Morbus Crohn: Symptome, Diagnose, Behandlung
Morbus Crohn ist eine entzündliche Darmerkrankung, die im gesamten Verdauungstrakt auftreten kann. Was sind die Symptome? Welche Diagnose-Verfahren gibt es? Welche Behandlung und Medikamente helfen?
In Deutschland leben schätzungsweise 250.000 Menschen mit Morbus Crohn. Die chronische Erkrankung beginnt häufig bereits im jungen Erwachsenenalter und verläuft meist in Schüben: Phasen mit Beschwerden wechseln sich mit weitgehend beschwerdefreien Zeiten ab. Wie häufig und wie stark die Symptome auftreten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Was ist Morbus Crohn?
Morbus Crohn gehört wie die Colitis ulcerosa zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Typisch ist ein abschnittsweiser, diskontinuierlicher Befall mit gesunden Darmabschnitten zwischen den entzündeten Bereichen. Die Entzündung kann alle Schichten der Darmwand erfassen. Morbus Crohn kann grundsätzlich jeden Abschnitt des Verdauungstrakts vom Mund bis zum After betreffen; auch mehrere voneinander getrennte Bereiche können gleichzeitig entzündet sein. Besonders häufig sind das terminale Ileum, also der letzte Abschnitt des Dünndarms, der Dickdarm oder beide Bereiche betroffen. Die genaue Ursache ist bisher nicht geklärt. Mögliche Anzeichen sind wiederkehrende oder anhaltende Durchfälle, Unterbauchschmerzen, Aphthen im Mund sowie perianale Fisteln.
Morbus Crohn: Woher kommt der Name?
Der polnische Chirurg Antoni Lesniowski hat die Erkrankung 1904 erstmals beschrieben, der US-amerikanische Magen- und Darmspezialist Burrill Bernard Crohn im Jahr 1932. Nach ihm wurde sie benannt. Andere Bezeichnungen sind Enteritis regionalis Crohn, Ileitis terminalis; übliche Abkürzungen sind MC (Morbus Crohn) und CD (Crohn's Disease).
Symptome von Morbus Crohn: Nicht nur Durchfall
Typische Anzeichen bei Morbus Crohn sind:
- anhaltender oder wiederkehrender Durchfall
- krampfartige Schmerzen, meist im rechten Unterbauch
- ungewollter Gewichtsverlust
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Fieber
- kleine, schmerzhafte Geschwüre im Mund (Aphthen)
Im Verlauf der Erkrankung können sich Fisteln bilden. Das sind entzündliche Gänge, etwa zwischen Darmschlingen oder vom Darm nach außen, besonders häufig am After. In schweren Fällen kann es zu Abszessen, tumorartigen Geschwüren und Darmverengungen (Stenosen) kommen.
Bei Morbus Crohn können auch Symptome außerhalb des Verdauungstrakts auftreten. Diese können sein:
- Gelenkentzündungen (zum Beispiel an Becken-, Knie- oder Sprunggelenken)
- entzündliche Hautveränderungen (zum Beispiel Entzündung des Unterhautfettgewebes)
- Augenentzündungen
Ist der Dünndarm entzündet oder wurde ein Teil davon entfernt, kann der Körper Nährstoffe schlechter aufnehmen. Mögliche Folgen sind:
- Blutarmut (Anämie), etwa durch Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel
- Gewichtsverlust und Leistungsschwäche
- Wachstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen
- Knochenschwund (Osteoporose), der auch durch Kortisonbehandlungen begünstigt werden kann
- Gallen- und Nierensteine
Ursachen für Morbus Crohn
Welche Ursachen zu Morbus Crohn führen, ist nicht abschließend geklärt. Forschende gehen heute von einem Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Immunsystem, Darmmikrobiom und Umweltfaktoren aus. Erwiesen ist, dass Morbus Crohn in einigen Familien gehäuft vorkommt. Zu den am besten untersuchten Risikogenen gehört NOD2. In Europa tragen etwa 35 bis 40 Prozent der Betroffenen mindestens eine krankheitsassoziierte Variante dieses Gens. Solche Varianten erhöhen das Erkrankungsrisiko, lösen die Krankheit aber nicht allein aus. Viele Menschen mit diesen Genvarianten erkranken nie.
