Satirikerin Ella Carina Werner: Oben ohne im Freibad - und keinen stört’s
Im Gespräch erzählt die Satirikerin Ella Carina Werner, warum sie die Wechseljahre als befreiende Zeit erlebt, was Humor mit Perspektivwechsel zu tun hat und wie sie sich in einer lange von Männern dominierten Branche behauptet hat.
Seit mehr als 20 Jahren widmet sich die Hamburger Satirikerin Ella Carina Werner den Absurditäten des Alltags - und schöpft dafür aus ihrem eigenen Leben. Jetzt sind es die Wechseljahre, in denen die Mitherausgeberin des Satiremagazins "TITANIC" durchaus Vorteile sieht, nicht nur weil damit ein gewisses Image der Harmlosigkeit einhergeht.
Deine Texte sind in erster Linie Alltagsbetrachtungen. Worin besteht für Dich der Reiz dieses Absurden im Alltag? Warum schöpfst Du daraus Deine Geschichten?
Ella Carina Werner: Ich glaube, das ist bei mir ein bisschen angeboren. Ich habe mich schon als Kind wahnsinnig dafür interessiert: Was ist absurd? Was ist seltsam? Was passt nicht zusammen?
Eine Beispielsituation ist gleich schon in der dritten Geschichte im Buch, wo Ella, Mitte 40 in der Kita von einer anderen Mutter angequatscht wird: "Sie sind also die Oma." Ella erschrickt und findet das furchtbar. Das ist etwas, was vielen älteren Müttern schon passiert ist. Ich glaube, die meisten finden es traurig und deprimierend - und ich finde es gleichzeitig komisch. Ich habe tatsächlich gesagt: "Ja, ich bin die Oma." Und dann hat sich das Gespräch so weitergesponnen. Im Buch treibe ich das dann noch weiter, weil es mir Spaß macht. Man muss sich nicht immer an die Realität halten. Ich gehe recht frei damit um. Das sind kleine Situationen, die sich einhaken. Ich habe immer ein Notizbuch dabei, es wird alles erfasst.
Du warst erst Autorin, und inzwischen bist Du Mitherausgeberin des Satire-Magazins "TITANIC". Du bist Mitte 40 in dieser Männerdomäne Satire - wie hast Du es bislang geschafft?
Werner: Mir kam zugute, dass ich mit zwei Brüdern aufgewachsen bin und eine wilde Garagenband nur mit älteren Jungs hatte. Irgendwie war ich immer in diesen Jungsclubs und habe früh gelernt, deren Sprache zu sprechen, mich durchzusetzen. Aber ich habe auch eine recht große Gelassenheit. Bei den feministischen Tiergedichten, die teilweise recht hart gegen Männer austeilen, hatte ich viele erboste Zuschriften von Männern. Inzwischen ist es ist mir egal, ob Karl-Heinz das gut findet oder nicht.
Aber natürlich, gerade in den Anfangsjahren bei "TITANIC" fühlte man sich bei diesen gestandenen Satirikern, die man bewundert, auch mal klein und schüchtern. Es hat lange bei mir gebraucht, bis ich das Selbstbewusstsein hatte zu sagen: Das ist mein Job! Ich bin Vollblutsatirikerin, und ich muss nicht noch tausend Brotjobs haben. Ich mache das und ich kann das auch!
Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man ganz viel liest: Komische Lyrik, Robert Gernhardt, Heinrich Heine, Wilhelm Busch - habe ich alles tausendfach gelesen. Wenn es einen interessiert, dann verschlingt man das. Oder Max Goldt oder Heinz Strunk. Da lernt man am meisten. Ich habe auch ein paar Humor-Theorie-Bücher. Ich wende das nicht aktiv an, aber wenn ich zum Beispiel merke, dass ein Text nicht funktioniert, kann ich mein Handwerk abrufen. Dann kann ich sehen, ob die Fallhöhe oder das Timing nicht stimmen.
Ich glaube, man kann auch im Alltag für sich selber eine Menge lernen. Mir hilft es zum Beispiel, dass ich versuche, mich in andere rein zu versetzen, was die über mich denken. Wenn ich zum Beispiel bei einer Lesung bin und so einen Jammer-Text lese, und dann sitzen da viele 80-jährige Frauen, was oft der Fall ist, dann weiß ich schon genau, dass die denken: "Ist das niedlich, dass sie da so drüber jammert." Und dann nimmt man die eigenen Sorgen auch oft nicht mehr ganz so ernst. Das ist ganz schön, zu versuchen die Perspektive zu wechseln.
Dein aktuelles Buch heißt "Menopause - Turbosause" - das ist in gewissen Kreisen ein Riesenthema. Warum, glaubst du, gibt es da plötzlich diesen gesellschaftlichen Fokus?
Werner: Weil es den vorher nicht gab. Wenn etwas so lange tabuisiert wird und das extrem viele Frauen betrifft - aktuell neun Millionen Betroffene in Deutschland -, dann ist das total befreiend und schön, wenn man darüber reden kann. Bei mir ist es so, dass ich viele Witze drüber mache, ich nehme es gar nicht so ernst. Ich finde, ein Thema ist erst dann für mich geadelt, wenn man sich auch darüber lustig machen kann. Insofern versuche ich ein bisschen das Komische herauszuholen.
Das Gespräch führte Britta Schmeis. Sie können es in kompletter Länge oben auf dieser Seite hören.
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