Drei Personen( Pawel Pawlikowski (l-r, Sandra Hüller und August Diehl  in Cannes) bei der Weltpremiere von "Vaterland"
AUDIO: Cannes: Premiere von "Vaterland" begeistert Fans (4 Min)

"Vaterland": Film über Thomas Mann handelt von einem "Liebesdreieck"

Stand: 23.05.2026 23:25 Uhr

Hanns Zischler und Sandra Hüller spielen eindrucksvoll im Roadmovie "Vaterland" über Thomas Manns erste Deutschlandreise nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Nicht alles von Paweł Pawlikowskis Film über den Lübecker Autor beim Filmfest Cannes ist historisch akkurat. Mit Absicht.

von Patricia Batlle

Pawlikowskis Spielfilm "Vaterland" hat bei den Filmfestspielen in Cannes umjubelte Weltpremiere gefeiert. Nun ist der Film mit einem der wichtigsten Preise des Festivals ausgezeichnet worden, bei dem im Wettbewerb 22 Filme um die Goldene Palme konkurrierten. Paweł Pawlikowski hat die Silberne Palme als bester Regisseur erhalten - zeitgleich mit den spanischen Regisseuren Javier Calvo und Javier Ambrossi vom Drama "La bola negra".

Cristian Mungiu (2. v. r.) mit seiner Goldenen Palme für "Fjord" und Tilda Swinton (von links), Renate Reinsve und Sebastian Stan

Cristian Mungiu hat mit seinem Drama "Fjord" die Goldene Palme geholt. Paweł Pawlikowski wurde für das Thomas-Mann-Roadmovie "Vaterland" geehrt.

Der Film über den Lübecker Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Thomas Mann ist komplett in Polen gedreht - eine Koproduktion der Länder Polen, Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien.

Kinostart im September, Deutschlandpremiere beim Filmfest München

Bundesweiter Kinostart ist am 3. September. Davor eröffnet er im Juni das Filmfest München, wo einige der Stars des Ensembles als Gast erwartet werden.

Roadmovie handelt von der Familie Mann - und von Liebe

Sandra Hüller (l.) und Hanns Zischler sitzen an einem Tisch und gucken ernst - Szene aus dem Film "Vaterland"
Erika Mann (Sandra Hüller) dolmetscht in Frankfurt am Main die Fragen der internationalen Presse für Thomas Mann (Hanns Zischler).

Er handelt von Liebe und Trauer innerhalb der Familie - und die Liebe zum eigenen Land. Doch: Wo genau ist "Heimat", wenn man nicht mehr in der eigenen Sprache schreiben will?

Es sei ein Film wie ein Bajonett über das "Exil und Verrat", lobt der britische "Guardian". Ein "eleganter Film, der fasziniert", schreibt die US-Zeitung Filmzeitschrift "Variety". Der Historienfilm wird international in der Branchenpresse gefeiert.

Thomas Mann um 1905

Für seinen Debütroman "Buddenbrooks" bekam er den Literaturnobelpreis. Am 12. August 1955 starb Thomas Mann in Zürich.

Historische Reise von Thomas Mann ins Nachkriegsdeutschland

Paweł Pawlikowski im Smoking mit Sonnenbrille hält seine Silberne Palme als bester Regisseur für "Vaterland" in den Händen
Freut sich über seine Silberner Palme als bester Regisseur: Paweł Pawlikowski.

Im Mittelpunkt seines siebten Spielfilms - wie immer, in Schwarzweiß gedreht - steht eine historische Reise des damals 74-jährigen Thomas Mann ins Nachkriegsdeutschland. Es ist das erste Mal, dass der Lübecker Autor und Literaturnobelpreisträger nach dem Zweiten Weltkrieg deutschen Boden betritt. Zu der Zeit lebt er im US-amerikanischen Exil und hat auch die US-Staatsbürgerschaft erhalten.

Anlass für die historische Reise sind die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe. Der Film begleitet Mann nach Frankfurt am Main - und ins ostdeutsche Weimar. In beiden Städten hält der damals bedeutendste lebende deutschsprachige Schriftsteller historische Reden und wird Schritt auf Tritt genau beobachtet.

Erika Mann begleitet Thomas Mann nach Frankfurt und Weimar

All das zeigt Pawlikowski, dem aber genau bewusst ist, dass sein Film nicht historisch korrekt ist. Denn, so der 68-jährige polnische Drehbuchautor und Drehbuchautor ("Ida") bei der Pressekonferenz des Festivals in Cannes, er wollte "auf keinen Fall ein Biopic" machen. Das interessiere ihn nicht. Auf die Idee zum Film gekommen ist er durch Colm Tóibíns Buch "Der Zauberer" über Thomas Mann.

Vertauschte Ereignisse im Jahr 1949

Drei Personen( Pawel Pawlikowski (l-r, Sandra Hüller und August Diehl  in Cannes) bei der Weltpremiere von "Vaterland"
Pawel Pawlikowski (l-r, Sandra Hüller und August Diehl kommen zur Premiere des Films «Fatherland

Pawlikowski hat vielmehr die intensive Beziehung der Mann-Geschwister Erika und Klaus interessiert - und deren jeweiliges Verhältnis zum Vater, der "nicht besonders expressiv" bei Emotionen war, so Pawlikowski. Weder in dessen Büchern noch im echten Leben. Ihn hat das "Liebesdreieck" zwischen den drei Personen interessiert.

