auf einmal können: Fieber senken, Schmerzen lindern, die Nase befreien und Husten mildern. Kombipräparate mit ASS werden oft als schnelle Hilfe bei Erkältung und Grippe beworben. Doch hier ist Vorsicht geboten: Viele wissen gar nicht, welche Wirkstoffe noch enthalten sind - das birgt die Gefahr der Überdosierung einzelner Wirkstoffe. Zudem steigt mit der Zahl der verschiedenen Wirkstoffe auch die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Wer derartige Mittel dennoch einnehmen möchte, sollte sich dazu gut in der Apotheke beraten lassen und die Hinweise im Beipackzettel lesen und beachten.
ASS als Blutverdünner
Acetylsalicylsäure wurde eher zufällig als Blutverdünner entdeckt. Die eigentlich unerwünschte Nebenwirkung der erhöhten Blutungsneigung machen sich Medizinerinnen und Mediziner heute etwa bei der Vorbeugung von erneuten Herzinfarkten und Schlaganfällen für Risikopatienten mit entsprechender Vorerkrankung zu Nutze. In einer niedrigen Dosierung (in der Regel 100 Milligramm täglich) verhindert ASS, dass die Blutplättchen verklumpen. Wichtig für Patientinnen und Patienten: Schon bei einem kleineren Eingriff etwa in der Zahnarztpraxis kann die blutverdünnende Wirkung problematisch werden. Aber: Nicht eigenmächtig absetzen, sondern vorab mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob das Mittel weiter genommen oder vor dem anstehenden Eingriff abgesetzt werden soll. Die blutverdünnende Wirkung hält in der Regel rund sieben Tage an.
Wer sollte ASS nicht einnehmen?
Wer in der Vergangenheit einen Asthmaanfall hatte, der durch ASS oder andere Medikamente der Gruppe NSAR ausgelöst wurde, sollte entsprechende Präparate nicht einnehmen. Gleiches gilt bei akuten Blutungen oder Geschwüren im Verdauungstrakt, bestimmten Blutgerinnungsstörungen, Leber- und Nierenversagen sowie schwerer, nicht eingestellter Herzinsuffizienz.
Acetylsalicylsäure: Was gilt für Kinder, Schwangere und in der Stillzeit?
In der Selbstmedikation dürfen Kinder und Jugendliche Mittel mit ASS nicht einnehmen, denn es besteht die Gefahr eines Reye-Syndroms. Das ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Erkrankung, die zu Leber- und Hirnschäden führt und bei Kindern und Jugendlichen nach der Einnahme von Medikamenten mit ASS auftreten kann. Die genauen Ursachen sind nicht geklärt. Anzeichen sind heftiges Erbrechen, Kopfschmerzen, zunehmende Apathie, später auch Verwirrtheit und Krampfanfälle. In dieser Altersgruppe darf ASS daher nur auf ärztliche Anweisung und in absoluten Ausnahmefällen angewendet werden.
In den ersten zwei Trimestern der Schwangerschaft sollte ASS nicht angewendet werden - wenn, dann nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt und in so geringer Dosierung und so kurzer Dauer wie möglich. Im letzten Schwangerschaftsdrittel darf Acetylsalicylsäure nicht eingenommen werden. ASS geht in die Muttermilch über - bei gelegentlicher Anwendung sind bislang keine nachteiligen Auswirkungen auf das Baby bekannt. Wer Mittel mit dem Wirkstoff dauerhaft oder in hohen Dosen einnehmen muss, sollte besser abstillen.