Nicht schnell genug: Erneuerbare Energien hinter Zeitplan
Ob die Ziele der Bundesregierung für 2030 erreicht werden, ist aktuell unklar. Bis dahin sollen Wind- und Solaranlagen doppelt so viel Strom wie jetzt erzeugen. Vor allem die Windkraft hat noch einen weiten Weg vor sich.
Rendsburg-Eckernförde ist Vorreiter: Hier wurden 2025 nicht nur besonders viele Windräder, sondern auch viele Solaranlagen gebaut. Doch der Kreis in Schleswig-Holstein ist eine Ausnahme. Vielerorts kamen keine neuen Windräder und nur wenig Solaranlagen hinzu. Vor allem für die Windkraft ist das problematisch.
Eigentlich sollten die Windräder an Land und auf See Ende des Jahres knapp 87 Gigawatt Strom erzeugen können. Die realen Zahlen sind davon weit entfernt, aktuell fehlen etwa 10 Gigawatt. Vor allem die Windkraft auf See hängt zurück. Bis 2030 soll sich die Offshore-Leistung mehr als verdreifachen. Laut Bundesverband Windenergie Offshore werde das gesetzliche Ziel erst Ende 2031 erreicht.
Auch an Land sollen die Windräder bis zum Ende des Jahrzehnts fast doppelt so viel Strom erzeugen können. Dafür müsste pro Jahr etwa doppelt so viel gebaut werden wie 2025. "Das ist zumindest extrem ambitioniert", sagt Jürgen Quentin, Referent für Energiewirtschaft und EEG bei der Fachagentur Wind und Solar. "Es ist aus heutiger Sicht aber nicht unerreichbar, denn seit zwei Jahren sehen wir einen enormen Anstieg der Genehmigungszahlen."
Genehmigungszahlen steigen: Das Ziel bleibt möglich
2025 wurde schon bis Ende Oktober mehr Leistung an Land genehmigt als im Vorjahr - das ebenfalls schon Rekordjahr war. Viele Genehmigungen deuten darauf hin, dass in den kommenden Jahren auch viel gebaut werden wird.
Auch Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie, ist verhalten optimistisch: Die vorherige Ampelregierung habe ermöglicht, dass Windräder schneller geplant werden können. Das "Entschlacken von Prozessen" wirke. "Wir haben sehr, sehr viele Genehmigungen. Jetzt sind wir auf dem Nachholpfad."
Am meisten Windkraft-Leistung steht nach wie vor in Niedersachsen. Dort wird in vielen Regionen auch weiterhin stark zugebaut. In Schleswig-Holstein sanken die Bauzahlen wegen Verzögerungen bei Flächeneinteilungen zuletzt etwas, es bleibt aber das Bundesland mit der meisten installierten Leistung pro Fläche.
Auffällig im Norden ist Mecklenburg-Vorpommern: Hier weht viel Wind und es gibt genug Platz, dennoch gibt es kaum Windräder und es werden wenige gebaut. Ein Grund dafür sind extrem lange Antragszeiten. Im Schnitt warteten Betreiber hier aktuell über drei Jahre auf eine Genehmigung. Zum Vergleich: In Niedersachsen dauert das nicht einmal ein Jahr, deutschlandweit keine anderthalb.
Solar liegt über Zielvorgabe - noch
Besser steht es um die Solarenergie: Die Solaranlagen in Deutschland können über 115 Gigawatt Strom erzeugen, das Ziel für dieses Jahr liegt lediglich bei 106 Gigawatt. Trotzdem bleibt eine Sorge: Das Ausbautempo ist nach einigen Boomjahren ins Stocken gekommen. Eigentlich müssten 20 Gigawatt pro Jahr gebaut werden, dieses Jahr waren es bisher aber nur etwa 15 Gigawatt – weniger als in den Vorjahren.
"2025 war für viele Unternehmen ein eher herausforderndes Jahr", sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Erstmals wurden weniger Solaranlagen als vorher gebaut.
Körnig führt dies sowohl auf die allgemein schwierige wirtschaftliche Lage als auch auf die unklare energiepolitische Linie der Bundesregierung zurück. "Noch liegen wir auf der Zielgeraden", so Körnig. Trotzdem müsse beim Solarausbau in den nächsten Jahren noch zugelegt werden.
Obwohl im Süden weiterhin mehr Solaranlagen stehen, passiert auch im Norden beim Photovoltaik-Bau einiges. Vor allem im Norden von Schleswig-Holstein wurde in diesem Jahr überdurchschnittlich viel neu gebaut. Vergleichsweise wenig Solaranlagen gibt es aktuell vor allem im Westen Niedersachsens sowie in Mecklenburg-Vorpommern.
Der Flaschenhals beim Ausbau: Das Stromnetz
Laut den Experten kommt es beim Ausbau der Erneuerbaren vor allem auf eines an: das Stromnetz. Es gehe nicht nur um den weiteren Ausbau, es müsse auch deutlich vereinfacht werden, neue Anlagen ans Netz anzuschließen. Bei den Windrädern habe es in den letzten Jahren geklappt, die Genehmigungszeiten deutlich zu verkürzen. Das müsste jetzt auch beim Netzausbau wiederholt werden, so Axthelm.
Der Ausbau der Erneuerbaren hat ein konkretes Ziel: Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen im Durchschnitt 80 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Zwar decken diese inzwischen mehr als die Hälfte des Strombedarfs, doch das reicht noch nicht aus. 2025 wurde noch nicht einmal halb so viel grüner Strom erzeugt, wie 2030 laut den gesetzlichen Zielen nötig wäre.
"Aus Klimaschutzgründen ist das hoch bedenklich", betont Leonhard Gandhi, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Gerade Sektoren wie der Verkehr oder das Heizen von Gebäuden müssten dringend auf Strom statt auf Verbrennung umstellen, um ihre Klimaziele zu erreichen. Doch bislang ist der Stromverbrauch kaum gestiegen - ein Zeichen dafür, dass die Elektrifizierung in vielen Bereichen noch ganz am Anfang steht.