Ölförderung vor Usedom: Polen startet Umweltprüfung
Umweltschutz, Tourismus und die Frage, wer mitreden darf: Vor Usedom plant Polen eine Ölförderung in großem Stil. Nun laufen die Vorbereitungen - und auf deutscher Seite der Insel regte sich Widerstand.
Für die geplante Erdöl-Lagerstätte "Wolin East" vor den Inseln Usedom und Wollin bereitet Polen eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Laut Projektunterlagen umfasst das etwa sechs Kilometer vor der Küste liegende Vorkommen auf polnischer Seite rund 22 Millionen Tonnen Erdöl. In der Ostsee ist auf einer Grundfläche von zehn Hektar der Bau einer Bohrinsel geplant, inklusive Hafen und Wellenbrecher. Zudem soll eine 200 Meter breite und zwölf Meter tiefe Zufahrtsrinne entstehen. Ausgelegt ist die künstliche Insel für bis zu 30 Bohrungen. Dadurch sollen bis zu 8.100 Tonnen Öl pro Tag gefördert werden können.
Umweltorganisationen und Heringsdorf lehnen Förderung ab
Die geplante Bohrinsel liegt in unmittelbarer Nähe mehrerer europäischer Meeresschutzgebiete. Nach Angaben der Bürgerinitiative "Lebensraum Vorpommern" reicht das Projektgebiet weit in ein "Natura 2000"-Schutzgebiet hinein. Dieses sei insbesondere für Zugvögel, Kegelrobben und Schweinswale von großer Bedeutung. Bereits heute weise die Pommersche Bucht einen schlechten bis sehr schlechten ökologischen Zustand auf. Das Projekt berge erhebliche Risiken. "Im Fall einer Havarie wird davon gesprochen, dass maximal 3.300 Liter Öl pro Tag austreten könnten, bis dieser Schaden behoben ist", sagte der Jurist der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf auf Usedom dem NDR. Der geplante Ölförderkomplex bedrohe somit die Umwelt und den Tourismus.
Was ist "Natura 2000"?
Das Projekt "Natura 2000" gibt es bereits seit den 1990er Jahren. Es ist ein zusammenhängendes Netz aus Naturschutzgebieten, die sich durch ganz Europa erstrecken. Es soll Flora und Fauna schützen. "Natura 2000" ist weltweit das größte grenzüberschreitende, koordinierte Schutzgebietsnetz.
Polen hat Umweltverträglichkeitsprüfung eingeleitet
Der Bau der Bohrinsel, auf der bis zu 50 Jahre Erdöl gefördert werden soll, muss genehmigt werden. Wegen der Nähe zu Deutschland müssen an dem Verfahren auch Gemeinden auf Usedom sowie das Land Mecklenburg-Vorpommern und Umweltorganisationen beteiligt werden. Noch bis Mitte Oktober läuft ein Verfahren, bei dem der Rahmen für die spätere umweltrechtliche Prüfung festgelegt wird. Daran beteiligt sich Heringsdorf. Sollte Polen das Projekt genehmigen, könnte mit dem Bau frühestens 2028 begonnen werden. Derzeit bereitet die Gemeinde Heringsdorf eine Einwohnerversammlung zur Erdölförderung vor Swinemünde vor. Diese ist am 2. November in Ahlbeck geplant.