Nierensteine: Vorbeugung, Symptome und richtige Behandlung

Stand: 03.11.2025 14:09 Uhr | vom

In Deutschland leiden etwa fünf Prozent der Menschen an Nierensteinen, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Fälle mehr als verdreifacht.

Nierensteine können lange Zeit unbemerkt bleiben, aber auch schmerzhafte Nierenkoliken und Harnstau verursachen. Im schlimmsten Fall droht eine Blutvergiftung.

Nierenkolik durch Nierensteine: Symptome und Diagnose

Nierensteine entstehen meist im Nierenhohlsystem und wandern über das Nierenbecken in die Harnleiter. Wenn sie dort festklemmen, können die typischen kolik- und krampfartigen Schmerzen auftreten, weil der Körper versucht, die Steine durch Muskelkraft weiterzubewegen. Die Beschwerden äußern sich meist als krampfender Schmerz an den Flanken im Nierenbereich, Rücken oder Unterbauch. Auch Übelkeit und Erbrechen, Fieber und Blut im Urin können auftreten.

Durch den verstopften Harnleiter kann es zu einem behandlungsbedürftigen Harnstau kommen. Der Urin kann nicht mehr in die Blase abfließen und sammelt sich im Nierenbecken an. Dadurch drohen Nierenschäden. Bakterien können sich außerdem sehr schnell vermehren und zu einer Entzündung führen. In einigen Fällen steigen die Entzündungswerte so stark, dass eine Blutvergiftung droht.

Mit einer Ultraschalluntersuchung oder anderen bildgebenden Verfahren (CT, MRT) kann ein Urologe Nierensteine sicher nachweisen.

Die Analyse von Blut und Urin gehört neben der Krankengeschichte (Anamnese) ebenfalls zur Diagnostik von Nierensteinen. Bakterien im Urin zeigen an, dass sich Blase oder Nieren aufgrund eines Harnstaus entzündet haben.

Blutwerte wie Kreatinin (ein erhöhter Wert zeigt an, dass die Nieren nicht richtig arbeiten), der CRP-Wert (Entzündungsmarker) sowie Kalium, Phosphat und Harnsäure (erhöhte Konzentration von Blutsalzen, aus denen Nierensteine entstehen) dienen ebenfalls zur Diagnostik von Nierensteinen.

Studiogespräch mit dem Urologen Thorsten Bach.

Nierensteine können heftige Schmerzen auslösen. Wann eine OP nötig ist - und wann Trinken, Bewegung und Ernährung helfen.

Ursache von Nierensteinen: Ungesunde Ernährung

Die Entstehung von Kalziumoxalat- und Harnsäuresteinen in der Niere hängt eng mit der Ernährung zusammen. Ein Großteil der Erkrankungen ließe sich verhindern. Die Ursachen für die Entwicklung von Nierensteinen liegen in einer Kombination aus genetischer Veranlagung und dem Lebensstil. Oft entwickeln sich die Steine infolge von ungesunden Ernährungsgewohnheiten, unzureichender Flüssigkeitsaufnahme und Stoffwechselstörungen. Dadurch kristallisieren im Urin gelöste Salze oder Harnstoffe und verklumpen.

Fünf Faktoren können Nierensteine auslösen

Für mehr als die Hälfte der Nierenstein-Fälle sind laut einer Studie fünf Faktoren verantwortlich:

Eine Veränderung der Ess- und Lebensgewohnheiten kann das Risiko, dass sich ein Nierenstein bildet, um 40 Prozent reduzieren, wie Experten betonen.

Es gibt allerdings auch eine familiäre Vorbelastung für die Erkrankung an Nierensteinen. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Gicht, Diabetes und eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, führen zu einem erhöhten Risiko für die Nieren und für Nierensteine.

Bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) wird vermehrt Kalzium aus den Knochen freigesetzt, der Stoff, aus dem unter anderem Nierensteine entstehen.

Kalzium: Auf die Menge kommt es an

Etwa drei Viertel aller Nierensteine bestehen aus Kalzium und Oxalat. Deshalb galt eine zu hohe Kalziumzufuhr lange Zeit als steinfördernd und Betroffenen wurde empfohlen, sich kalziumarm zu ernähren. Mittlerweile haben Studien gezeigt, dass eine kalziumarme Kost das Risiko für Nierensteinrezidive erhöht. Ärzte und Ärztinnen empfehlen, zwischen 1.000 und 1.200 Milligramm Kalzium pro Tag über geeignete Lebensmittel (zum Beispiel Milchprodukte oder kalziumreiches Mineralwasser) zu sich zu nehmen.

Hochdosiertes Vitamin D erhöht Gefahr für Nierensteine

Nierensteine können auch infolge einer übermäßig hohen Einnahme von Vitamin-D-Präparaten entstehen. Vor allem im Internet werden teilweise Produkte mit sehr hohen Dosierungen pro Kapsel angeboten. Vitamin D ist an der körpereigenen Regulation des Kalziumhaushalts beteiligt. Zu viel Vitamin D führt auf Dauer zu einem überhöhten Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie), der die Bildung von Nierensteinen begünstigen kann.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, eine maximale Tagesdosis von 20 Mikrogramm, also 800 IE (internationale Einheiten). Ist aus medizinischer Sicht eine höhere Dosierung nötig, sollte die Einnahme nur unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle erfolgen. Als sichere Obergrenze für die tägliche Aufnahme von Vitamin D gibt die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Erwachsene eine Dosis von 4.000 IE pro Tag an.

Mehrere Vitamin-D-Tabletten auf einem Löffel, andere liegen drum herum verstreut auf dem Tisch.

Vitamin D wird mithilfe von Sonnenlicht gebildet. Eine Unterversorgung kann die Knochengesundheit und das Immunsystem beeinträchtigen.

Art der Nierensteine für Behandlung wichtig

Für die Behandlung der Nierensteine ist deren Ursache und Art wichtig.

Wann Nierensteine medizinisch behandelt werden müssen

Kleinere Steine gehen in den meisten Fällen spontan ab. Ihre Ausscheidung kann durch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr und durch körperliche Aktivität gefördert werden. Es kann hilfreich sein, den abgegangenen Harnstein mit einem Sieb oder eine Kaffeefiltertüte aufzufangen. Denn dann kann der Nierenstein im Labor auf seine Bestandteile untersucht werden. Das ist wichtig für die weitere Behandlung und Vorbeugung von Steinleiden.

Werden die Steine nicht spontan ausgeschieden, können sie mithilfe der sogenannten extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) oder mit einem endoskopischen Verfahren wie Ureterorenoskopie und Nephrolithotomie zerstört werden.

Nierensteine durch geeignete Ernährung verhindern

In bis zu 50 Prozent der Fälle treten Nierensteine wiederholt auf. Deshalb müssen die Steine analysiert werden. Die Zusammensetzung gibt Hinweise darauf, wie eine effektive Therapie oder Vorsorge aussehen kann. Sinnvolle prophylaktische Maßnahmen sind:

Experte und Expertin aus dem Beitrag

Wackelturm aus Bauklötzen mit der Aufschrift: Magnesium, Kalzium, Oxalsäure, Salz, Eiweiß.

Eine Umstellung der Ernährung kann das Risiko für neue Kalziumoxalat-Nierensteine maßgeblich reduzieren.

Eine grafische Darstellung der Nieren im Brustkorb.

Immer mehr Menschen erkranken an einer Niereninsuffizienz. Das Problem: Merkliche Symptome zeigen sich erst spät.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Visite | 04.11.2025 20:15

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