Fibromyalgie: Symptome, Behandlung und Ursachen der Schmerzerkrankung
Eine Fibromyalgie (FMS), auch Faser-Muskel-Schmerz genannt, verursacht Symptome wie chronische Muskelschmerzen und Erschöpfung - vor allem bei Frauen. Die Behandlung ist auf Linderung ausgerichtet.
Fibromyalgie oder das Fibromyalgiesyndrom (FMS) ist eine chronische Schmerzerkrankung, die nicht heilbar ist. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie leiden in Deutschland etwa 1,5 Million Erwachsene an Fibromyalgie. Frauen sind demnach bis zu achtmal häufiger betroffen als Männer. Meist wird die Erkrankung im Alter zwischen 40 und 60 Jahren diagnostiziert.
Fibromyalgie: Was ist das?
Fibromyalgie bedeutet übersetzt Faser-Muskel-Schmerz. Die Schmerzen treten hauptsächlich in Muskeln und in der Nähe von Gelenken auf. Sie können sich wie Muskelkater oder ein gezerrter Muskel anfühlen und treten dauerhaft oder in Schüben im ganzen Körper auf. Häufig ist der Bereich der Wirbelsäule betroffen.
Patienten leiden auch unter gestörtem Schlaf und totaler Erschöpfung. Sie reagieren empfindlich auf äußere Reize und klagen über Verdauungsprobleme. FMS verursacht keine strukturellen Schäden an Knochen oder Muskeln, ist aber eine extreme Belastung für die Psyche.
FMS ist keine entzündlich-rheumatische Erkrankung
Mitunter wird Fibromyalgie auch als Weichteilrheuma bezeichnet. FMS ist jedoch keine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Vielmehr besteht bei Betroffenen eine Störung der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung. Einige neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine chronische, niedriggradige Entzündung im Nervensystem zu der erhöhten Schmerzempfindung beitragen könnte. Weitere Forschung ist nötig, um diese Vermutungen zu bestätigen.
Symptome bei Fibromyalgie
Die Symptome einer Fibromyalgie sind unspezifisch. Sie entwickeln sich meist über einen längeren Zeitraum. Die Diagnose ist komplex. Die wichtigsten Symptome bei FMS:
- chronische Schmerzen in Muskeln und in der Nähe von Gelenken
- schlechter Schlaf
- körperliche und geistige Erschöpfung
- Kopfschmerzen
- Verdauungsprobleme, Reizdarm
- Herzrasen und Atemnot
- Gefühlsstörungen an Händen und Füßen
- Überempfindlichkeit auf äußere Reize, zum Beispiel Licht
- Konzentrationsstörungen
- emotionaler Stress
- Unruhe, Angst, Niedergeschlagenheit
- Wetterfühligkeit
Frauen mit Fibromyalgie leiden häufig auch unter starken Menstruationsbeschwerden, wiederkehrenden Blasenentzündungen und Endometriose.
Diagnose und Selbsttest bei Fibromyalgie
Die Krankheit wird wegen der Vielzahl der Symptome und häufig unspezifischer Beschwerden oft sehr spät erkannt. Die Schmerzen können phasenweise und in unterschiedlicher Intensität auftreten. Sie variieren abhängig von Wetter, Tageszeit, Stress und gerade ausgeübter Tätigkeit. Bei der Bewertung helfen spezielle Fragebögen und Schmerzskalen. Auch das Führen eines Schmerztagebuchs ist zu empfehlen.
Eine Untersuchung von Schmerzdruckpunkten am Körper (Tender Points) gilt als veraltet, weil daraus keine zuverlässige Bewertung abgeleitet werden kann. Um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung als Ursache ausschließen zu können, beinhaltet die Diagnostik immer auch eine Blutuntersuchung.
Wer eine Fibromyalgie vermutet, kann einen der online verfügbaren Selbsttests machen. Dabei werden Fragen zu Schmerzregionen, Intensität der Beschwerden und weiteren Symptomen beantwortet, die die Wahrscheinlichkeit einer vorliegenden FMS bewerten sollen. Ein solcher Test ersetzt jedoch nicht den Arztbesuch.
