Stichwahl in Niedersachsen: Ein guter Tag für die Amtsinhaber
In 123 niedersächsischen Kommunen waren Bürgerinnen und Bürger an diesem Sonntag zu Stichwahlen aufgerufen. Und was schon in der Vergangenheit galt, zeigt sich auch bei diesen Personenwahlen: Die Mehrheit zieht das Bekannte dem Unbekannten vor.
Gewählt wurde in jenen Kommunen, in denen vor 14 Tagen kein Direktkandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht hat und in denen es deswegen heute noch einmal spannend wurde. In kleineren Kommunen wie Jemgum oder Bückeburg gab es recht schnell Entscheidungen - keine Stunde nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr. In den Landkreisen und großen Städten mit ihren vielen Wahlbezirken dauerte es naturgemäß etwas länger.
In Hannover und Salzgitter haben die Amtsinhaber gewonnen
Doch auch hier hat sich nicht viel später die Anspannung in erlösende Freude oder in tiefe Enttäuschung gewandelt. Es zeigt sich: Das Phänomen "Amtsbonus" scheint immer noch zu wirken. So konnten in Hannover, Braunschweig, Osnabrück, Salzgitter und Lüneburg die Oberbürgermeister und Oberbürgermeisterinnen ihr Amt verteidigen. Bei den Landratswahlen zeigt sich ebenfalls, dass die Mehrheit der Menschen gerade bei Personenwahlen offenbar lieber das Bekannte als das Unbekannte und Neue wählt, etwa im Landkreis Osnabrück, wo die parteiübergreifende Kandidatin Anna Kebschull Landrätin bleibt. Alle Ergebnisse finden Sie hier.
Weiter kein kommunales Spitzenamt in AfD-Hand
Die AfD hatte bei den Stichwahlen bis Schließung der Wahllokale noch drei Kandidaten im Rennen - die Partei hätte damit zum ersten Mal ein kommunales Spitzenamt in Niedersachsen erringen können. Allerdings lagen die AfD-Bewerberinnen und -Bewerber in der ersten Runde in allen drei Fällen deutlich zurück. Und auch bei den Stichwahlen reichte es nicht.
- In Salzgitter bleibt Frank Klingebiel von der CDU weiter im Amt des Oberbürgermeisters. Er gewann die Stichwahl mit 74,27 Prozent gegen AfD-Kandidatin Patricia Mair. Klingebiel ist bereits seit 2006 OB der Stadt.
- In Munster hat Einzelbewerberin Anna Adamczak mit 80,5 Prozent gegen den AfD-Kandidaten Christoph Weynand gewonnen.
- In Bockenem im Landkreis Hildesheim unterlag AfD-Kandidat Felix Mull dem Einzelbewerber Jens Lüer. Für Lüer stimmten in der Stichwahl 69,6 Prozent.
Damit bleibt es dabei, dass die AfD, deren niedersächsischer Landesverband offiziell als "gesichert rechtsextremistisch" eingestuft wird, weiterhin keine kommunalen Spitzenämter in Niedersachsen innehat.
Die Ergebnisse der Stichwahlen in den Großstädten und ausgewählten Landkreisen:
- In der Stadt Hannover hat sich Amtsinhaber Belit Onay (Grüne) in der Stichwahl deutlich gegen seinen Stellvertreter Axel von der Ohe (SPD) durchgesetzt.
- In der Region Hannover hat sich SPD-Kandidatin Eva Bender ebenfalls klar gegen CDU-Kandidat Oliver Junk durchgesetzt.
- In Braunschweig wurde Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) wiedergewählt. Er gewann die Stichwahl mit gut 75 Prozent deutlich.
- In Oldenburg hat der von Grünen und CDU unterstützte Jascha Rohr die Stichwahl knapp gegen SPD-Kandidat Ulf Prange gewonnen.
- In Osnabrück hat Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) ihr Amt gegen Volker Bajus (Grüne) verteidigt.
- Die Stadt Göttingen und auch der gleichnamige Landkreis haben eine neue Bürgermeisgterin und eine neue Landrätin. Onyeka Oshionwu (Grüne) gewann in der Oberbürgermeister-Stichwahl gegen Ehsan Kangarani (CDU). SPD-Kandidatin Ulrike Witt hat sich in der Stichwahl um das Landratsamt klar gegen CDU-Mann Harm Adam durchgesetzt.
- Im Landkreis Hildesheim ist Bernd Lynack (SPD) neuer Landrat. Er gewann mit 65,2 Prozent der Stimmen gegen Christopher Gedeon von der CDU.
- In Delmenhorst hat Alexander Mittag von der SPD mit 52,2 Prozent gegen CDU-Kandidatin Petra Gerlach gewonnen.
- In Lüneburg hat die amtierende Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Einzelbewerberin) die Stichwahl knapp gegen Heiko Meyer (Die Unabhängigen Lüneburg) gewonnen.