Weitere in der Forschung diskutierte Risikofaktoren sind Lebensstil und Umwelt. Sicher ist, dass Rauchen das Risiko und den Verlauf bei Morbus Crohn nachhaltig negativ beeinflusst. Ein westliches Ernährungsmuster mit viel Fleisch, tierischen Fetten, Zucker und wenig Ballaststoffen wird in Studien mit einem höheren Erkrankungsrisiko in Verbindung gebracht. Depressive Verstimmungen, Ängste und als chronischer Stress empfundene Situationen sind bei Erkrankten mit einem höheren Schubrisiko verbunden.
Diagnose von Morbus Crohn: Blutwerte, Ultraschall und Darmspiegelung
Die Diagnose von Morbus Crohn setzt eine gründliche Anamnese voraus. Der Arzt - am besten ein Facharzt für Gastroenterologie - tastet den Bauch auf entzündungsbedingte Widerstände oder Druckschmerz ab. Typischerweise werden im Blut Entzündungswerte, Leberwerte, Nierenfunktion und Eisenhaushalt bestimmt. Eine Stuhlprobe wird auf Calprotectin untersucht. Dieser Eiweißstoff wird bei Entzündungen im Darm vermehrt freigesetzt und kann helfen, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung von rein funktionellen Beschwerden abzugrenzen. Zusätzlich sollten mögliche Infektionen mit Darmerregern, zum Beispiel Campylobacter oder Clostridioides difficile, ausgeschlossen werden. Ein Test auf bestimmte Antikörper (ASCA und ANCA) gehört nicht zur Routinediagnostik, kann in einzelnen, unklaren Fällen aber die Beurteilung ergänzen.
Die wichtigste Untersuchung ist die Darmspiegelung. Dabei wird der gesamte Dickdarm und möglichst auch das Ende des Dünndarms von innen betrachtet. Außerdem werden aus verschiedenen Darmabschnitten Gewebeproben entnommen. Große Teile des Dünndarms sind mit der Darmspiegelung nicht erreichbar. Deshalb wird häufig zusätzlich eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) oder ein Ultraschall des Darms gemacht. So lässt sich erkennen, ob die Darmwand verdickt und entzündet ist. Auch eine Magenspiegelung kann je nach Beschwerden und Befund erforderlich sein.
Morbus Crohn richtig behandeln
Die Behandlung von Morbus Crohn hängt davon ab, wie aktiv die Erkrankung gerade ist und wie schwer sie ausfällt - das heißt, welche Teile des Verdauungstrakts betroffen sind und ob es zum Beispiel auch Entzündungen an anderen Stellen im Körper gibt. Man unterscheidet dabei zwischen der Therapie eines akuten Schubs und der sogenannten Erhaltungstherapie während der Ruhephase der Erkrankung. Neben Allgemeinmaßnahmen kommen vor allem entzündungshemmende und immunmodulatorische Medikamente zum Einsatz. Im Verlauf können auch Operationen notwendig werden.
Medikamente bei akutem Schub: Steroide und andere Immunsuppressiva
Bei einem leichten Krankheitsschub am Übergang von Dünn- zu Dickdarm wird in der Regel zunächst ein lokal wirkendes Steroid (Budesonid) eingesetzt. Es hemmt die Entzündung im Darm und hat weniger Nebenwirkungen als klassische Kortison‑Tabletten. Bei sehr leichten Beschwerden kann auch eine rein symptomatische Behandlung genügen.
Bei stärkerer Entzündungsaktivität, ausgedehntem Befall des Darms oder Befall des oberen Verdauungstrakts kommen systemische Steroide wie Prednisolon zum Einsatz. Reicht das nicht aus oder treten Komplikationen auf, werden frühzeitig weitere Medikamente hinzugezogen.
Erhaltungstherapie: Adalimumab, Infliximab, Vedolizumab und Co.
Um die Erkrankung dauerhaft zur Ruhe zu bringen und Komplikationen wie Engstellen, Fisteln oder Operationen zu vermeiden, setzt man heute häufig auf sogenannte Biologika. Dabei handelt es sich um Antikörper, die das Immunsystem gezielt unterdrücken. Sie müssen als Infusion oder Spritze unter die Haut verabreicht werden.
