Zahlreiche Windräder mit Rot-Weißen Rotorblättern stehen auf offener Fläche.
AUDIO: Windenergie: Wachsende Zweifel an Offshore-Großprojekten von BP (4 Min)

Wie läuft der Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland?

Stand: 27.09.2026 08:30 Uhr

Das Ausbautempo für Solarenergie verlangsamte sich 2025 und bei der Windenergie hängt Deutschland seinen Zielen hinterher. Am Norden liegt es nicht: In Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen stehen besonders viele Windkraftanlagen.

von Lalon Sander

Die Energiewende ist eins der wichtigsten Projekte beim Klimaschutz. Bis 2030 will die Bundesregierung erreichen, dass 80 Prozent des in Deutschland erzeugten Stromes aus erneuerbaren Quellen kommt. Dazu wurden konkrete Ziele gesetzt, doch der Erfolg ist durchwachsen.

Dieses Jahr sollten nach Plänen der Bundesregierung Windkraftanlagen mit einer Leistung von 8,5 Gigawatt gebaut werden. Die bisher errichteten Anlagen haben eine Leistung von 4,6 Gigawatt, also etwa 54 Prozent der Zielvorgabe. Bei der Solarenergie sollten 2026 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 22 Gigawatt dazugebaut werden. Mit 11,9 Gigawatt erreichen die bisher gebauten Anlagen etwa 54 Prozent der Zielvorgabe.

Die Bundesregierung hat im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und im Windenergie-auf-See-Gesetz für die kommenden Jahre feste Ausbauziele formuliert:

Um diese langfristigen Ziele zu erreichen, hat die Bundesregierung jährliche Ausbauziele formuliert, die im Falle der Windkraft aber schon in der Vergangenheit nicht eingehalten wurden.

2025 wurde bei der Windkraft zu wenig gebaut, so dass die Leistung 8,9 Gigawatt unter dem Ziel blieb. Im selben Jahr wurde das Jahresziel bei der Solarenergie um 12,1 Gigawatt übertroffen.

Die Grafik zeigt die Ausbauziele als schwarz gestrichelte Linien. Wenn die eingefärbte Fläche über dieser Linie liegt, ist ein Ziel übertroffen. Wenn sie darunter liegt, wurde das Ziel nicht erreicht.

2025 wurde aber immerhin so viel Windenergie-Leistung genehmigt wie nie zuvor. Deshalb könnten die Ausbauziele bis 2030 doch noch erreicht werden.

Niedersachsen und Schleswig-Holstein bei Windenergie Spitze

Dabei läuft die Energiewende deutschlandweit nicht gleichmäßig ab. Bei der Windkraft steht Niedersachsen an der Spitze, was die Gesamtleistung der Windräder angeht - aber das Bundesland ist auch vergleichsweise groß. Wenn man die Leistung pro Quadratkilometer betrachtet, ist dagegen Schleswig-Holstein deutschlandweit führend. Insgesamt finden sich fast 40 Prozent der Windkraft-Leistung Deutschlands in den norddeutschen Bundesländern - obwohl sie weniger als 20 Prozent der Fläche ausmachen.

Daher ist es nicht überraschend, dass eine norddeutsche Stadt und eine Region im Norden bei Windkraft führend sind: Emden in Niedersachsen und Nordfriesland in Schleswig Holstein. Nordfriesland ist der deutsche Kreis mit den meisten Megawatt Windrad-Leistung, aber Emden bringt es auf dem kleinen Stadtgebiet auf fast die zehnfache Leistung pro Quadratmeter bezogen auf den deutschen Durchschnitt.

Mecklenburg-Vorpommern liegt bei Windkraft im Mittelfeld

Mecklenburg-Vorpommern liegt nach beiden Zählweisen im Mittelfeld. Dort wurden zuletzt nur wenige Windräder aufgestellt, die Zahl der Genehmigungen ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.

Die gute Position Norddeutschlands beim Windenergie-Ausbau, liegt unter anderem daran, dass im Norden mehr Wind weht. Aber auch die politischen Rahmenbedingungen sind wichtig. In Bayern müssen Windräder beispielsweise mit besonders viel Abstand von Siedlungen gebaut werden, so dass es dort weniger Flächen gibt, auf denen Windräder überhaupt errichtet werden könnten.

Wenige Solaranlagen im Norden

Bei Solaranlagen ist die Situation dagegen umgekehrt: In Süddeutschland, wo mehr Sonne scheint, wird auch mehr Solarenergie produziert. In Bayern und Baden-Württemberg steht die meiste Solarleistung. Niedersachsen ist auf Platz vier, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein auf Plätzen 10 und 11.

Allerdings ist die Lage bei der Solarenergie ausgeglichener als bei der Windkraft. Während es deutschlandweit zahlreiche Landkreise gibt, die nur wenige oder gar keine Windräder aufgestellt haben, verfügen alle deutschen Landkreise über größere Solaranlagen.

Ausbau der Batteriespeicher im Plan

Entscheidend für den Erfolg der Energiewende ist auch der Ausbau von Batteriespeichern. Weil Wind- und Sonnenenergie stark wetterabhängig sind, benötigen sie solche Speicher, um eine durchgängige Versorgung sicherzustellen. Wenn zu viel Strom erzeugt wird, kann dieser eingespeichert und dann wieder abgegeben werden, wenn zu wenig Wind weht oder die Sonne nicht scheint.

In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Batteriespeicher gebraucht. Eine Studie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme schätzt den Bedarf an Speicherkapazität für 2030 auf 104 Gigawattstunden - Ende 2025 gab es deutschlandweit Speicher mit etwa 25 Gigawattstunden.

Auch wenn die Speicherkapazität noch weit vom 100-Gigawattstunden-Ziel entfernt ist, ist sie in den vergangenen Jahren stark gewachsen: Ende 2020 gab es erst 2,3 Gigawattstunden. Derzeit sind weitere große Speicher im Bau.

Handwerker installieren eine Solaranlage auf einem Dach

Deutschland hat die Hälfte des Ausbauziels bis 2030 geschafft - und droht am Ende trotzdem zu scheitern. Woran liegt das?

Eine neue 14 Megawatt-Turbinen von Siemens Gamesa verlässt eine Turbine die Werkshalle.

In fünf Jahren sollten eigentlich 30 Gigawatt Leistung installiert sein. Dieses Ziel wird laut einer Statistik aus Varel erst später erreicht.

Ein Batteriepsiecher steht in einem Raum, durch das Fenster sieht man ein ladendes E-Auto.

Mit Batteriespeichern lässt sich überschüssige Energie einer Solaranlage zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. Lohnt sich das?

Solarpark mit Photovoltaikanlagen auf einer Wiese in ländlicher Umgebung. Die Solarmodule sind in Reihen angeordnet und nutzen Sonnenenergie zur Stromerzeugung.

Insgesamt kamen dieses Jahr 13 Gigawatt neu hinzu. Die Kreise Friesland, Mecklenburgische Seenplatte und Steinburg liegen im Norden vorn.

Eine Luftaufnahme zweier Windräder in einem Rapsfeld.

Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen kommen. Der Weg dahin wird eine Herausforderung.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 22.09.2026 | 06:59 Uhr

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