Svea Köhlmoos zeigt einen Einbeinstand auf einem Balance Pad.

Was hilft bei chronischen Knieschmerzen?

Stand: 09.07.2023 19:33 Uhr

Bei chronischen Schmerzen im Knie kann eine sogenannte multimodale Therapie helfen - mit gezielter Bewegung, Physiotherapie und Psychotherapie.

Muskeln stabilisieren das Knie. Stimmt zwischen ihnen die Balance nicht, beschleunigt das den Knorpelverschleiß und fördert Arthrose. Kräftigungsübungen lindern die Schmerzen. Naturgemäß versucht man, ein schmerzendes Gelenk zu schonen. Das empfiehlt sich aber lediglich im akuten Entzündungsstadium, wenn es gerötet und geschwollen ist. Betroffene sollten mit leichter Belastung beginnen und sich vorsichtig an die richtige Intensität herantasten. Totale Schonung ist Gift: Auf die Dauer macht fehlende Bewegung kranke Gelenke noch steifer und schmerzhafter, denn der umgebende Bandapparat verkürzt sich und wird unflexibel.

Warum Bewegungstherapie die Knieschmerzen lindert

Schematische Darstellung: Anatomie von Oberschenkel und Knie.
Starke, trainierte Muskulatur hält das Kniegelenk in der richtigen Position.

Bewegung dagegen stärkt die stützende Muskulatur und fördert die Durchblutung. Außerdem wird nur bei Belastung die wichtige Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel gepumpt, die die Knorpelschicht geschmeidig hält und so das Gelenk "schmiert". Die Knie-Bewegung wird durch vier Muskeln am Oberschenkel gesteuert. Sind die das Gelenk umgebenden Muskeln kräftig und ausbalanciert, dann kann die Bewegung optimal funktionieren. Sind die Muskeln zu schwach oder nicht in Balance, dann droht ein früher Knorpel-Verschleiß durch die erhöhte oder falsche Belastung.

Therapiestufe eins: Knie-Stabilisierung durch Wackelübungen

Mit geeignetem Training lässt sich das Knie stabilisieren. Gleichgewichtsübungen auf dem Wackelbrett verbessern die Steuerung des Kniegelenks, die sogenannte Propriozeption (Eigenempfindung). Das Knie lernt dabei wahrzunehmen, wo es sich im Raum befindet und welche Muskeln angespannt werden müssen.

Physiotherapeutin Svea Köhlmoos zeigt passende Übungen
Physiotherapeutin Svea Köhlmoos steht vornüber an die Wand gelehnt.

Die Fersen beim Strecken möglichst ganz auf den Boden bringen. 15-20 Wiederholungen in drei Durchgängen.

Svea Köhlmoos zeigt eine Übung.

Diese Übung dehnt den Oberschenkelmuskel. Dazu im Stand ein Knie anwinkeln und rückwärtig mit der Hand das Fußgelenk umgreifen. Die Dehnung mindestens für 20 Sekunden halten.

Svea Köhlmoos zeigt eine Übung.

Diese Übung dehnt den Oberschenkelmuskel. Dazu im Stand das betroffene Bein nach hinten versetzen, aber das Becken nach vorn kippen. Diese Dehnung für mindestens 20 Sekunden halten.

Svea Köhlmoos zeigt eine Übung.

Für diese Balance-Übung ein Kissen oder eine gefaltete Decke verwenden. Empfohlen werden zwei bis drei Durchgänge à zehn Wiederholungen pro Bein.

Svea Köhlmoos zeigt eine Übung zur Beinadduktion mit einem Theraband

Zur Steigerung kann man ein Theraband mit größerer Stärke eingesetzt, so erhöht sich der Widerstand.

Svea Köhlmoos kräftig die Adduktoren mithilfe eines Therabandes.

An das zu beübende Bein wird ein Theraband befestigt. In Schrittstellung gehen, Fußspitzen zeigen nach vorne. Dann das Bein über die Mittellinie zur anderen Seite bewegen.

Svea Köhlmoos zeigt einen Einbeinstand auf einem Balance Pad.

Eine Übung mit Balance Pad und Ball. Sie steigert die Stabilität des Körpers und die Selbstwahrnehmung.

Svea Köhlmoos zeigt eine Kniebeuge mit verschränkten Armen vor dem Oberkörper.

Bei der Kniebeuge die Knie nicht über die Fußspitzen hinausschieben, eher das Gesäß etwas nach hinten bringen.