Bei Morbus Crohn zugelassen sind unter anderem:
- Infliximab, Adalimumab (Antikörper gegen TNF-α)
- Ustekinumab, Risankizumab, Mirikizumab, Guselkumab (Antikörper gegen Interleukine)
- Vedolizumab (Antikörper gegen Integrine)
Seit 2023 ist außerdem Upadacitinib zugelassen, ein sogenannter JAK-Inhibitor. Er unterbricht die Weiterleitung von Entzündungssignalen in den Zellen und wird als Tablette eingenommen. Bei Menschen über 65 Jahren, Rauchern oder Personen mit bestimmten Herz‑Kreislauf‑ oder Krebsrisiken wird dieser Wirkstoff nur eingesetzt, wenn es keine geeignete Alternative gibt. Auch andere, bereits länger bekannte immunsuppressive Wirkstoffe wie Azathioprin und Methotrexat können helfen. All diese Medikamente wirken, indem sie an bestimmten Stellen das körpereigene Immunsystem drosseln. Als mögliche Nebenwirkung kann es deshalb zu einer erhöhten Infektanfälligkeit kommen.
Eine Operation kann nötig werden, wenn Medikamente nicht ausreichend helfen oder Komplikationen auftreten. Das kann etwa sein, um Abszesse zu behandeln, Fisteln zu verschließen oder stark verengte Darmabschnitte zu entfernen. Kurze Engstellen lassen sich oft auch während einer Darmspiegelung mit einem Ballon aufdehnen.
Nikotinkarenz und enterale Ernährung
Aktives und wahrscheinlich auch passives Rauchen führen bei Morbus Crohn zu einem komplikationsreicheren Krankheitsverlauf, schlechterem Ansprechen auf Therapien und einem erhöhten Risiko für Operationen. Betroffene sollten also dringend aufhören zu rauchen. Bei Kindern und Jugendlichen mit aktivem Morbus Crohn ist die exklusive enterale Ernährung (EEN) das Mittel der ersten Wahl. Dabei wird für sechs bis acht Wochen der Energie- und Nährstoffbedarf über eine spezielle Trink- oder Sondennahrung gedeckt. Diese Ernährungstherapie kann bei vielen Kindern zu einem Rückgang der Symptome und zur Entzündungsberuhigung führen, ohne die Nebenwirkungen einer Steroidtherapie. Eine parenterale Ernährung über die Vene ist bei Morbus Crohn nur in besonderen Situationen notwendig, etwa bei schwerer Mangelernährung, Darmverschluss, hochgradigen Engstellen oder anderen schweren Komplikationen.
Richtige Ernährung bei Morbus Crohn ist entscheidend
In beschwerdefreien Zeiten (Remissionsphase) kann eine antientzündliche Ernährung unterstützend wirken. Eine leichte Vollkost mit ausreichend (aber nicht zu viel) Ballaststoffen kann die Barrierefunktion der Darmschleimhaut stärken. Auch Probiotika wie Joghurt oder Kefir werden oft gut vertragen. Es ist jedoch nicht belegt, dass sie einem Schub vorbeugen können. Spezielle Probiotika-Präparate werden deshalb nicht empfohlen. In der Akutphase sollte die Ballaststoffzufuhr reduziert und auf leicht verdauliche, fettarme Speisen geachtet werden. Morbus-Crohn-Patienten leiden häufiger unter Nährstoffmangel. Umso wichtiger ist es, den Ernährungsstatus regelmäßig zu überprüfen und Mangelzustände gezielt auszugleichen.
Begleitend: Psychotherapie kann helfen
Morbus Crohn stellt für viele Betroffene außerdem eine seelische Belastung dar, die sich wiederum negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken kann. Psychosoziale und psychotherapeutische Unterstützung finden Patienten in Schulungsprogrammen zur Krankheitsbewältigung oder in der Begegnung mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe. Bei schwereren psychischen Begleiterscheinungen wie Depressionen ist eine Psychotherapie anzuraten.
Fragen und Antworten zu Morbus Crohn
Morbus Crohn kann die Lebenserwartung im Durchschnitt geringfügig verringern. Studien zeigen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine leicht erhöhte Gesamtsterblichkeit. Da viele dieser Untersuchungen jedoch auf älteren Erkrankungskohorten beruhen, lässt sich daraus keine verlässliche Aussage über die Lebenserwartung einer einzelnen Person ableiten. Durch moderne Behandlungsmöglichkeiten lässt sich die Erkrankung bei vielen Betroffenen jedoch gut kontrollieren. Wichtig sind eine wirksame Kontrolle der Entzündung, regelmäßige ärztliche Verlaufskontrollen und die frühzeitige Behandlung von Komplikationen.