Hashimoto: Symptome und Behandlung bei Schilddrüsenunterfunktion
Die häufigste Form der Schilddrüsenunterfunktion ist Hashimoto-Thyreoiditis. Typische Symptome sind Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme und trockene Haut. Welche Behandlung hilft?
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. In den meisten Fällen ist sie autoimmunbedingt, dann spricht man von Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei greift das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die Zellen der Schilddrüse an und schädigt diese. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann aber auch durch Medikamente wie zum Beispiel Lithium (Antidepressivum), Amiodaron (Antiarrhythmikum) oder Tyrosinkinase-Inhibitoren (Tumormedikamente) ausgelöst werden. Ebenso kann eine Entfernung der Schilddrüse, eine Bestrahlung oder ein ausgeprägter Jod- oder Selenmangel zu der Erkrankung führen. Letzteres ist in Deutschland jedoch selten.
Schilddrüsenunterfunktion: Das sind die Symptome
Die Schilddrüse (Thyroidea) ist ein kleines Organ, das schmetterlingsförmig unterhalb des Kehlkopfes im Hals liegt. Es produziert wichtige Hormone wie die beiden Schilddrüsenhormone T3 und T4. Sie sind unerlässlich für viele Stoffwechselprozesse und das Körperwachstum. Fehlen sie oder ist von ihnen zu wenig vorhanden, sprechen Mediziner und Medizinerinnen von einer Hypothyreose, einer Schilddrüsenunterfunktion.
Die Symptome der Erkrankung treten meist schleichend auf und sind eher unspezifisch. So klagen Betroffene zum Beispiel über Schwäche, Müdigkeit und schnelle Erschöpfung. Auch ein niedriger Puls und Kurzatmigkeit können auftreten, ebenso wie Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme und Verstopfungen. Die Haut kann kühl und trocken werden. Die Haare können trocken oder brüchig werden und es kann sogar zu Haarausfall kommen. Auch psychische Beschwerden wie Depressivität, Antriebsarmut, Teilnahmslosigkeit oder Konzentrations- und Gedächtnisstörungen können durch die Erkrankung hervorgerufen werden. Sie kann den weiblichen Zyklus, die Erektion und die Fruchtbarkeit stören.
Ursachen bei Hashimoto-Thyreoiditis: Das passiert im Körper
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache der Schilddrüsenunterfunktion. Dabei bildet das Immunsystem irrtümlicherweise Antikörper gegen spezifische Bestandteile der Schilddrüse: zum einen gegen das Enzym Thyreoperoxidase, das auf der Außenwand der Schilddrüsenzellen sitzt (Anti-TPO-Antikörper), zum anderen gegen Thyreoglobulin, ein Vorläuferprotein der Schilddrüsenhormone (Anti-Tg-Antikörper). Das Immunsystem greift dadurch die eigenen Körperzellen an. Die Folge: eine chronische Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis).
Besonderheiten bei Hashimoto-Thyreoiditis: Hashitoxikose und andere Autoimmunerkrankungen
Zu Beginn ist Hashimoto-Thyreoiditis meist asymptomatisch. Das liegt daran, dass es einige Zeit dauert, bis die Schilddrüsenzellen durch die chronische Entzündung unwiederbringlich zerstört sind und so keine Hormone mehr produzieren können. Zudem besitzt die Schilddrüse große Reserven.
Ein für die Erkrankung typisches Phänomen ist jedoch, dass es zu Beginn vorübergehend auch zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen kann. Man nimmt an, dass durch die Zerstörung des Schilddrüsen-Gewebes plötzlich in den Follikeln gespeicherte Schilddrüsenhormone freigesetzt werden. Dadurch kommt es zeitweise zu den Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion, eine sogenannte Hashitoxikose.
Außerdem kann Hashimoto-Thyreoiditis mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1, der Autoimmungastritis oder der Nebennierenrindenunterfunktion, Morbus Addison, einhergehen..
Frauen besonders häufig von Hashimoto betroffen
Warum es zu der Erkrankung kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass Genetik, Geschlecht und diverse Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. So sind zum Beispiel Frauen besonders häufig von einer Hashimoto-Thyreoiditis betroffen. Man nimmt an, das weibliche Geschlechtshormon Östrogen begünstigt die Entstehung, Progesteron und das männliche Geschlechtshormon Testosteron wirken eher entgegen. Bestimmte Infektionen, vor allem eine Hepatitis-C-Infektion, Stressreaktionen und Vitamin-D-Mangel tragen vermutlich auch zum Auftreten der Erkrankung bei.
Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion: TSH-Wert-Bestimmung und Sonografie
Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt stufenweise. Zunächst wird der TSH-Wert bestimmt. Dabei handelt es sich um ein Hormon (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), das in der Hypophyse produziert wird und die Produktion von T3 und T4 in der Schilddrüse stimuliert. Ist es erhöht, kann das - vereinfacht gesagt - ein Zeichen dafür sein, dass dem Körper Schilddrüsenhormone fehlen. Deshalb kurbelt er die Produktion an und schüttet mehr TSH aus.