Knie-freundliche Bewegung im Alltag

Es hilft, tägliche Rituale mit den Stabilisierungsübungen zu verknüpfen - zum Beispiel morgens beim Nachrichtenhören oder abends beim Fernsehschauen das Wackelbrett hervorholen. Auch beim Zähneputzen kann man wunderbar auf einem Bein balancieren.

Abzuraten ist von Sportarten, wo das Knie typischerweise starken Scherkräften ausgesetzt ist - etwa Tennis, Squash, Fußball und ähnliche schnelle Spiele -, aber auch Windsurfen. Der (Wieder-)Einstieg in solche Sportarten ist erst möglich, wenn das Knie stabilisiert und die umgebende Muskulatur gekräftigt ist.

Gleichgewichtsübungen auf dem Wasser

Immer mehr Wassersportvereine (zum Beispiel Surf- oder Kanuklubs) bieten Stand-up-Paddling (SUP) an. Auch in manchen Hallenbädern kann man Ausrüstung leihen und/oder Kurse machen. Stehpaddeln ist ein Trendsport: Man steht aufrecht auf einer Art Surfbrett und paddelt mit einem Stechpaddel, ähnlich wie beim Kanufahren. Das Knie wird dabei wie auf einem Wackelbrett trainiert, denn durch die Wellen muss das Gelenk ständig die Position ausgleichen. Das kräftigt die Muskeln, die das Knie stabilisieren, und korrigiert auch die Dysbalancen.

Therapiestufe zwei: Krafttraining für die Beinmuskulatur

Wenn das Knie genügend stabilisiert ist, schließt sich gezieltes Krafttraining an. Es dient dem Aufbau der umgebenden Muskulatur festigt so das Knie zusätzlich.

Multimodale Schmerztherapie bei chronischen Knieschmerzen

Mit einem fachübergreifenden Behandlungsprogramm lassen sich chronische Knieschmerzen in vielen Fällen in den Griff bekommen. Dabei trainieren Ärzte, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten mit den Betroffenen Alltagsaktivitäten und tasten sich an die individuellen körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen heran.

In der vierwöchigen Intensivtherapie erfahren die Teilnehmer viel über typische Merkmale chronischer Schmerzen, wo diese herkommen und wie sie damit umgehen können. Am Ende kennen die Betroffenen die Unterschiede zwischen akuten und chronischen Schmerzen, können die Schäden auf dem Röntgenbild besser einschätzen und wissen, wie Schmerzmittel funktionieren und richtig eingesetzt werden. Die Erfolgsrate ist sehr hoch: 70 bis 80 Prozent der Teilnehmer berichten über anhaltende Linderung ihrer Beschwerden.

Ganzheitliche Therapie behandelt auch die Psyche

In psychotherapeutischen Einzelgesprächen lernen die Betroffenen, ihrem Körper wieder zu vertrauen und die Schmerzen zu ignorieren. Denn in der ganzheitlichen Therapie geht es nicht nur um das Knie. Auch die Seele leidet unter den Schmerzen: Ängste, depressive Verstimmungen, Rückzug und Einsamkeit können Spuren sein, die der Schmerz in der Psyche hinterlassen hat.

Oft hat der Schmerz eine Schutzfunktion: So lässt sich zum Beispiel ein Konflikt am Arbeitsplatz mit einer Krankschreibung vermeiden, oder bei Beziehungsproblemen bekommt der Partner möglicherweise Mitleid und wendet sich dem Betroffenen wieder zu. Hier kann eine Verbesserung der Problemlösungsfähigkeit viel bewirken.

Eine Frau mittleren Alters stützt ihren Kopf mit den Händen und schaut zu Boden.

Chronische Schmerzen können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Ein multimodaler Therapie-Ansatz hilft.

Zwei Hände betasten ein Knie.

Arthrose führt zu Schmerzen an den Gelenken. Häufig lassen sich die Beschwerden durch Bewegung und Ernährung lindern.

Ein Kochlöffel, Quark, Tücher und ein Verband liegen auf einem Tisch.

Schmerzen durch Arthrose, Gicht oder Rheuma lassen sich mit Hausmitteln lindern: kühlende oder wärmende Wickel und Salben.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Die Bewegungs-Docs | 05.10.2023 | 01:50 Uhr

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Arthrose

Bewegungsapparat

Arthrose behandeln

Zwei Hände betasten ein Knie.

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