Solarenergie liefert erstmals mehr Strom als Braunkohle
Photovoltaik lag vergangenes Jahr zum ersten Mal auf Platz 2 bei der Stromerzeugung in Deutschland - vor Braunkohle und Erdgas. Insgesamt stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix aber nicht.
Mehr als die Hälfte des Stroms in Deutschland kam im Jahr 2025 aus Sonne, Wind, Biomasse und anderen erneuerbaren Energien: knapp 56 Prozent des Strommixes. Wichtigster Stromlieferant in Deutschland ist weiterhin die Windenergie: Die Windkraftanlagen Onshore und Offshore deckten 28,3 Prozent der Last im deutschen Stromnetz ab. Photovoltaikanlagen trugen 15,2 Prozent zum Strommix bei und damit erstmals etwas mehr als Braunkohle (14,4 Prozent). Das geht aus Daten hervor, die das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme zusammengetragen hat.
Und auch wenn im vergangenen Jahr weniger Braunkohle für die Stromerzeugung verfeuert wurde - andere fossile Energieträger wie Steinkohle und vor allem Erdgas wurden stärker genutzt, sodass etwa gleich viel Strom aus fossilen Quellen erzeugt wurde wie 2024.
Nordländer erzeugen besonders viel Strom aus Erneuerbaren
Die norddeutschen Bundesländer haben einen deutlich höheren Anteil an Erneuerbaren als der deutsche Durchschnitt: in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern kamen 78 Prozent des erzeugten Stroms aus nachhaltigen Energieträgern - und dabei ist der Strom aus den Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee noch nicht mitgerechnet. Spitzenreiter in ganz Deutschland ist Schleswig-Holstein - hier tragen die Erneuerbaren sogar 90 Prozent zur Stromerzeugung bei.
Stockender Ausbau - nicht mehr grüner Strom in Deutschland
Insgesamt ist der Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Stromerzeugung in Deutschland 2025 aber nicht gestiegen gegenüber den beiden Vorjahren, somit ist der Ausstoß an Kohlendioxid gleichgeblieben. Das lag unter anderem daran, dass weniger Wind wehte, sodass die Windkraftanlagen an Land weniger Strom lieferten. Außerdem blieb der Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen 2025 hinter den Plänen der Bundesregierung zurück - bei der Windkraft wurde sogar nur die Hälfte der geplanten Leistung installiert.
Netzausbau bremst die Nutzung von erneuerbaren Energien
Damit in Zukunft erneuerbare Energien noch mehr unseres Strombedarfs abdecken können, besteht aus Sicht von Leonhard Gandhi, Experte für Energiemärkte beim Fraunhofer ISE, großer Nachholbedarf beim Netzausbau, damit mehr Windstrom vom Norden in den Süden transportiert werden kann und Windkraftanlagen, Solarparks und Batteriespeicher schneller angeschlossen werden. Die wirtschaftliche Bedeutung von Dunkelflauten, also Perioden mit wenig Wind und wenig Sonnenschein, ist hingegen deutlich geringer, denn davon gebe es relativ wenige.
Experte: Mehr intelligente Steuerung des Stromverbrauchs
Viel wichtiger sei es, den unterschiedlichen Strombedarf im Tagesverlauf zu meistern und eine Flexibilität zu gewährleisten, meint Gandhi, der am Fraunhofer ISE Energiedaten für die Plattform energy-charts.info zusammenstellt und analysiert. Dabei könnten nicht nur mehr Batteriespeicher helfen, sondern vor allem die intelligente Steuerung, wann E-Autos, Wärmepumpen und andere Verbraucher, die ihren Energiebedarf zeitlich verschieben können, Strom aus dem Netz beziehen. "Bei den intelligenten Stromzählern ist Deutschland eins der Schlusslichter", sagt Leonhard Gandhi. Nur knapp vier Prozent der Stromzähler hierzulande seien sogenannte Smart Meter, mit denen man bewusst zu günstigen Zeiten Strom beziehen und im besten Fall sogar zu Zeiten von hohem Bedarf in Deutschland Strom einspeisen kann.