Historische Rückgabe: Geraubte Geige an Erben übergeben
Die französische Organistation "Musique et Spoliations" will dazu beitragen, während der NS-Zeit geraubte Instrumente an ihre rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben zurückzugeben. Jetzt kann die Organisation einen historischen Erfolg vermelden.
"Wir sind sehr glücklich, bekanntgeben zu können, dass es demnächst die erste öffentliche Rückgabe einer geraubten Geige geben wird", so Pascale Bernheim, die Gründerin der Organisation "Musique et Spoliations". Bei der Geige handelt es sich um ein Instrument des französischen Geigenbauers Caressa, wahrscheinlich aus dem Jahr 1905. Am 7. Oktober wird sie bei einem Konzert in Paris offiziell an die Erben des rechtmäßigen Besitzers zurückgeben.
Wie das Instrument 1940 verschwand
Aufnahmen mit dem Instrument gibt es nicht. Aber ein paar Anhaltspunkte zu seiner Geschichte. "Die Violine war im Besitz eines sehr jungen Musikers, Eugène Choubry. Er hat das Instrument bekommen, als er seinen Abschluss am Konservatorium gemacht hat", erzählt Bernheim.
Der junge Geiger stirbt im Ersten Weltkrieg. Das Instrument geht an seine Schwester. Deren Mann, ein Notar und Instrumentensammler, versteckt die Geige in einem Schloss in der Nähe von Reims, als die Deutsche Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs im Nordosten Frankreichs einfällt. "Aber das Schloss wurde von den Deutschen besetzt. Und als die Deutschen wieder abgezogen sind, haben sie einige der Güter aus dem Schloss mitgenommen, darunter auch diese Geige", sagt Bernheim.
Ein Zufallsfund mit historischer Bedeutung
Das passiert im Jahr 1940. Danach verliert sich die Spur des Instruments, das von seinem Besitzer als gestohlen gemeldet wird. Erst im November 2024 taucht die Geige wieder auf. Ein Antiquitätenhändler hat sie ohne Kenntnis ihrer Geschichte in seinem Bestand und gibt sie zum Verkauf an ein bedeutendes Auktionshaus in Vichy. Dass sie dort als die 1940 gestohlene Violine identifiziert wird, sei ganz wesentlich einem gewissenhaften Fachmann zu verdanken, sagt Pascale Bernheim. Er heißt Etienne Laurent und ist Spezialist für Instrumente bei dem Auktionshaus.
"Als er eine Auktion für Dezember 2024 vorbereitet hat, hat er bei der Recherche herausgefunden, dass dieses Instrument im Art Loss Register erwähnt wird. Das ist eine große Datenbank, in der man Kunstwerke und Musikinstrumente mit einer problematischen Geschichte findet."
"Musterbeispiel für sehr gut gemachten Rückgabeprozess"
Da die Geige vom Hersteller Caressa mit einer Seriennummer versehen wurde, lässt sie sich eindeutig zuordnen. Und als der Auktionator Etienne Laurent sicher weiß, dass er ein vor langer Zeit gestohlenes Instrument in den Händen hält, wendet er sich auf Empfehlung der französischen Behörden an "Musique et Spoliations". Mit Hilfe von Familienforschern machen Pascale Bernheim und ihr Team die Erben des rechtmäßigen Besitzers ausfindig. Die einigen sich, dass die Geige nach der Rückgabe tatsächlich über das Auktionshaus verkauft werden soll. Der Erlös wird dann unter den Erben und dem Antiquitätenhändler aufgeteilt.
"Es ist wie ein Musterbeispiel für einen sehr gut gemachten Rückgabeprozess", sagt Pascale Bernheim. Dass alles ohne juristische Streitereien geklappt hat, liegt ihrer Ansicht nach auch daran, dass das Instrument von Caressa kein Riesenvermögen wert ist: "Wir reden hier von einer ausgezeichneten Geige, die um die 10.000 Euro wert ist. Aber es ist nicht wie ein sehr erlesenes, altes italienisches Instrument."