Laut der Leitlinie "Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis" der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. gelten folgende TSH-Werte als erhöht:
- 18 bis 70 Jahre: > 4,0 mU/l
- > 70 bis 80 Jahre: > 5,0 mU/l
- > 80 Jahre: > 6 mU/l
Zur Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis werden die Anti-TPO- und Anti-Tg-Antikörper bestimmt. Auch ein Ultraschall der Schilddrüse gibt Aufschlüsse: So können Ärztinnen und Ärzte hier bereits mögliche vernarbte Areale und eine mögliche Verkleinerung der Schilddrüse erkennen.
Standard-Behandlung der Hypothyreose: Hormonsubstitution L-Thyroxin
Die Behandlung einer symptomatischen Hypothyreose erfolgt durch die Substitution mit L-Thyroxin (Levothyroxin). Es entspricht dem körpereigenen Schilddrüsenhormon T4. Im Blut und den meisten Körperzellen wird es in T3 umgewandelt. Das ist die biologisch deutlich aktivere und wirksamere Form der beiden Schilddrüsenhormone. Nebenwirkungen treten bei richtiger Dosierung praktisch nicht auf. In hohen Dosen kann die Einnahme zu Nervosität führen. Nach zwei bis drei Monaten machen Ärztinnen und Ärzte eine erste Verlaufskontrolle und bestimmen den TSH-Wert erneut. So wird festgestellt, welche Dosis auf Dauer die richtige ist. Wichtig ist es auch, danach regelmäßige Verlaufskontrollen zu machen, denn die körpereigene Produktion kann sich ändern und die Dosis muss angepasst werden.
Latente Hypothyreose: Fachleute über L-Thyroxin-Einnahme
Mediziner und Medizinerinnen unterscheiden eine sogenannte latente Hypothyreose von einer manifesten. Manifest heißt, die Person hat erhöhte TSH-Werte und leidet unter den Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion. Dann sollte immer eine Therapie erfolgen, heißt es in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V.
Eine latente Hypothyreose heißt, dass die betroffene Person zwar erhöhte TSH-Werte, aber keine Symptome hat. Hier soll individuell entschieden werden, ob L-Thyroxin eingenommen werden soll oder nicht. Dagegen spricht, dass die Betroffenen keine Beschwerden durch ihre Erkrankung haben. Dafür sprechen Hinweise, dass bei mäßig oder stark erhöhten TSH-Werten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigen könnte. Bei nur leicht erhöhtem TSH-Wert konnte bisher kein derartiger Zusammenhang beobachtet werden.
Schilddrüsenunterfunktion: L-Thyroxin richtig nehmen
L-Thyroxin sollte am besten auf nüchternen Magen, 30 Minuten vor dem Essen, am besten vor dem Frühstück, eingenommen werden. Hormonausschüttungen im Körper unterliegen einem tageszeitlichen Rhythmus, deshalb ist es ratsam, auch L-Thyroxin immer zur selben Uhrzeit einzunehmen. Außerdem verringert sich dadurch das Risiko, es zu vergessen.
Schilddrüsenunterfunktion bei Frauen: Diese Besonderheiten gibt es
Frauen leiden häufiger als Männer an einer Schilddrüsenunterfunktion und besonders häufig an Hashimoto-Thyreoiditis. Insbesondere im Alter zwischen 30 und 50 tritt die Erkrankung bei ihnen auf. Deshalb wird sie teilweise nicht richtig erkannt, denn Betroffene und Ärzte und Ärztinnen können die entsprechenden Symptome als Wechseljahresbeschwerden deuten.
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann bei einer Frau auch spezifische Symptome verursachen: Zum einen kann sie zu Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus, wie einem Ausbleiben der Monatsblutung oder besonders starken Regelblutungen, führen. Zum anderen kann der Mangel an Schilddrüsenhormonen auch die Fruchtbarkeit einschränken. In der Schwangerschaft sind ausreichende Schilddrüsenhormone auch für das heranwachsende Kind essenziell, denn ein ausgeprägter Mangel kann zu Gedeihstörungen und Intelligenzminderung führen. Auch ein möglicher Zusammenhang zu Schwangerschaftskomplikationen wie Aborten wird immer wieder diskutiert.
Die richtige Ernährung bei Schilddrüsenunterfunktion: Keine Verbote
Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion müssen auf keine Lebensmittel verzichten. Zwar enthalten bestimmte Lebensmittel sogenannte strumigene oder goitrogene Stoffe - das sind Stoffe, die die Aufnahme von Jod und die Produktion von Schilddrüsenhormonen hemmen - allerdings müsste man die entsprechenden Lebensmittel in großen Mengen dauerhaft zu sich nehmen, damit diese Wirkung eintritt. Hinzukommt, dass strumigene Stoffe beim Kochen oder Erhitzen inaktiviert werden. Auch Menschen mit einer Hypothyreose können also typische strumigene Lebensmittel - wie zum Beispiel Kohlgemüse, Sojaprodukte und andere Hülsenfrüchte - essen.
Was Betroffenen bei Hashimoto-Thyreoiditis jedoch helfen kann, ist eine entzündungshemmende Ernährung mit viel Gemüse, reich an Omega-3-Fettsäuren, Prä- und Probiotika und antioxidativen Pflanzenstoffen.