Lungenödem, Symbolbild: Computergrafik einer Lunge

"Wasser in der Lunge" - wie gefährlich ist ein Lungenödem?

Stand: 09.09.2025 09:22 Uhr | vom

Ein Lungenödem kann gefährlich werden. Atemnot ist eins der typischen Symptome. Die Ursache ist eine Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, weshalb viele auch von "Wasser in der Lunge" sprechen.

von Anna Corves

Ein verzweifeltes Ringen um Luft und rasselnde Atemgeräusche - das sind die wohl typischsten Symptome bei einem Lungenödem (pulmonales Ödem). Dabei sammelt sich Flüssigkeit im Lungengewebe und in den Lungenbläschen (Alveolen), die normalerweise mit Luft gefüllt sind. Die Folge: Es gelangt nicht mehr genug Sauerstoff ins Blut und darüber in die Organe, außerdem wird Kohlendioxid nicht mehr ausreichend abgeatmet.

Im Volksmund wird das Lungenödem oft als "Wasser in der Lunge" oder "Wasserlunge" bezeichnet, was medizinisch nicht korrekt ist. Bei der angestauten Flüssigkeit handelt es sich nicht um Wasser, sondern um Blutplasma, den flüssigen Bestandteil des Blutes. Das Plasma tritt aus den Blutgefäßen aus und wird zunächst ins Lungengewebe und danach in die Alveolen gedrückt. Die Lunge wird vom Blutplasma durchtränkt, die Atmung erschwert. Ein Lungenödem kann plötzlich auftreten (akutes Lungenödem) oder sich über einen längeren Zeitraum entwickeln (chronisches Lungenödem).

Typische Symptome: Atemnot, Husten, Angst

Art und Ausmaß der Beschwerden hängen davon ab, ob es sich um ein akutes oder ein chronisches Lungenödem handelt und davon, ob sich die Flüssigkeitsansammlung auf das Lungengewebe beschränkt, oder schon auf die Alveolen ausgedehnt hat.

Bei einem akuten Lungenödem fallen die Symptome meist heftiger aus. Der Patient oder die Patientin leidet unter ausgeprägter Atemnot, selbst im Ruhezustand. Betroffene atmen schneller, keuchen und schnappen nach Luft. Manchmal sind brodelnde und rasselnde Atemgeräusche zu hören. Sie husten, oft mit schaumigem Auswurf, der auch Blut enthalten kann. Ihr Herzschlag wird schneller, unregelmäßiger, die Haut blass, kalter Schweiß kann austreten.

Im fortgeschrittenen Stadium können sich Lippen, Fingerspitzen und -nägel bläulich verfärben (Zyanose). Die Betroffenen leiden häufig unter starker Unruhe und haben Angst zu ersticken. Zu den Begleiterscheinungen können Fieber oder eine Bewusstseinsminderung gehören.

Beim chronischen Lungenödem sind die Symptome milder

Bei der chronischen Variante sind die Beschwerden anfangs milder ausgeprägt. Atemnot tritt vor allem im Liegen auf und kann dazu führen, dass der Patient oder die Patientin nachts wach wird. Bei körperlicher Aktivität sind die Betroffenen zunehmend kurzatmig. Auch Husten gehört zu den klassischen Symptomen.

Schmerz ist kein Leitsymptom eines Lungenödems. Allerdings können die Erkrankungen, die zu "Wasser in der Lunge" führen, Schmerzen verursachen. Denn das ist wichtig zu betonen: Ein Lungenödem ist in den meisten Fällen ein Warnsignal des Körpers, das auf eine ursächliche Erkrankung hinweist.

Kardiale Ursachen für ein Lungenödem

Die Ursachen eines Lungenödems sind vielfältig und lassen sich grundsätzlich in kardiale (also durch das Herz verursachte) und nicht-kardiale Formen unterteilen.

Unter den kardialen Formen ist die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) die Erkrankung, die am häufigsten ein Lungenödem verursacht. Die linke Herzkammer ist zu schwach, um genügend Blut in den Körper zu pumpen. Arzt und Ärztin sprechen daher auch von Linksherzinsuffizienz. Aus den Lungengefäßen strömt mehr Blut in diese Herzkammer, als sie weitertransportieren kann: Das Blut staut sich in der Lunge zurück. In den Lungengefäßen steigt der Blutdruck, das Blutplasma wird ins Lungengewebe gedrückt - es bildet sich ein Ödem. Neben der Herzschwäche können auch folgende Herzerkrankungen zu einem Lungenödem führen:

Nicht-kardiales Lungenödem

In Abgrenzung dazu gibt es die nicht-kardialen Lungenödeme. Sie entstehen, wenn die Blutgefäßwände nicht mehr ausreichend dicht sind und durchlässig werden. Dadurch tritt Flüssigkeit aus und sammelt sich in der Lunge. Hierfür kann es ganz verschiedene Auslöser geben.

Bei einem Nierenversagen etwa wird zu wenig Flüssigkeit aus dem Körper ausgeschieden, wodurch der Druck auf die Blutgefäße steigt. Anderes Beispiel: Schwere Infektionen wie eine Lungenentzündung oder eine Blutvergiftung (Sepsis) können dazu führen, dass die Blutgefäße in der Lunge ganz plötzlich durchlässig werden und sich ein Ödem bildet. Mögliche Folge kann ein lebensbedrohliches akutes Lungenversagen ("Acute Respiratory Distress Syndrome", ARDS) sein.

