Schlöndorff zeigt Jenny-Erpenbeck-Verfilmung beim Filmfest Cannes
Das Filmfest Cannes hat begonnen und läuft bis zum 23. Mai mit starker deutscher Präsenz. Am Donnerstag läuft der Film "Vaterland" mit Sandra Hüller über Thomas Mann im Wettbewerb. Volker Schlöndorffs Drama "Heimsuchung" feiert am Sonnabend Weltpremiere.
Das Festival hat mit einem französischen Film über einen Maler beonnen: "La Vénus Électrique". Darin spielen Stars wie Anais Demoustier und Gilles Lellouche mit. Wenn diese die Treppen zum Festivalpalast in Cannes hochsteigen "kreischt halb Frankreich", erzählt ARD-Reporter Jan Tussing vor der Vorführung im Gespräch mit NDR Kultur. Es sei ein "ziemlich großes Event". Das Festival ist, anders als die Berlinale, nur für Fachpublikum.
Goldene Ehrenpalme: Elijah Wood ehrt Regisseur Peter Jackson
Die Stars sind jedoch trotzdem nahbar und geben den Fans beim Festival viele Autogramme. Gleich zur Eröffnung erhielt der "Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson die Goldene Palme für sein Lebenswerk: aus den Händen seines einstigen Hauptdarstellers Elijah Wood, der in der Tolkien-Verfilmung den Hobbit Frodo gespielt hat.
John Travolta präsentiert an der Croisette sein Regiedebüt. Dieses Jahr ist nicht viel Kino aus Hollywood zu sehen. Beim Festival laufen jedoch mehrere deutsche (Ko)-Produktionen. Den Juryvorsitz über den Wettbewerb hat dieses Jahr der koreanische Regisseur Park Chan-wook.
Schlöndorff feiert Weltpremiere bei "Mutter aller Festivals"
Am Sonnabend wird etwa Regisseur Volker Schlöndorff persönlich seinen neuen Film präsentieren - in der Reihe "Cannes Premiere": "Für mich ist es eine unglaubliche Ehre und Freude nach Cannes, der 'Mutter aller Festivals‘ zurückzukehren - 60 Jahre, nachdem ich dort mit meinem Film 'Der junge Törless' meine ersten Schritte als Regisseur gemacht habe", sagt Schlöndorff.
Die Hauptrollen in "Heimsuchung - eine Jahrhundertgeschichte" nach dem Roman von Jenny Erpenbeck spielen Martina Gedeck, Susanne Wolff und Lars Eidinger. Auch Ulrich Matthes, der norddeutsche Regisseur, Produzent und Schauspieler Detlev Buck ("Amrum", "Bibi & Tina") sowie Michael Mertens sind Teil des Ensembles.
Es sei ein "regionaler Film, der an einem See in Brandenburg spielt", erzählte Regisseur Volker Schlöndorff im Januar im Gespräch mit NDR Kultur. Der Film wurde 2025 in Brandenburg gedreht.
"Heimsuchung": Pflichtlektüre beim Abitur in Niedersachsen
Im Drama geht es um ein malerisches Grundstück an einem See nahe Berlin. Er ist Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von den historischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts geprägt sind.
Der Roman ist zudem in Niedersachsen Pflichtlektüre für das Deutsch-Abitur. Der bundesweite Filmstart ist für den 15. Oktober angedacht.
Valeska Griesebach im Wettbewerb mit "Das geträumte Abenteuer"
In Valeska Griesebachs Film "Das geträumte Abenteuer" geht es um eine Frau, die sich in der Grenzregion zwischen Griechenland und der Türkei auf einen Handel einlässt, um einen alten Bekannten zu treffen. Sie folgt dem Helden in ein Abenteuer und betritt gefährliches Terrain.
Der Film wurde produziert von der deutschen Firma Komplizen Film. Sie haben in Cannes 2016 mit der Komödie "Toni Erdmann" für Furore gesorgt. Ihr jüngster Erfolg ist der Oscar-prämierte norwegische Film "Sentimental Value".
22 Filme im Wettbewerb: "Vaterland" ist Thomas-Mann-Film mit Sandra Hüller
Griesebachs Spielfilm läuft mit 21 weiteren Beiträgen im Wettbewerb. Darin wird auch ein Film über das Leben von Literaturnobelpreisträger Thomas Mann eine Rolle spielen. Gedreht hat "Vaterland" der polnische Regisseur Pawel Pawlikowski ("Ida"). Hanns Zischler spielt hier die Hauptrolle als Schriftsteller und Sandra Hüller verkörpert Erika Mann. Die Produktion feiert am Donnerstag Weltpremiere.
Die Handlung spielt nach Thomas Manns Rückkehr in seine Heimat Deutschland im Jahr 1949. Auch der Spanier Pedro Almodóvar wird seine neue Produktion im Wettbewerb zeigen. "Bitteres Fest" handelt nach Ankündigung des Filmverleihs von der "fragile Grenze zwischen Leben und Kunst, zwischen Erlebtem und Erdachtem."
MOIN Filmförderung: "Minotaurus" des Regisseurs Zvyagintsev im Wettbewerb
Ein anderer Beitrag im Wettbewerb wird durch die Förderung der MOIN Hamburg und Schleswig-Holstein unterstützt. In der internationalen Koproduktion "Minotaurus" von Regisseur Andrei Zvyagintsev geht es um Gleb, den Chef eines erfolgreichen Unternehmens in einer russischen Provinzstadt. Er gerät angesichts wachsender beruflicher Probleme und einer persönlichen Krise zunehmend unter Druck. Die MOIN Filmförderung hat die Produktion mit 100.000 Euro gefördert, ein Teil der Postproduktion fand in Hamburg statt.
"Im Wettbewerb zu laufen, ist sozusagen die 'Champions League'." sagt MOIN-Chef Helge Albers im Gespräch mit NDR Kultur. Zvyagintsev sei ein "Humanist, der immer wieder die 'Human Condition' erforscht." Der vor dem Hintergrund, was in Russland gerade passiere, eine "wichtige und starke Stimme des Autorenkinos" sei.
Außerdem läuft ein weiterer von der MOIN geförderter Film in der Reihe "Un certain regard": "Elefanten im Nebel", der von der Lübecker Firma zischlermann produziert wurde. Das Drama des Nepalesen Abinash Bikram Shah handelt von einer Matriarchin in einem nepalesischen Dorf, die sich verliebt. Als einer der Elefanten, der in der Nähe des Dorfes lebt, verschwindet, macht er sich auf die Suche nach dem Tier.
Die Erfolge im Jahr 2025: "Amrum" von Akin
2025 holte der iranische Regisseur Jafar Panahi mit der Satire "Ein einfacher Unfall" die Goldene Palme von Cannes. Fatih Akin feierte in einer Nebenreihe Weltpremiere mit seinem Drama "Amrum". Es wurde letztes Jahr der erfolgreichste unabhängige Kinofilm an der deutschen Kinokasse.