Mole bei Swinemünde mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Leuchtturm Mühlenbake
AUDIO: Regionalnachrichten aus Greifswald (2 Min)

Ölförderung vor Usedom: Polen startet Umweltprüfung

Stand: 27.09.2026 12:07 Uhr

Umweltschutz, Tourismus und die Frage, wer mitreden darf: Vor Usedom plant Polen eine Ölförderung in großem Stil. Nun laufen die Vorbereitungen - und auf deutscher Seite der Insel regte sich Widerstand.

Für die geplante Erdöl-Lagerstätte "Wolin East" vor den Inseln Usedom und Wollin bereitet Polen eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Laut Projektunterlagen umfasst das etwa sechs Kilometer vor der Küste liegende Vorkommen auf polnischer Seite rund 22 Millionen Tonnen Erdöl. In der Ostsee ist auf einer Grundfläche von zehn Hektar der Bau einer Bohrinsel geplant, inklusive Hafen und Wellenbrecher. Zudem soll eine 200 Meter breite und zwölf Meter tiefe Zufahrtsrinne entstehen. Ausgelegt ist die künstliche Insel für bis zu 30 Bohrungen. Dadurch sollen bis zu 8.100 Tonnen Öl pro Tag gefördert werden können.

Umweltorganisationen und Heringsdorf lehnen Förderung ab

Grafischer Entwurf einer Ölbohrinsel mit Hafen
Grafik: So könnte die zehn Hektar große Bohrinsel vor Swinemünde aussehen.

Die geplante Bohrinsel liegt in unmittelbarer Nähe mehrerer europäischer Meeresschutzgebiete. Nach Angaben der Bürgerinitiative "Lebensraum Vorpommern" reicht das Projektgebiet weit in ein "Natura 2000"-Schutzgebiet hinein. Dieses sei insbesondere für Zugvögel, Kegelrobben und Schweinswale von großer Bedeutung. Bereits heute weise die Pommersche Bucht einen schlechten bis sehr schlechten ökologischen Zustand auf. Das Projekt berge erhebliche Risiken. "Im Fall einer Havarie wird davon gesprochen, dass maximal 3.300 Liter Öl pro Tag austreten könnten, bis dieser Schaden behoben ist", sagte der Jurist der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf auf Usedom dem NDR. Der geplante Ölförderkomplex bedrohe somit die Umwelt und den Tourismus.

Was ist "Natura 2000"?

Das Projekt "Natura 2000" gibt es bereits seit den 1990er Jahren. Es ist ein zusammenhängendes Netz aus Naturschutzgebieten, die sich durch ganz Europa erstrecken. Es soll Flora und Fauna schützen. "Natura 2000" ist weltweit das größte grenzüberschreitende, koordinierte Schutzgebietsnetz.

Polen hat Umweltverträglichkeitsprüfung eingeleitet

Der Bau der Bohrinsel, auf der bis zu 50 Jahre Erdöl gefördert werden soll, muss genehmigt werden. Wegen der Nähe zu Deutschland müssen an dem Verfahren auch Gemeinden auf Usedom sowie das Land Mecklenburg-Vorpommern und Umweltorganisationen beteiligt werden. Noch bis Mitte Oktober läuft ein Verfahren, bei dem der Rahmen für die spätere umweltrechtliche Prüfung festgelegt wird. Daran beteiligt sich Heringsdorf. Sollte Polen das Projekt genehmigen, könnte mit dem Bau frühestens 2028 begonnen werden. Derzeit bereitet die Gemeinde Heringsdorf eine Einwohnerversammlung zur Erdölförderung vor Swinemünde vor. Diese ist am 2. November in Ahlbeck geplant.

Eine Bohrplattform steht in der Ostsee vor der Insel Usedom.

Die Lagerstätte liegt nur wenige Kilometer vor der Küste Usedoms. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister ist erbost.

Eine einzige Strandpromenade verbindet Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck und Swinemünde auf Usedom.

Der BUND hatte die Petition gestartet. Die Umweltschützer befürchten Auswirkungen auf Seevögel, Schweinswale und Kegelrobben.

Constantin Zerger im Interview mit Moderator Frank Breuner

Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe kritisiert angesichts der Folgen des Klimawandels die Pläne, Öl und Gas aus dem Ostsee-Grund vor Usedom zu fördern.

Die Grafik zeigt die Pläne für den Containerhafen Swinemünde: Rechts der Mündung der Swine ragt ein neuer Kai in die Ostsee hinein.

Eine Bürgerinitiative im benachbarten Heringsdorf auf Usedom klagt gegen das Projekt. Sie sieht Umweltbelange zu wenig berücksichtigt.

Ein Mann sitzt mit aufgesetzten Kopfhörern vor einem Laptop, der die Website von Google zeigt

Sie wünschen sich Informationen aus einer seriösen Quelle? Dann legen Sie NDR.de bei Google als bevorzugte Nachrichten-Quelle fest.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 27.09.2026 | 09:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Die neuesten Regionalnachrichten aus Vorpommern

Vorschaubild für den Podcast des Vorpommernstudio Greifswald auf NDR 1 Radio MV

Aus dem Vorpommernstudio in Greifswald berichten NDR Reporter täglich ab 5.30 Uhr im Landesprogramm von NDR 1 Radio MV, für andere NDR Programme und die gesamte ARD.

Ein Autohaus in Bützow brennt.

Nach derzeitigen Erkenntnissen der Polizei brach der Brand durch Schweißarbeiten aus. Menschen wurden nicht verletzt.

Die gotische Wismarer St. Georgen-Kirche.

Die Stadtverwaltung hat diese Bilanzsumme errechnet. Diese soll die Leistungsfähigkeit der Stadt zeigen und den Vergleich mit anderen Städten in MV erleichtern.

Programmhefte, Opern-Partituren und ein Foto des Komponisten Engelbert Humperdinck liegen auf dem Tisch.

Mit seiner Märchenoper "Hänsel und Gretel" gelang ihm der große Wurf. Am 27. September 1921 starb der Spätromantiker in Neustrelitz.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU, l.) und Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern
Entscheidung des DOSB

Die bayerische Landeshauptstadt geht ins Rennen für die Spiele 2036, 2040 oder 2044. Kiel wäre dann Segelstandort, Warnemünde hingegen geht leer aus.