Weitere Ursachen für ein nicht-kardiales Lungenödem sind:

Krebserkrankungen als Ursache

Lungenödeme können auch in Zusammenhang mit Krebserkrankungen vorkommen. Besonders relevant ist dabei der Lungenkrebs, vor allem im fortgeschrittenen Stadium. Aber auch andere Tumorarten wie Brustkrebs, Eierstockkrebs oder Magenkrebs können Metastasen in der Lunge oder im Rippenfell bilden, was zu Flüssigkeitsansammlungen führt.

Aber Achtung: Sammelt sich durch Tumore übermäßig Flüssigkeit im sogenannten Pleuraraum zwischen Lunge und Brustwand, dann handelt es sich nicht um ein Lungenödem, sondern um einen Pleuraerguss. Beide verursachen Atemnot und werden umgangssprachlich als "Wasser in der Lunge" bezeichnet, unterscheiden sich aber medizinisch.

Wie gefährlich ist "Wasser in der Lunge"?

Grundsätzlich gilt: Ein Lungenödem ist ein Notfall, der lebensbedrohlich werden kann. Schließlich behindert die Flüssigkeit in der Lunge die Sauerstoffversorgung des Bluts und damit des ganzen Körpers - es droht ein Atemstillstand und schließlich der Ausfall mehrerer Organe.

Entscheidend für die Überlebenschancen der Betroffenen ist, in welchem Stadium sich das Lungenödem befindet, wie früh oder spät es entdeckt und behandelt wird und welche Krankheit es verursacht hat. Auch Alter und grundsätzlicher Gesundheitszustand sind wichtige Faktoren.

Bei einem chronischen Lungenödem durch eine Herzkrankheit etwa hängt die Lebenserwartung davon ab, wie sich die Herzfunktion entwickelt. Ein akutes Lungenödem kann unbehandelt innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Wird es aber sofort therapiert, ist die Prognose relativ gut.

Therapie: Was hilft bei einem Lungenödem?

Die Behandlung richtet sich immer nach der Grunderkrankung und dem Schweregrad des Lungenödems. In akuten Fällen muss der Oberkörper hochgelagert werden, um die Lunge zu entlasten. Der Patient oder die Patientin muss schnellstmöglich durch den Notarzt und im Krankenhaus behandelt werden.

Entscheidend ist bei der Behandlung, die Betroffenen sofort mit Sauerstoff zu versorgen und Entwässerungsmedikamente zu verabreichen, um die Flüssigkeit aus der Lunge zu ziehen. Der Arzt oder die Ärztin verschreibt meist weitere Medikamente wie Nitroglyzerin-Präparate, um den Druck im Lungenkreislauf zu senken und Morphin, um Atemnot und Angst zu lindern.

Betroffene mit einem akuten Lungenödem bleiben einige Tage bis zu zwei Wochen im Krankenhaus. Chronische oder tumorbedingte Lungenödeme können längere stationäre Behandlungen erforderlich machen.

Das Ödem selbst ist - rechtzeitig erkannt und behandelt - heilbar. Wichtig ist aber, dass die ursächliche Erkrankung, also zum Beispiel die Herzinsuffizienz, konsequent therapiert wird. Ist das gut möglich, kann das Risiko eines erneuten Ödems deutlich gesenkt werden. Dabei helfen auch regelmäßige ärztliche Kontrollen und eine fortlaufende Anpassung der Medikation. Bei einer fortschreitenden Erkrankung, etwa zunehmender Herzschwäche, kann es jedoch wiederholt zu Lungenödemen kommen.

Hände halten ein Modell eines menschlichen Herzens.

Bei einer Herzinsuffizienz kann das Herz nicht ausreichend Blut in den Körper pumpen. Eine frühe Therapie ist entscheidend.

Lungenentzündung: Frau liegt mit Sauerstoffmaske im Krankenhausbett

Typische Symptome der Pneumonie sind hohes Fieber und starker Husten. Pneumokokken sind meist die Ursache. Was hilft?

Ein Mann greift sich mit beiden Händen an den Brustkorb.

Eine Lungenembolie wird häufig übersehen. Welche Symptome deuten auf einen Verschluss der Blutgefäße in der Lunge hin?

Eine Ärztin betrachtet eine Röntgenaufnahme einer Lunge

Pulmonale Hypertonie, also Lungenhochdruck, ist selten. Der Druck in den Lungengefäßen kann dabei gefährlich ansteigen.

Schlagwörter zu diesem Artikel

Herz-Kreislauferkrankungen

Lunge

Ein Tablettenblister mit einem Massband

Die neue Abnehmpille mit Semaglutid: Was Studien zu Wirkung, Nebenwirkungen und Anwendung zeigen.

Weiblicher Fuß mit Ballenzeh (Hallux Valgus) steht auf grauem Boden

Hallux valgus verursacht Schmerz im Fuß. Helfen spezielle Übungen, Schienen oder Schuhe nicht, kann die OP nötig sein.

Eine Frau massiert sich die Kopfhaut mit einer Bürste

Trockene Kopfhaut kann schuppen und jucken. Welche Pflege hilft und wann eine Hauterkrankung dahintersteckt.

Eine erschöpfte Frau liegt auf einer Couch und schläft.

Eisenmangel ist eine der häufigsten Ursachen einer Blutarmut. Müdigkeit und Schwäche gelten als typische Symptome.

Gesundheits-Themen