Behandlung zielt auf Linderung der Beschwerden
Eine Fibromyalgie ist nicht heilbar. Jedoch berichten Über-60-Jährige mitunter über nachlassende Schmerzen. Die Behandlung ist auf die Linderung der Beschwerden ausgerichtet. Je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Neben dem Hausarzt können Schmerztherapeuten, Neurologen, Psycho- und Physiotherapeuten zurate gezogen werden.
Übungen: Mit Bewegung Schmerzen verringern
Gezielte Bewegung ist ein wichtiger Baustein der Behandlung. Vor allem leichtes Ausdauertraining hat sich als effektiv erwiesen. Wichtig dabei:
- Betroffene sollten behutsam mit der Bewegung beginnen, zum Beispiel mit sich langsam steigernden Spaziergängen oder leichten Gymnastik-Übungen.
- Sinnvoll sind Entspannungsübungen gegen Stress, wie autogenes Training, Atemtherapie, Meditation, Tai Chi, Qi Gong oder Yoga.
- Auch die Bewegungseinheiten können Schmerzen verursachen. Wenn Betroffene dies akzeptieren und innere Widerstände überwinden, geht es ihnen anschließend meist besser. Sie vermeiden dadurch eine Abwärtsspirale von Bewegungsmangel und Schmerz.
Auswirkungen einer bestimmten Ernährungsform auf FMS-Beschwerden sind bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Jedoch berichten Patienten, dass eine Ernährungsumstellung auf pflanzlich basierte Kost in Verbindung mit Bewegung Linderung verschaffen kann.
Medikamente bei Fibromyalgie - keine Standardtherapie
In Deutschland gibt es kein speziell für Fibromyalgie zugelassenes Medikament und auch keine medikamentöse Standardtherapie. Mediziner schätzen, dass nicht einmal die Hälfte der FMS-Patienten überhaupt auf Medikamente anspricht.
Ärzte können niedrig dosierte Antidepressiva, zum Beispiel Amitriptylin, verschreiben, wenn eine Depression als Begleitsymptom vorliegt. Antidepressiva können für besseren Schlaf sorgen und Verspannungen lösen, mitunter lindern sie auch Schmerzen. Allerdings können Antidepressiva auch individuell ausgeprägte Nebenwirkungen haben. Nicht empfohlen werden reine Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Kortison-Präparate und Cannabinoide. Der Effekt von reinen Schmerzmitteln gilt als gering, vor allem entzündungshemmende Schmerzmittel verfehlen ihre Wirkung, da bei FMS keine entzündlichen Prozesse im Körper vorliegen.
FMS: Psychotherapie als begleitende Behandlung
Neben einer sanften Bewegungstherapie empfehlen Mediziner auch eine aktivierende Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie), die die Schmerzwahrnehmung verändern soll. Auch Wärme- oder Kältebehandlungen können bei manchen Patienten Schmerzen lindern.
Unter Umständen kann eine mehrwöchige Therapie in einer psychosomatischen Klinik sinnvoll sein, die sich auf die Behandlung von Fibromyalgie spezialisiert hat. Auch teilstationäre Maßnahmen können helfen, wenn eine ambulante Therapie nicht ausreicht. Viele Patienten finden so wieder zurück in einen geregelten Alltag und können ihren Beruf weiter ausüben. Tipps, Beratung und Kontakte bieten zahlreiche Selbsthilfegruppen.
Ursachen der Fibromyalgie nicht geklärt
Die Ursachen einer Fibromyalgie sind nicht komplett geklärt. Als mögliche Erklärung gilt eine herabgesetzte Schmerzschwelle bei Betroffenen, wodurch viel mehr Schmerzreize das Gehirn erreichen als bei gesunden Menschen. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Patienten veränderte Nervenfasern aufweisen. Dabei könnten genetische Veranlagungen eine Rolle spielen, denn es gibt Familien, in denen mehrere Fälle von Fibromyalgie bekannt sind. Identifiziert wurden mehrere Faktoren, die eine FMS begünstigen können, darunter
- Stress
- psychische Traumata
- mangelnde Bewegung
- Übergewicht
- Rauchen
Fibromyalgie kann auch Folgeerkrankung einer Rheumatoiden Arthritis sein. Forschende untersuchen, ob Autoantikörper und neurologische Störungen an der Entstehung von FMS beteiligt sein könnten.