Naloxon: Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen
Naloxon ist ein Opioid-Antagonist und wird als Notfallmedikament eingesetzt - meist als Nasenspray. Es ist aber auch in Schmerzmitteln wie Tilidin und Oxycodon enthalten. Wie wird es angewendet?
Naloxon ist ein wichtiges Mittel zur schnellen, lebensrettenden Hilfe bei Überdosierungen von Opioiden. Als Opioid-Gegenspieler (Opioid-Antagonist) hilft es wirksam, potenziell tödliche Nebenwirkungen von opioidhaltigen Medikamenten wie Fentanyl, Tilidin oder Oxycodon sowie von Drogen, etwa Heroin, aufzuheben.
Auf der Intensivstation und bei der Behandlung von onkologischen Patienten wird Naloxon auch als Saft bei Verstopfung durch Opioide eingesetzt.
Wirkung von Naloxon
Naloxon wirkt innerhalb weniger Minuten und hebt die unerwünschten Nebenwirkungen von Opioiden - wie beispielsweise eine Atemdepression - auf. Deshalb wird Naloxon auch als Notfallmedikament bei einer Überdosierung oder Vergiftung durch Opioide eingesetzt.
Als Antagonist verdrängt Naloxon, wie alle Opioid-Antagonisten, die Opioid-Moleküle von den Rezeptoren. Die unerwünschten Wirkungen des Opiats lassen allerdings nur für kurze Zeit nach.
"Da Naloxon nur circa 90 Minuten wirkt", warnt Dr. Dirk Keiner, Chefapotheker des St. Georg Klinikums in Eisenach, "sollte man immer ärztliche Hilfe hinzuholen. Denn die Opioidwirkung ist länger und kann wieder die Oberhand gewinnen und es ist erneute Hilfe notwendig." Um gegenzusteuern können weitere Naloxon-Dosen angewendet werden, je nach Art und Anwendung des eingesetzten Opioids. Wichtig hierbei ist die ärztliche Kontrolle.
Anwendung von Naloxon als Notfallmedikament
Bei der medizinischen Gabe von Opiaten kann es zu einer unbeabsichtigten Überdosierung kommen.
"Wir beobachten diesen Effekt beim Einsatz von Fentanyl-Pflastern besonders bei älteren Patienten", so Dr. Dirk Keiner. "Wenn beispielsweise die Außentemperatur bei Hitzewellen sehr hoch ist, geben die Pflaster mehr Wirkstoff ab. Dann kann es bei den Patienten durch den verringerten Atemantrieb zu Luftnot kommen."
Eine solche Vergiftung durch Opioide, durch die unter anderem die Sauerstoffversorgung sinkt, ist eine lebensbedrohliche Situation, in der Naloxon zum Einsatz kommt. Symptome einer Opiat-Vergiftung sind:
- Atemdepression (Herabsetzung und Abflachung der Atmung)
- Bradykardie (Verringerung der Herzfrequenz)
- Hypotonie (Blutdruckwerte unterhalb von 100/60 mmHg)
- bläuliche Färbung der Lippen durch Sauerstoffmangel
- Bewusstlosigkeit
- Atemstillstand
Beim Auftreten dieser Symptome ist ein schnelles Handeln wichtig und eine medizinische Notfallbehandlung erforderlich. Auch durch eine Dogenabhängigkeit kann es zu einer Opioidüberdosierung oder Vergiftung kommen.
Dosierung und Nebenwirkungen
Im Rettungsdienst und auch in der Klinik wird beim Verdacht einer akuten Überdosierung Naloxon meist intravenös gegeben. Hier kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:
Als Spray ist der Wirkstoff Naloxon seit 2017 in Deutschland zugelassen. Es wird etwa in "Fixerstuben" als Notfalltherapie für Drogenabhängige mit einer Überdosierung vorrätig gehalten. Der Nasenapplikator hat nur eine Dosis mit einem Sprühstoß von 1,8 Milligramm.
Das Spray beendet eine Atemdepression innerhalb weniger Sekunden. Die Verabreichung kann auch durch geschulte Laien erfolgen. Naloxon wirkt, ohne selbst eine pharmazeutische Wirkung auszulösen.
Wird Naloxon fälschlicherweise gegeben, ohne dass eine Überdosierung von Opiaten vorliegt, dann zeigt es keinerlei Wirkung. "Wer gut geschult ist, kann bei der Anwendung des Nasensprays wenig falsch machen und der schnelle Einsatz kann Leben retten", so Dr. Keiner.
Naloxon als Nasenspray für Einrichtungen rezeptfrei
Naloxon war bis Oktober 2025 verschreibungspflichtig. Um Todesfälle durch Opioid-Überdosierungen auch mit Blick auf die steigende Zahl synthetischer Opioide in der Drogenszene zu verhindern, hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nun einen leichteren Zugang zu Naloxon-Nasenspray ermöglicht. Hierfür war eine Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung notwendig.
Die Änderung sieht vor, dass eine Verschreibung von Naloxon für Einrichtungen der Drogen- und Suchthilfe, der Obdachlosenhilfe, des Strafvollzugs oder der Bundes- und Landespolizei möglich ist. Langfristig soll Naloxon-Spray als Notfalltherapie rezeptfrei in Apotheken erhältlich sein.
In Schweden, Frankreich, Italien und Dänemark sind Naloxon-Sprays bereits rezeptfrei zu haben. Mit dem Gegenmittel Naloxon steht dort auch Laien ein einfaches und sicheres Mittel zur schnellen, lebensrettenden Hilfe zur Verfügung.
Schmerzmittel Tilidin in Kombination mit Naloxon
Tilidin ist ein synthetisch hergestelltes Opioid zur Behandlung mittelstarker Schmerzen. Der Wirkstoff wird auf Rezept dann verschrieben, wenn die Einnahme nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) gegen starke Schmerzen nicht mehr ausreicht. Das kann zum Beispiel bei Schmerzen nach schweren OPs der Fall sein - oder bei Schmerzen durch Krebserkrankungen.
Zusätzlich zur schmerzlindernden Wirkung kann Tilidin auch euphorisierend wirken, was auf die Freisetzung von Dopamin im Gehirn zurückzuführen ist. Das ist ein Grund dafür, dass Tilidin als Droge missbraucht wird. Um die Missbrauchs- und Abhängigkeitsgefahr zu verringern, wird Tilidin zusammen mit Naloxon in einem Kombinationspräparat verabreicht. "Das Naloxon verhindert bei hohen Dosen, dass der euphorisierende Effekt des Opioids Tilidin nicht entsteht", erläutert Dr. Keiner.
Bei Einnahme des Schmerzmittels Oxycodon hilft Naloxon gegen Verstopfung
Der bei starken Schmerzen eingesetzte Wirkstoff Oxycodon, ein Opioid, hat Nebenwirkungen, die unter anderem häufig die Darmbewegung reduzieren. So kann es zu Verstopfungen kommen. Da auch im Darm Opioid-Rezeptoren zu finden sind, docken diese gezielt dort an.
Gelangt zeitgleich mit dem Opiat der Wirkstoff Naloxon in den Darm, besetzt der hemmende Wirkstoff dort (lokal) die Rezeptoren und verhindert so, dass der Wirkstoff Oxycodon andocken kann. Naloxon reduziert somit die Nebenwirkung Verstopfung bei der Vergabe von Oxycodon.