Daher reist im Film Thomas Manns Tochter Erika Mann, jeweils beeindruckend gespielt von Hanns Zischler und Sandra Hüller, 1949 mit ihrem Vater nach Deutschland. Und nicht die Ehefrau Katia Mann. Im Film nimmt sich der Sohn Klaus Mann, gespielt von August Diehl, parallel zur Deutschlandreise seines Vaters in Cannes das Leben. Im südfranzösischen Ort liegt bis heute sein Grab.

Der Tod von Klaus Mann lag bei der Reise jedoch bereits Monate zurück. "Aber weder Thomas noch Erika Mann sind je zur Beerdigung nach Cannes gereist", erklärt Pawlikowski.

Unvergessliche Ohrfeigen-Szene mit Joachim Meyerhoff als Gustaf Gründgens

Bis in die kleinsten Rollen ist "Vaterland" fabelhaft besetzt: So hat Joachim Meyerhoff eine unvergessliche Ohrfeigen-Szene mit Sandra Hüller. Er spielt den Theater-Giganten Gustaf Gründgens. Devid Striesow verkörpert Johannes Becher, Milan Peschel und Fritzi Haberlandt sind in Mini-Rollen zu erleben.

Drei von Pawlikowskis Filmen enden mit erhebender Musik von Johann Sebastian Bach. Auch dieser hat eine ergreifende Szene in einer zerbombten Kirche, in der ein Kantor auf der ramponierten Orgel "Jesu bleibet meine Freude" spielt. Und nach nicht einmal 82 Minuten ist der beeindruckende Film zu schnell vorbei. Er dürfte bis zur Preisverleihung noch große Kreise ziehen - und eine der Palmen des Festivals ergattern. Das Festival geht noch bis zum 23. Mai.

Ein älterer Mann mit einer hellen Schirmmütze blickt mit neutralem Ausdruck in die Kamera

In "Vaterland" verkörpert Zischler den Literaturnobelpreisträger auf der Leinwand - und trotzdem sagt er: "Ich spiele nicht Thomas Mann." Ein Porträt.

Zwei junge Männer küssen Schauspielerin Penélope Cruz auf die Wange - auf dem roten Teppich in Cannes

22 Filme hoffen auf eine Palme beim Filmfest. Gute Chancen haben die Dramen "Vaterland", "Minotaurus" und der spanische Film "La bola negra" mit Penélope Cruz.

Susanne Wolff, Jenny Erpenbeck, Volker Schloendorff, Martina Gedeck and Ulrich Matthes in Cannes beim Photocall

60 Jahre nach seinem Debüt in Cannes liefert der Regisseur mit der Verfilmung von Jenny Erpenbecks "Heimsuchung" eine Sternstunde des deutschen Kinos.

Drei Personen( Pawel Pawlikowski (l-r, Sandra Hüller und August Diehl  in Cannes) bei der Weltpremiere von "Vaterland"

Hanns Zischler und Sandra Hüller spielen eindrucksvoll im Roadmovie über Manns erste Deutschlandreise im Jahr 1949. Nicht alles an Paweł Pawlikowskis Historienfilm ist akkurat. Mit Absicht.

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Stichtag 07. Juni 1910: Der Geburtstag der Schriftstellerin Monika Mann

Seiten eines Kalenders

Am 21. Mai 1949 nimmt sich Klaus Mann das Leben. Sein Leben lang hatte er darum gekämpft, als Autor neben dem übermächtigen Vater Thomas Mann wahrgenommen zu werden.

Susanne Wolff und Lars Eidinger in einer Szene aus dem Film "Heimsuchung" von Volker Schlöndorff

Das Festival läuft seit Dienstag - mit deutscher Beteiligung. Sandra Hüller spielt in einem Thomas-Mann-Drama, Volker Schlöndorff zeigt sein Drama "Heimsuchung".

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Der Morgen | 18.05.2026 | 08:15 Uhr

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Am 10. Juli 1848 stirbt Caroline Jagemann in Dresden. Die Schauspielerin und Sängerin glänzte in allen großen Rollen am Hoftheater von Weimar unter der Regie von Goethe.

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Am 14. Januar 1772 wird die vermeintliche Kindsmöderin Susanna Margaretha Brandt hingerichtet. Auch der junge Advokat Goethe schaute zu und schrieb danach den "Urfaust".

Erika Mann und Horst Buchholz anlässlich der Premiere des Films: "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (Ausschnitt, 1957).

Werner Buttstädt hat während der Dreharbeiten mit Thomas MannsTochter Erika Mann und Schauspieler Horst Buchholz gesprochen.

Horst Buchholz am Set des Films "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull".

Der Schauspieler hat am Rande der Dreharbeiten in Hamburg mit Werner Buttstädt gesprochen.

Szene aus dem Film "Das Ende der Sterne": Ein Mann mit Gewehr und ein Mann mit einem Koffer stehen nebeneinander auf einem Feld

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