Multiple Sklerose: Entzündungshemmend und darmgesund essen
Stand: 05.08.2026 07:00 Uhr
Eine entzündungshemmende Ernährung kann helfen, den Verlauf von Multipler Sklerose zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten. Welche Lebensmittel sollten MS-Betroffene essen, welche vermeiden?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Sie ist bislang nicht heilbar, aber behandelbar. Für Betroffene geht es darum, den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität bestmöglich zu erhalten. Mit gezielter Ernährung können MS-Betroffene versuchen, ihr Immunsystem zu stärken und die Entzündungsaktivität zu hemmen.
Antientzündliche Ernährung bei MS
Die Ernährung sollte vor allem aus Gemüse, Pilzen, Nüssen und Samen bestehen. Wer täglich verschiedene Gemüsesorten und Kräuter isst, konsumiert viele entzündungshemmende sekundäre Pflanzenstoffe und reichlich gesunde Ballaststoffe.
Unbedingt einzuschränken ist der Fleischkonsum, denn insbesondere rotes Fleisch und Wurst enthalten viele entzündungsfördernde Stoffe. Darunter ist die Arachidonsäure, eine Omega-6-Fettsäure, die man vor allem in Schweinefleisch und Wurst findet.
Positiv wirken sich dagegen die entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren aus. Omega-3-Fettsäuren finden sich in Leinöl oder sogenanntem Algenöl, außerdem in fettreichem Fisch wie Lachs, Hering und Makrele. Raps- und Walnussöl enthalten ebenfalls kleine Mengen Omega-Fettsäuren.
Zu hoher Zuckerkonsum fördert Entzündungen. Daher ist es sinnvoll, den Verzehr von Kohlenhydraten (etwa Weißbrot, Nudeln) und vor allem von Zucker- und Knabberkram zu begrenzen. Das betrifft auch zum Beispiel Eis oder gesüßte Joghurts und Müslis. Also wenig Snacks essen - wenn, dann am ehesten einen grünen Smoothie (mit reichlich Gemüse), Nüsse, zuckerarmes Obst, dunkle Schokolade.
Bei MS die Darmgesundheit fördern
Ein weiterer Ansatz ist, für mehr gute Darmbakterien zu sorgen: und zwar mit Pro- und Präbiotika. Denn aus ballaststoffreichen Lebensmitteln stellen Darmbakterien wertvolle kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat und Propionat her. Sie werden zur Reparatur der Nervenzellen gebraucht.
Weizen und Milch weglassen?
Forschung am Tiermodell und als klinische Pilotstudie deuten darauf hin, dass bestimmte Bestandteile des Weizens entzündliche Prozesse fördern und die Schwere der MS verstärken können. Dabei spielen die sogenannten Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) eine zentrale Rolle - natürliche Proteine, die in Getreiden vorkommen. Ein Verzicht auf Weizen beziehungsweise auf ATI-haltige Lebensmittel kann bei einigen Betroffenen zu einer Linderung der Symptome beitragen. Ähnliches gilt für Milchprodukte: Forschende haben gezeigt, dass Casein (Kuhmilcheiweiß) bei Mäusen Autoimmunreaktionen auslösen kann, die Nervenzellen schädigen. Möglicherweise wirkt sich Casein auch bei einem Teil der MS-Betroffenen ungünstig aus.
Ernährungstagebuch führen
Bei der Umstellung auf eine entzündungshemmende Ernährung und insbesondere beim Weglassen/Wiedereinführen von ATI-haltigen Getreideprodukten und Casein sollten MS-Betroffene am besten ein Ernährungs- und Symptomtagebuch führen. Denn der dauerhafte Verzicht dieser Lebensmittelgruppen ist mit größeren Einschränkungen verbunden und nach heutigem Stand nicht allgemein angeraten.
Was essen bei MS: Lebensmittel und Rezepte
Entzündungshemmend essen bei Multipler Sklerose: Im Folgenden gibt es geeignete Rezepte und Lebensmittel-Listen (auch zum Download).
Nicht empfehlenswert: Süßigkeiten, süße Backwaren, süße Milchprodukte (s. u.), Eiscreme, Chips, Salzgebäck
1-2 Portionen/Tag - eine große Handvoll reicht aus
Empfehlenswert: alle zuckerarmen Obstsorten; nur in Maßen zuckerreiche Sorten:Ananas, Banane, Birne, Honigmelone, Kaki (Sharon), Mango, Weintrauben, Süßkirsche
Nicht empfehlenswert: gezuckerte Obstkonserven und Obstmus, kandierte Früchte
3 Portionen/Tag
Empfehlenswert: alle
ca. 40 g/Tag = eine Handvoll
Empfehlenswert: Mandeln, Nüsse und Kerne (naturbelassen)
Nicht empfehlenswert: gesalzene Nüsse
ca. 2 EL/Tag
Empfehlenswert: Leinöl (Herstellung unter Ausschluss von Sauerstoff, Hitze und Licht), Chia-Öl, Hanföl, Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl; zum Braten bei hoher Temperatur: Kokosöl
Nicht empfehlenswert: Schweine- und Gänseschmalz, Palmfett, Mayonnaise, Sonnenblumenöl, Distelöl
ca. 2 Liter/Tag
Empfehlenswert: Wasser, ungezuckerter Tee und bis 3 Tassen frisch gemahlener, frisch gebrühter Kaffee
Nicht empfehlenswert: Fruchtsaft, Softdrinks, Milchmixgetränke (s. u.), Alkohol
2 Portionen/Woche
Empfehlenswert: Fisch und Meeresfrüchte (natur)
Nicht empfehlenswert: panierter Fisch
max. 2 Portionen/Woche, bis insg. 250 g Rohgewicht
Empfehlenswert: Magerer Aufschnitt wie Corned Beef, Putenbrustaufschnitt; Hühnerfleisch, Putenfleisch
Nicht empfehlenswert: Paniertes Fleisch; alle übrigen Wurstwaren und generell Schweinefleisch (wegen des hohen Gehalts an Arachidonsäure) - Aufschnitt, Koch-, Grill-, Brat- oder Bockwurst, Leberwurst, Mettwurst usw.
Empfehlenswert: Eier (2-3 pro Woche);
Eingeschränkt empfehlenswert (nach individueller Verträglichkeit): Buttermilch, Speisequark bis 20 % Fett, Naturjoghurt bis 3,5 % Fett; Milch bis 3,5 % Fett; Käse bis 45 % Fett i. Tr. wie Schnittkäse, Weichkäse, Fetakäse, Mozzarella
Nicht empfehlenswert: Sahne, Crème fraîche; gesüßte Fertigprodukte wie Pudding, Milchreis, Fruchtjoghurt, Fruchtquark, Kakaozubereitungen, Fruchtbuttermilch
Diese Empfehlungen ersetzen keine individuelle ernährungsmedizinische Beratung. Ernährungsmedizinische Behandlung/Beratung kann auf vorherigen Antrag anteilig von den Kassen erstattbar sein.
Daniela B. hat Multiple Sklerose. Fast alle Medikamente gegen die unheilbare Nervenentzündung hat sie schon ausprobiert. Doc Riedl wählt den Ansatz über die Darm-Hirn-Achse.